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      Der größte Liechtensteiner Pop-Star wird es bei den Grammys allen zeigen

      December 11, 2012

      Von Michelle Lhooq

      Letzte Woche flippten alle bei dem Versuch aus, herauszufinden, wie es Al Walser gelungen ist, neben so Deppen wie Avicii, Skrillex und Swedish House Mafia in der Kategorie Best Dance Recording bei den Grammys nominiert zu werden, obwohl ihn absolut niemand kennt.


      Das offizielle Video wurde zum Glück von der GEMA gesperrt. 

      Aber wenn man ihn dann googelt, landet man bei relativ vielen Liechtensteiner und Schweizer Zeitungen und merkt, dass er doch kein ungeschriebenes Blatt ist. Es gab mal diese Euro-Dance-Band Fun Factory, die es wahrscheinlich auf jede Bravo-Hits der 90er geschafft hat. Nachdem sich Fun Factory aufgelöst hatten, gab es die Nachfolgeband Fun Factory, bei der Walser laut WIkipedia Leadsänger, Rapper und Komponist war. Außerdem produziert er Jürgen Drews‘ überaus begabte Tochter Joelina Drews. Und das alles macht ihn wohl zu dem größten Liechtensteiner Pop-Star aller Zeiten.

      Wie dem auch sei: Sein „Hit“, der bis letzte Woche auf ein paar Tausend Views bei YouTube kam, ist eine Festival der Geschmacklosigkeiten, so dass du ihn dir mindestens drei Minuten anschauen musst, um zu kapieren, was das eigentlich alles soll. Und selbst dann ist es ziemlich schwierig, dieses musikalische Verbrechen an der Menschlichkeit, das sich vor deinen Augen abspielt, zu begreifen. Ich hätte nie gedacht, das jemals sagen zu müssen, aber lieber würde ich mir eine Stunde lang das nichtssagende Kreischen von Skrillex anhören, bevor ich mir noch einmal dieses Video gebe. (Also macht da bitte kein Mem daraus, OK?) 

      Man muss nicht erwähnen, wie schrecklich peinlich dieses Debakel für die Grammy Academy war, deren Relevanz mittlerweile ohnehin praktisch nicht mehr vorhanden ist. Bis jetzt gibt es noch keinen offiziellen Kommentar, aber eine „anonyme Quelle“ hat House.net verraten, dass „so etwas nicht passiert.“ Und: „[Die Grammy Academy] nimmt das ziemlich ernst. Ihnen ist das, was geschehen ist, unglaublich peinlich.“ 

      Außerdem hat Walser auch eine Platten-/PR-Firma namens Cut the Bull—deren unglaubliches Logo zeigt einen ziemlich angepissten, seinen Arsch präsentierenden Stier hinter einem Scheißhaufen, der von einer Schere durchschnitten wird (echt wahr). Er bietet angehenden Musikern Beratungen an, aber erst nachdem sie ihre Paypal- oder Kreditkarten-Daten angegeben haben.


      Dieses Video wurde nicht von der GEMA gesperrt.

      Obwohl die Geschichte eigentlich nicht mehr beknackter werden kann, taucht auf Walsers Myspace-Seite ein Video mit einem bizarren Gastauftritt Barack Obamas auf. In dem Video von ca. 2007 befragt Obama Walser über dessen Heimat Liechtenstein. 

      Keiner scheint so richtig zu wissen, was los ist, weshalb ich mich dazu entschied, Al anzurufen, um ihn die Chance zu geben, sich selbst vorzustellen.

      Sobald ich jedoch das Wort „Hoax“ erwähnte, wirkte er plötzlich total aufgewühlt und begann rumzuschreien, dass er Leute wegen Verleumdung verklagen würde. Wenn du das also liest, Al: Ich glaube nicht, dass du das System gehackt hast. Ich denke, du bist ein sehr fähiger Selbstpromoter, der seine Nominierung der Tatsache verdankt, dass die meisten Grammy-Wähler absolut keinen Plan von zeitgemäßer Musik haben. Und du hast sie so lange zugespammt, bis sie soweit waren, deinen Namen auf dem Stimmzettel einzukreisen. Gratulation also! Dir wird nun der gleiche Respekt gezollt wie Skrillex. Welch Errungenschaft. 

      VICE: Hey Al, Glückwunsch zur Nominierung.
      Al Walser: Vielen, vielen Dank, Michelle. Aber könntest du mir bitte erst mal einen kleinen Überblick verschaffen? Was genau ist das VICE Magazine? Geht es dabei um Dance-Musik? 

      Klar. Aber wir behandeln auch andere Themen—Filme, Politik ...
      OK, super.

      Nun, was uns alle brennend interessiert, ist Folgendes: Wie hast du es geschafft, neben so bekannten und etablierten Größen wie Avicii und Calvin Harris nominiert zu werden, und das, obwohl eigentlich niemand wirklich wusste, wer du bist? Wie lief das ab? 
      Zunächst: Ich bin ein riesiger Fan von all den anderen Nominierten. Sie inspirieren mich und ich bin auch ein großer Fan von einigen derer, die nicht nominiert wurden. Ich denke, es ist eine ziemlich lange Geschichte. Ich muss wohl mit der Tatsache beginnen, dass die Grammys aus Leuten bestehen, die Teilzeitmusiker sind und manchmal noch einem anderen Job nachgehen. Das sind Menschen, vielleicht in den 40ern, die nicht wirklich versiert auf dem Gebiet der EDM-Musik sind. Ich habe halt sehr gute Beziehungen ... Ich traf all diese Leute—meine Fans—, und meine E-Mail-Newsletter halten sie auf dem Laufenden und lassen sie am Prozess teilhaben. Ich versende diese Newsletter an Tausende Menschen und manche von denen sind ebenfalls stimmberechtigte Mitglieder. Sie werden also Teil des Songs und ich füttere dieses Umfeld. Wenn mir jemand eine E-Mail schreibt, antworte ich. Die schätzen das, und ich denke nicht, dass einer von den anderen, in dieser Kategorie nominierten Jungs die Zeit dazu hat, all das zu tun. Es ist also eine Art Geben und Nehmen, das die Anderen vermutlich nicht auf die Reihe kriegen, weil sie zu beschäftigt sind. Das verschafft mir einen Vorteil bei den Wählern. Zweitens: Ich denke, sowohl die Wähler als auch generell die USA sind vermutlich nicht sehr vertraut mit DJs, die hinter einem DJ-Pult stehen und Hände und Fäuste zu ihrer eigenen Musik gen Himmel pumpen. Vielleicht schätzen sie also die Tatsache, dass ich alles mache—von A bis Z. Ich produziere meine eigene Musik, ich arbeite als DJ, ich bin schon seit Jahrzehnten dabei. 1997 habe ich in Japan vor hunderttausend Menschen gespielt. Ich bin schon ziemlich lange dabei. Ich mache keine Witze. Und rate mal, Michelle: Sie fühlen sich mir verbunden, weil ich mit ihnen kommuniziere. Sprich, es besteht eine ziemlich enge Beziehung. Hörst du noch zu? 

      Sicher. Ich bin hier.
      Die andere Sache ist die: Warum soll es denn immer nur um die großen Produktionen gehen, für die massig Kohle ausgegeben wird? Warum ist es OK, dass die großen Unternehmen überall das große Geld verteilen, warum soll das immer besser sein als ein unabhängiger Künstler? Und wenn du mich zitieren wollen würdest, würde ich dir Folgendes sagen: „Das ist das Rendezvous mit dem Schicksal für alle Independent-Künstler.“ 

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      Themen: Jürgen Drews, Al Walser, Grammys

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