Der Comic-Star Sam Humphries und sein pansexuelles Post-Aids-Wunderland

von Mitchell Sunderland


Foto mit freundlicher Genehmigung von Sam Humphries

Vergangenen Februar verkündete Marvel Comics, dass Sam Humphries ihr neuer Hauptautor für The Ultimates wird, der Alternativ-Universums-Version von The Avengers. Bemerkenswert daran ist, dass Sams Karriere mit dem selbst verlegten Comic Our Love Is Real begann, angesiedelt in einer Zukunft, in der Menschen Sex mit Hunden, Gemüse und sogar Kristallen haben. Die unerwartet zärtliche Geschichte über einen brutalen, Hunde liebenden Cop, der sich in eine „mineral-sexuelle“ Hippiefrau verliebt, wurde zum Kult-Hit und scheint eine brillante Karriere angestoßen zu haben. Schon bald wird er es mit sabbernden Fanboy-Interviewern zu tun bekommen, die im Detail wissen wollen, was passiert, wenn Iron Man mitten im Kampf aufs Klo muss. Aber bevor er seriös wird, wollte ich ihm noch ein paar Fragen zu einem Thema stellen, das mir und ihm am Herzen liegt: Bestialität.

VICE: Was hat dich zu der Geschichte über einen Hunde vögelnden Cop inspiriert?
Sam Humphries:
Das war eine logische Konsequenz. Ich habe regelmäßig den Blog dolphinsex.org gelesen. Der Typ, der ihn schrieb, behauptete, eine dauerhafte Liebesbeziehung zu einem Delfin im Golf von Mexiko zu haben. Zwei Dinge wunderten mich: a) Wie stellt man es an, Sex mit einem Delfin zu haben? und b) Beruhte das auf Gegenseitigkeit—eine körperliche und emotionale Beziehung zwischen zwei intelligenten Säugetieren? Ich fand’s irre, und Our Love Is Real ergab sich einfach daraus.

Kann man Hunde oder Kristalle lieben?
Es ist falsch, eine Beziehung zu jemandem aufzubauen, der nicht widersprechen kann.

Kommentiert die sexuelle Beziehung deiner Figur zu einem Kristall die Einstellung der Gesellschaft zu sexuellen Minderheiten?
Nein. Our Love is Real ist eine Geschichte über die Liebe und ihre Macht, unser Leben zu verändern.

AIDS existiert in der Welt von Our Love Is Real nicht mehr. Warum hast du dieses Element in deine Geschichte übernommen?
Ich wuchs in einer Zeit auf, in der AIDS alle Gespräche über Sexualität beherrschte. Das war nicht immer so. In den späten 60er und frühen 70er Jahren wurde Sexualität nicht gleich mit Krankheit und Tod verbunden. Ich fragte mich, wie unsere Gesellschaft ohne AIDS aussehen würde. Inwiefern wären die 90er anders gewesen? Wie sähe unsere Gesellschaft und unsere Kultur aus? Das Sci-Fi-Genre diente mir als Aufhänger, um die Gegenwart zu untersuchen.

Werden einige dieser Elemente in The Ultimates auftauchen?
Nein! Marvel verfügt über Figuren, die buchstäblich Milliarden Dollar wert sind. Ich werde keine zwölfteilige Serie vorschlagen, in der Captain America Heroin abhängig wird.

Wie schade, das hätte ich gern gelesen.

Kommentieren