Wer kommt nach 6 Sekunden Vine-Sex?

von Chloe Cross und Aleks Eror

Du hast doch schon von Vine gehört, oder? Das ist die neue App, die Twitter kürzlich auf den Markt gebracht hat. Mit der können Nutzer ihre Clips von sechs Sekunden auf Endlosschleife in ihre Tweets einbetten. Und weil es das Internet ist, wurde der neue Service natürlich sofort mit Clips von Schwänzen, Ärschen, Vaginas und phantasievolle Erotikkombis aus allen drei bestückt.

Irgendwie landeten einige dieser Videos auf der Vine-Homepage unter “Editor’s Pick”. Das war im ersten Moment lustig, gleichzeitig bruskierte sich die Presse aber über die Verbreitung pornografischen Mini-VideosTwitter musste sich daraufhin öffentlich entschuldigen. Und Vine führte eine Altersbeschränkung in den USA von 17 Jahren ein. 

Nachdem ersten großen Schrecken, stellt sich doch aber die Frage: Was für ein sexuell verrückter Freak kann bei einem sechs-sekündigen Pornoclip in Dauerschleife sexuelle Befriedigung erlangen? Eine hyperaufgeregte Jungfrau? Jemand, der noch nie vorher gesehen hat, wie sich Körperteile berühren?  

Wir haben es ausprobiert: Hier sind ein Junge und ein Mädchen, die versuchen, von Vine Clips einen Orgasmus zu bekommen.

CHLOE

 

Hey ihr. Das bin ich letztes Wochenende auf dem Weg nach Hause. Ich hatte davor meinen Freund besucht. Er verreist für eine Weile und wir haben es nicht geschafft, davor nochmal Sex zu haben. Ich war also ziemlich geil und enttäuscht. Aber Masturbation ist immer ein sicheres Ventil, um den ganzen Frust, der sich in dir aufgestaut hat herauszulassen, und die Anspannung in einer Wutlawine sexuellem Hasses herauszuschießen. Die Vine-Herausforderung kam also zu einem perfekten Zeitpunkt für mich.

Wie ihr sicherlich noch vom Sexualunterricht wisst, gibt es keinen romantischeren, noch hygienischeren Ort sich selbst zu befriedigen, als eine beengte Zugtoilette. Ich wartete ab, bis ein schwitziger Mann, der vor mir da drin war, sich seinen Weg zurück in den Waggon bahnte, ging rein, und setzte mich hin. Um ehrlich zu sein, war ich etwas angewidert. Sein Dekolleté war größer als meins es jemals sein wird. Ich fühlte mich, als ob ich den Spiegel enttäuschen würde. Kein idealer Start. 

ERSTES VIDEO

Der erste Clip war eine reine Penetrationsschlaufe, was OK war, aber viel zu primitiv, um irgendwem einzuheizen. Da fiel mir auf, dass Vine keine neue Art von mädchenfreundlichen Pornos anbietet. Es spricht die gleiche Zielgruppe wie die meisten Pornos des Web 2.0 an: einsame Heteromänner. Ich bin keines dieser Mädchen die sich nur selbst befriedigen kann, wenn die Pornodarstellerin schöne Schuhe trägt und der Typ aussieht, als sei er ein vertrauenswürdiger Mann mit einem gesicherten Einkommen, der meine Kinder nicht enttäuschen würde. Aber ich fand es schwer, mich in sechs-sekündigen Nahaufnahmen von Tittengewichse und gespreizten Arschlöchern hineinzusteigern.

 

VIDEOS ZWEI, DREI UND VIER

Ich hab ein bisschen geschummelt und mir eine Auswahl von Videos gesucht, von denen ich dachte, dass sie bei mir funktionieren würden. Aber dieser Hoffnungsschimmer erlosch sobald der Typ in jedem Video seine Zunge in die Arschritze des Mädels steckte oder wie ein verstörter Zahnarzt mit einem extremen Mangel an Zahnheilkunde und Selbstkontrolle seine ganze Hand ihr in den Mund zwängte.

