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      Das kleine Rave 1x1 für Amerikaner

      January 18, 2013

      Von Clive Martin

      Amerika.

      Euer Verhältnis zur Ravekultur ist dem der Briten zu ihrem geliebten Fußball eigentlich sehr ähnlich. Ihr habt es irgendwann in den postindustriellen Städten des Nordens erfunden und trotzdem versteht eigentlich nur des Rest der Welt wirklich worum es dabei geht. Rave ist quasi euer Frühgeborenes, dass ihr zwar auf die Welt gebracht habt, dessen Erziehung ihr aber schon kurz nach der Geburt der restlichen Welt überlassen musste, weil jedem klar war, dass ihr als Eltern nicht wirklich taugt.

      Irgendwie ist die Ravekultur aber wieder zurück in eurem Leben und ihr solltet lernen damit klar zu kommen.

      Während ihr die letzten 25 jahre damit verbracht habt Learjets zu kaufen und Creed zu hören, wusste wir in Europa längst, was ein Double Drop ist, haben versucht die Laser einzufangen und tausende Raver sind im Drogenrausch von ihren Plateauschuhen in den Tod gestürzt. Für euch waren wir damals alle homosexuelle, existenzialistische Drogenabhängige (okay, an letzterem Punkt könnte durchaus was dran sein) und jahrelang haben ihr euch gegen den unwiderstehlichen Charme von Mitsis, Ministry of Sound und Paul Oakenfold gewährt. Eure Vorstellung von Party bestand damals eher aus " Brewskis", Kiffen und einer musikalischen Mischung zwischen Kid Rock und 2 Live Crew.

      In letzter Zeit hat sich das aber geändert. Irgendwie habt ihr seit neustem Jungs aus der Hood, die MDMA so preisen, dass sich sogar Bez in seinen jungen Jahren wohl gefragt hätte, ob er es nicht ein wenig übertreibt. Trinidad James kommt inzwischen von seinem „Molly“ genau so wenig runter, wie Danny Brown oder Future. Lil Wayne wurde in seinem Tourbus mit genug Stoff verhaftet, um die Loveparade für etliche Stunde zu versorgen und auch der neue Destiny's Child Song wäre bei einem Fantazia-Rave Anfang der 90er wohl gar nicht so Fehl am Platz .

      Amerikaner und ihre Vorstellung eines Raves

      Auf einmal tauschen tausende der achso adretten Teenager, die früher uns Euro-Schwuchteln immer gehasst haben, ihre Ozzfest-Tickets für eine Skrillex-Show ein und rennen auf dem Coachella mit „Daft Punk Rocks“-Plakaten rum. Einer meiner Kollegen hat mir sogar mal die Story erzählt, dass an seiner Highschool House zu hören ungefähr das gleiche war als würde man die Live Alben von Judy Garland feiern.

      Jetzt tun alle so, als wär das eh nie ein Problem gewesen. Wenn ihr mich fragt, ist da etwas gehörig faul und das könnte durchaus am MDMA liegen. 

      Ich bin mir einfach nicht sicher, ob ihr überhaupt einen Plan habt was ihr da tut. Klar, Levon Vincent, Terrence Parker, Juan Atkins und Kenny Dixon Jr., wussten schon immer worum es geht. Aber die ganzen Newbies? Vergiss es! Um ehrlich zu sein finden wir Pillen-schmeißenden Krauts und Redcoats es ziemlich albern, was ihr da so macht. Ich meine, ich komme aus einem Land, in dem „Born Slippy“ genau so oft bei politischen Kampagnen gehört wird, wie es auf dem Schulweg läuft. Wir haben Politiker die schon mal einen Trip geworfen haben und Djs, die Jugendzentren eröffnen. Euch dabei zuzusehen, wie ihr Ecstasy und Dance Music für euch entdeckt ist für uns ungefähr so, wie wenn ihr Waterloo seht oder TGI Fridays-Kellnern zuschaut, wie sie sich unausweichlich in den Selbstmord „YEE-HAW!“-en. Ich habe mir euer  „Camp Bisco“ angesehen und Deadmau5 gehört und glaube, dass es Zeit für einen kleine Crash Kurs in Sachen Rave Culture ist.

      DANCE MUSIC IST IMMER ELEKTRONISCH, IHR IDIOTEN

      Als ich den Begriff „EDM“ zum ersten Mal gehört habe, war ich mir nicht ganz sicher, wofür es eigentlich stehen soll. Damals dachte ich noch, dass das "M“ für Musik stehen könnte, das „E“ für 'europäisch' oder 'elektronisch' und das „D“ für 'digital' (vielleicht in Anlehnung daran, dass die Musik mithilfe von Computer produziert wurde oder so was). Ich hätte nicht im Traum damit gerechnet, dass die Abkürzung für etwas so offensichtliches wie 'Electronic Dance Music' steht. Das ist, als würde man ein Genre 'Guitar Rock' oder 'Trumpet Ska' nennen. Techno ist elektronische Tanzmusik, House ist Electronic Dance Music, Drum'n'Bass ist Electronic Dance Music. Ihr müsst das doch nur mal selber laut aussprechen: ELECTRONIC DANCE MUSIC. Das klingt ungefähr so dämlich, wie deine Großmutter, die versucht über das neue Album von Moby zu diskutieren oder ein Dorfpolizist, der im Fernsehen Fragen zu den Straßenkontrollen beim Sonne, Mond & Sterne Festival beantwortet. Ihr klingt wie verdammte Anfänger. Ziemlich bescheuerte Anfänger.  Denkt euch also was Neues aus, das ihr dann Afrojack nennen könnt.

      LIVE DRUMS SIND EINFACH NICHT ZUMUTBAR

       

      Vielleicht war ich hier jetzt etwas voreilig, ich dachte das wär eh kein Thema, aber wenn man sich mal das Camp Bisco-Video anschaut, könnte man meinen, ihr würdet „live“-Dance Music wirklich groß rausbringen wollen. Meint ihr das ernst? Live House Music sollte einfach auf Jazz Cafés oder diese Clubs in Mayfair beschränkt werden, die Bongospieler engagieren, die dann live bei ihren „funky nights“ auftreten sollen. Wenn es nicht gerade „Calabria“ spielt, hat ein Saxophon einfach nichts im Club zu suchen.

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      Themen: EDM, clive martin, House, music, Techno, Rave, MDMA, Deadmau5, drugs, Drogen, Skrillex

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