Bis So Guet

Der Bachelor für Arme

von Till Rippmann

Es ist ja nicht unbedingt einfach Prominenten-Reality TV zu machen. Wer nämlich wirklich prominent ist, weil er oder sie was kann, macht dann lieber das als sich in irgendeiner Sendung zum Affen zu machen. Die, die nichts können und doch aus irgendwelchen Gründen schon ein bisschen berühmt sind, machen bei solchen Sachen mit gerade weil sie nichts können außer prominent zu sein. Und weil sie Geld brauchen, kosten sie was.

Du hast den Bachelor Lorenzo Leutenegger nicht gekannt bevor er zum Bachelor wurde? Ich auch nicht, er hat halt eben Kohle. Und Kohle leistet sich ab und zu ein wenig Berühmtheit. Geld haben ist also schon fast wie prominent sein. Genau wie Geld haben schon fast Pussy haben bedeutet. Das beweist uns der Bachelor zur Genüge; eine Sendung die davon handelt wie sich ca. 15 Frauen öffentlich verkaufen. Fürs Geld und vielleicht für ein wenig Berühmtheit.

Was tun, wenn man sich nicht mal die abgewrackten Crack-Prominenten aus dem Dschungelcamp leisten kann? Wenn man den einzigen gutaussehenden, lobotomisierten Reichen aus der Region schon verballert und sowieso kein Budget mehr übrig hat, um ein Set zu mieten, dass es dann so ausschaut als würde der Reiche wirklich stilvoll leben? Die Lösung scheint einfach: Du holst dir ein paar Durchschnitts-Nullen vom Land und setzt sie in eine Umgebung, wo sie der Bachelor sind. In ein Schwellenland im Ostblock wie die Ukraine zum Beispiel. So ähnlich wird wohl die Programmplanungssitzung bei 3+ verlaufen sein, kurz bevor sie das „ok“ für den Piloten von „Liebesglück im Osten“ gegeben haben. So jemand ist deutlich einfacher zu finden, als eine Person, die irgendeiner Form von Anspruch genügen muss, also wurden gleich drei Provinzversager in einen Bus Richtung Odessa gesetzt. Die drei Typen hätten jeder für sich eine eigene Kolumne verdient, so viel Platz wollen wir aber nicht auf die Idealisierung des Menschenhandels verschwenden, darum hier die drei Jungs in Kürze:

Benno, 30, Gärtner

Für Benno ist Deutsch die einzige Fremdsprache, die er beherrscht. Seine Muttersprache ist derweil Schweizerdeutsch. Dass sich das „im Ausland“ als problematisch beim Frauen klarmachen erweisen könnte, hat sich offenbar niemand überlegt. Die zynischere Möglichkeit ist die, dass sich die Programmverantwortlichen das sehr wohl überlegt haben, aber davon ausgingen, dass die Verlockung der postsowjetischen Tristesse zu entgehen grösser ist als JEDE Form von Anspruch.

Damit hatten sie tragischer Weise Recht: Beno hätte Chancen bei einer ziemlich hübschen 30 jährigen Dame namens Irina gehabt. Leider konnte sie ihm das nicht mitteilen. Also ist er frustriert zurück ins Hotel gezottelt. Ein zweiter Versuch brachte Beno aufs Land, wo er von Ersatzmädchen Tanja (18) die Realität des ukrainischen Bauernlebens gezeigt bekam. Selbst als Tanjas Mutter den jungen Mann mit einem Blick bedachte, der in ca. 78 Sprachen „verpiss dich du Spassti“ sagt, ihm einen Kürbis schenkte (ein traditionelles Geschenk in der Ukraine für Männer die es nicht bringen) und vor die Tür setzte, hatte Beno noch Angst jetzt verlobt zu sein.

Erich, 58, Cowboy

Ich habe nicht rausgefunden, was Erich von Beruf ist, wahrscheinlich Friseur. Sein Hauptanliegen war nämlich, dass er eine Frau mit Busch bekommt. Ja, Busch! Und ja, das hat er mehrfach betont, du glaubst mir nicht? Schaus dir halt an.

Erich war schon viermal verheiratet (mit „Ausländerinnen“), da wäre er jetzt langsam Experte drin, wie er selbst meint. Zudem findet er die Schweizer Frauen schauen zu fest aufs Geld, im Gegensatz zu denen aus der Ukraine. Er hat ein wenig Verständnisprobleme mit der Kupplerin vor Ort, die sieht sich nämlich mehr als jemand, der einem hilft die wahre Liebe zu finden. Erich will keine Liebe sondern vor allem Haare um den Muff.

Hans, 59, DJ

Hans ist von Beruf DJ und legt Volksmusik auf. Vom Zürcher Nachtleben konditioniert wie ich bin, standen meine Nackenhaare Spalier, als er den Flyer in die Kamera gestreckt hat, worauf sein Bild und ein Schriftzug „DJ Hansi“ zu sehen waren. Der leicht speckige Alt-Siebziger ist der fleischgewordene Grund warum man eines schönen Tages die Plattenspieler an den Nagel hängen und was Richtiges mit seinem Leben anfangen sollte.

Etwas beunruhigend fand ich, dass er jede Frau mit Helene Fischer verglich.

Die wird in den letzten Jahren auch den einen oder anderen Anruf bekommen haben, wo nur ins Telefon gestöhnt und danach aufgelegt wurde. Aber tant pis, so was gehört zum prominent sein. Zu Gute halten muss man DJ Hansi, dass er der Einzige war, der effektiv was zum Laufen gebracht hat.

Diese Dokumentation der Dokumentation der Geschmacklosigkeit bringt uns daher zu zweierlei Erkenntnissen:

1.) „Mehr Geld haben“ kann schon einiges bewirken, aber dankbarerweise keine Wunder

und 2.) auch ganz unten hat der DJ am meisten Game. Drum gehen wir dieses Wochenende mal wieder welchen huldigen:

Freitag:

ist das VILLA JET PROJECT im Hive. Nuff said.

Samstag:

gehen wir mit gutem Grund mal wieder ins Bazillus: Man sollte ab und zu an solche Orte gehen, weil sie meist der Anbeginn von etwas Tollem sind und man sich dann später darüber beklagen kann, dass es (was immer es ist) jetzt nicht mehr in so einem kleinen Loch stattfindet und darum nicht mehr „real“ ist. ETERNIA heisst die Party dort. Die haben jede erdenkliche Abart von House, Tech und Synth auf den Flyer geschrieben, also ist bestimmt auch für dich was dabei. Zudem ist mindestens einer der Blackout Visuals dort, will heissen: Der Club schaut eh besser aus als die meisten anderen an dem Abend.

Falls du keinen Grund zum Feiern hast, gehst du am besten an die PARTY WITHOUT A CAUSE im Gonzo Club.

Sonntag:

Ist Entspannen angesagt, falls du dich grad fragst, was denn dieser Peter Jackson vor dem ganzen „Herr der Ringe“- Ding gemacht hat, mach einen Themenabend mit „Braindead“ und seinem Erstling „Bad Taste“.

Und ja wir verlosen Tickets, einfach eine Mail mit Betreff „Ich steh auf Busch“ an info@viceland.ch 

 

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