VIDEOS FÜNF UND SECHS

Nochmals befand ich mich in einer Krise. „Cumshot Gesicht“ erfreut sich großer Beliebtheit. Und ganz ehrlich, ich finde Wichse im Gesicht auch OK. Aber ich bin es gewohnt, solche Szenen als einzelne Ereignisse im Kontext von 30-minütlichen Videos zu sehen, nicht immer und immer wieder in sechs-sekündigen Clips: Einen nicht enden wollenden Wasserfall von Sperma, der sich über das Gesicht des armen Mädchens ergießt. Sechs Sekunden Endlosschleife von Cumshots ist die affigste, männlichste Sache der Welt: Sie entfernen den Spannungsaufbau, zoomen auf das Endprodukt heran, und außerdem gibt es kaum schlimmere Sachen als Sperma im Auge. Das Brennen davon kann dir wirklichen den Tag vermiesen.

 

VIDEO SIEBEN

Das Mädchen in dem oben angezeigten Video war eigentlich ziemlich heiß und sah so aus, als würde sie sich wirklich amüsieren. Schade dass ich es mir als GIF angekuckt habe, was die Authentizität ihres Grinsen und Stöhnen bei jedem Bildwechsel beeinträchtigte.

VIDEO ACHT, NEUN UND ZEHN

Die nächsten zwei Videos waren schrecklich ernüchternd. Fünf der sechs Sekunden habe ich damit verbracht, zu entschlüsseln, ob das Loch eine Vagina oder ein Arschloch ist. Bei dem anderen Video musste ich beim Anblick eines selbstgedrehten Abwichsclips eines Mannes meinen Würgreflex zurückhalten. Ich kam nicht im Entferntesten einem Orgasmus nahe.

 

 

Die ganzen Erfahrungen aus den sechzig Sekunden waren ein absoluter Abtörner. Das einzig kleine Zeichen von Körperflüssigkeit, das sich aus meinem Körper löste, war eine Träne, als ich an all meine bevorstehenden Sexualakte dachte, die alleine durch die Erinnerung an dieses Zugtoilettenfiasco ruiniert waren. Die gute Nachricht ist, dass eine Collage meiner Suchbegriffe bei vineroulette.com erschien. Wenn Oma jemals Twitternutzerin wird, kann sie alles über meine Vorlieben von ekligem, aggressiven Sex erfahren und wir haben endlich etwas, worüber wir an Weihnachten reden können.

 

ALEKS

Pornos im Internet zu finde ist so einfach, dass man nur mit der flachen Hand auf die Tastatur hauen und dann „Enter“ drücken muss, und schon hast du, wonach du suchst. (Wirklich! Versuch es; Es klappt jedes Mal.)

Echt hausgemachte Pornos bei Vine zu finden ist jedoch wie einen Busenblitzer im Kloster zu erhaschen–die meisten Clips werden direkt von RedTube übernommen, was mich schon ein wenig enttäuscht hat. Den einzig selbstgemachten Schmutzkram habe ich bei einem Typen namens „Mis-S“ gefunden, der ein Monopol auf dem Anal-Plug-Markt hat, und bei einem anderen Typen namens „Rrr“ der beweist, dass wenn man lang genug in ein fremdes Arschloch starrt, starrt es irgendwann zurück.

Früher bin ich in sechzig Sekunden gekommen, aber leider hat sich meine Libido im Erwachsenenalter etwas abgestumpft. Um in einer Minute zu kommen, ohne die anturnende Furcht von den Eltern, dem Lehrer oder dem Parkwächter erwischt zu werden, wird sicher schwer. Also habe ich ein paar Kerzen angezündet, um erstmal in die richtige Stimmung zu kommen. 

VIDEOS EINS UND ZWEI

Nachdem ich mich durch einen Irrgarten von RedTube-GIFs und fleischigen Arschritzenprofilen von Typen, die ihre haarigen Exemplare der Welt zeigen müssen, navigiert hatte, habe ich mich schließlich auf die Seite von Lex Steel eingelassen—der einzige Nutzer den ich gefunden habe, dessen Pornosammlung meine Eier nicht verschreckt hat.

