Bis so guet

von Till Rippmann

In Bis so guet wird ab jetzt wöchentlich einer unser Schweizer Autoren einen Artikel zum Thema seiner Wahl schreiben und so ganz nebenbei euer Wochenende in Zürich gestalten. Es sind sehr gute Vorschläge wo ihr eure Nächte verbringen solltet. Wir empfehlen euch sie zu beachten. Manchmal verlosen wir auch Tickets.

Du hast bestimmt  Holy Mountain und El Topo gesehen oder zumindest seit du hip bist, so getan. Das sind Filme, über welche die wenigsten Zufallsgesprächspartner wirklich im Detail reden möchten (Seit der Erfindung des Like -Buttons ist diese Art von Gesprächen eh hinfällig meinst du? stimmt schon, trotzdem), aber umso mehr  zustimmend nicken und dann schnell das Thema wechseln, weil jeder weiss: Diese beiden Streifen sind überirdisch geil, vielleicht gerade weil keine Sau abschließend schlau daraus wird und man muss sie kennen oder die eigene Hornbrille schämt sich des Nasenbeins, von dem sie getragen wird.

Hier geht es allerdings nicht um Filme sondern um eine dem Film meistens vorläufige Kunstform: Comics. Einen Comic zu machen ist, wenn auch zeitintensiv, verhältnismäßig billig und wird nicht viel teurer nur weil die Szenerie besser  oder aufwändiger ausschaut. Natürlich braucht ein Olivier Ledroit viel mehr Farbe, Zeit und Leinwände (Ja, Leinwände!) für ein einzelnes Panel  und so deutlich mehr Kohle, als irgendwer für einen 9gag-Post, aber eben nicht Siebzig Millionen Mal so viel.  So ist es einem begnadeten Drehbuchautoren möglich, seine kühnsten Träume in Papier und Tinte zu verwandeln ohne die ganze Finanzierungs-Scheisse drum herum IN seinem Szenario berücksichtigen zu müssen. Will heissen:  In Deinem Antikriegs-COMIC kann zum Beispiel ein Black Hawk Heli abstürzen, 235 U.S.-Marines können in Vollmontur und auf Heroin, plündernd, vergewaltigend und mordend durch einen beliebigen Schwellenland-Sumpf marodieren, ohne dass du im Vorfeld den Segen und das Material der amerikanischen Streitkräfte abgeholt hast. Darum sind Comics noch Kunst und Kino meist nur noch grosses Fernsehen. Darum macht Roland Emmerich Filme und keine Comics, Alejandro Jodorowsky hingegen viel mehr Comics als Filme.

Unzensierte Gewalt und gewaltige Sexualorgane, Porn und Gore auf jeder Zweiten Seite. Wer alle diese schönen Sachen in eine gute Story verpacken kann, ist unser Held. Statt von weissen Rittern in strahlender Rüstung oder Superman,  handeln Jodorowsky-Szenarien von fehlerhaften Antihelden, den übelsten Bösewichten der Weltgeschichte oder geradeheraus von übermenschlichen Killermaschinen. Man möge sich ohne Wenn und Aber die Borgia-Reihe zu Gemüte führen und gleich danach den Schrecklichen Papst.

Angefangen hat Jodorowsky`s Comic-Output in den frühen Achtzigerjahren mit den Incal Geschichten, welche von dem infamen Moebius gezeichnet wurden. Die Science-Fiction Geschichte John Difools und seines Betonvogels Dipo, die in eine Verschwörung von galaktischen Dimensionen verwickelt werden, ist eines der Kernstücke des Jodorowsky Universums. Während Jodorowskys Filme noch Grenzen der Machbarkeit gegenüberstanden, wird hier ungefähr einsehbar was sich wirklich in den Hirnwindungen dieses Genies abspielt.

Auch das Szenario um den aufstrebenden Straßenjungen Juan Solo - eine Geschichte voller Sex, Gewalt, Leidenschaft und Macht. Sie lehrt uns, wie die Meta Barone oder der Showman Killer, dass  Moral ein äusserst Kultur- und Codex abhängiger Luxus ist.

Jodorowsky überzieht die Realität im gleichen Ausmaß,  wie er nüchtern ihre Möglichkeiten aufzeigt. Seine Charaktere sind entweder Täter oder Opfer, wie im echten Leben also. Der junge Juan Solo wird von einem kleinwüchsigen Transvestiten in den Strassen einer südamerikanischen Hauptstadt großgezogen und hat zwei Schwänze. Nicht wie die dritte Titte in Total Recall (schlechtes Remake, gute Brust) sondern eine Verlängerung der Wirbelsäule. Und einen Penis. Die Zwergtranse wird dann zu Tode geprügelt und Juan muss seinen Weg alleine finden. Das verspricht ereignisreich zu werden.  Darum verlosen wir eine Ausgabe der Juan Solo Story, zwei mal den ersten Band des Incals und dreimal den ersten Band des letzten Incals. Du willst die gerne haben? Gut, dann schick einfach eine Mail mit Betreff "Juan Solos Schwänze" an info@viceland.ch

So, jetzt planen wir erst mal unser  Wochenende.

Donnerstag:

Gehen wir ins Longstreet und hören dem Luki beim Lovestreamen zu.

Freitag:

Hat unser Haus-Fotograf Evan Ruetsch seine Ausstellung im Gerolds Garten, für Bier ist gesorgt.

Samstag:

Machen wir  Arty Party  im Untergang natürlich verlosen wir Tickets, einfach bei info@viceland.ch melden.

Und da du einiges zu laufen haben wirst an diesem Wochenende, verlosen wir auch ein paar Sneakers zum Schutz deiner Unterhaltungssuchtgetriebenen Treter. Such dir einfach hier ein Paar aus und schick uns deine Wahl inklusive Schuhgrösse und einer Begründung warum ausgerechnet du die haben sollst an: Info@viceland.ch 

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