Das erste Video zeigte eine Frau die an der Zehe einer anderen Frau saugt. Ja, ich verstehe dass Fetische absolut subjektiv sind; wenn dich so etwas anmacht ist das OK. Mein Ding ist das nicht. Da gab es eine Sekunde am Ende des Clips, als das Mädchen ihr Höschen fallen lässt, wo ich kurz erregt war. Aber das verging sehr schnell als die Schleife erneut zur Sequenz der vollgesabberten Füße zurück sprang.

Das zweite Video bestand großteils aus einem Mann mit Schwierigkeiten, ihn reinzustecken, bis er dann in diesen Rhythmus verfiel, und dabei dieses stille, zufriedene Gesicht machte, das du bekommst, wenn du deine Schlüssel hinter dem Sofa findest oder 3 Euro mit einem Rubbellos gewinnst. In einer Endlosschleife wird dabei aus Erotik schnell Banalität.

VIDEO DREI UND VIER

Ihr trostloser, leerer Blick und der Besorgnis erregende Titel „Yewtree“ hat mich im ersten Moment dazu verleitet den Clip zu verwerfen, aber sobald sie mit ihrer Zunge anfing diesem Typen wild das Arschloch zu lecken wusste ich, dass ich etwas Besonderes entdeckt hatte.

Afterlecken ist eine persönliche Leidenschaft von mir: Es fühlt sich herrlich an und wenn es mich zum Höhepunkt bringen würden, dann würde ich Penetration wahrscheinlich ganz aufgeben. Dieses Video hat mich auf den richtiges Pfad gebracht. 

Leider kam im Anschluss eine Animation von Lois Griffin aus Family Guy, wie sie Peter einen Blowjob gibt und mich bei dem Anblick wieder zu Boden warf. Ich konnte nicht aufhören daran zu denken wie sehr ich Family Guy hasse.

VIDEO FÜNF, SECHS UND SIEBEN

Zu diesem Zeitpunkt wurde mir und dem Experiment mein Mangel an Koordinierungstalent zum Verhängnis. Den Bildlauf mit einer Hand zu synchronisieren während ich mir mit der anderen einen runterholte war zuviel für mein Gehirn (Ich habe es auch nie hinbekommen meinen Kopf zu reiben während ich mir auf den Bauch klopfe). Also ließ ich mein Telefon auf das Sofa fallen, setzte mich aufrecht hin und beschränkte mich auf einen einzelnen Clip.

VIDEO ACHT

Dieses Video war genial. Beim Anblick des wackelnden Frauenarsches war ich wie hypnotisiert. Es war als ob ich in eine Lavalampe starren würde, nur dass statt Wachsformen ein Schwanz wiederholt in ein Arschloch stieß. Ich bin ein einfacher Mann und mit wenig zufrieden zu stellen—endloser Analsex ist mein Ding. 

Darauf bin ich schließlich gekommen.

Wenn ich dir sagen würde, dass Vine das Wichsen der Zukunft ist, würde ich dich anlügen. Aber es ist ein Spiegelbild unserer Zeit. Wir wissen nun seit geraumer Zeit, dass Masturbation kein Kinoerlebnis mehr ist; es ist eine Jagd nach den besten Clips, die wir alle versuchen gleichzeitig zu erleben. 

Vine ist einfach eine Übertreibung davon—eine Karikatur sofortiger Befriedigung in seiner offensichtlichsten Grundform, eine absurde Wichsfabrik, die mehr mit Duchamp und Henry Ford zu tun hat, als mit Belladonna.

Du gehst rein, kriegst was du willst und gehst wieder raus—es wirkt fast als sei es Post-Porno, etwas was für Menschen gemacht ist, die den Orgasmus schnell abhaken wollen, um das Schamgefühl abzukürzen. 


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