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      Dieser Mann verbiegt Eisenstangen mit der Kraft seines Geistes 

      November 13, 2012

      Von Sylla Saint-Guily


      Jean-Pierre Girard in seiner Dienstuniform prahlt mit seiner kräftigen Statur.

      Mist. Ich reibe diesen Metallspieß jetzt schon seit über 25 Minuten und er macht immer noch keine Anstalten, sich zu verbiegen. Dabei mache ich alles genau so, wie es mir mein Lehrer Jean-Pierre Girard beigebracht hat: Ich bin in Grün gekleidet, streichle den Spieß sanft und konzentriere meine gesamte geistige Energie darauf, ihn zu verbiegen. Aber so sehr ich mich auch bemühe, dieses Stück Stahl hält sich einfach stur an die Gesetze der Physik. Ich bin im Hause meiner Großeltern, einen Tag nach dem zweitägigen Seminar bei Jean-Pierre, und fange schon an zu bereuen, dass ich ihm 229 Euro gezahlt habe, um die verborgenen telekinetischen Kräfte meines Gehirns freizusetzen. Seit 1974 veranstaltet Jean-Pierre diese psychokinetischen Seminare etwa einmal im Monat. Er bezeichnet sich selbst als „Psi-Subjekt“, womit er meint, dass er übersinnliche Fähigkeiten besitzt, mit denen er—allein mit der Kraft seines Geistes—spektakuläre Kunststücke zuwege bringen kann. In der Praxis bedeutet das meistens, dass er Eisenstangen verbiegt, aber in seiner Autobiografie Influencing Matter hat er geschrieben, dass man mit Psychokinese „einen Marschflugkörper im Flug zerstören oder aus der Entfernung Herzrhythmusstörungen hervorrufen kann“. Jean-Pierre erzählt, dass sich seine besonderen Fähigkeiten erstmals manifestierten, als er sieben Jahre alt war, kurz nachdem er beim Pilzesuchen vom Blitz getroffen worden war. Außerdem behauptet er, dass ihn 1979 die CIA entführt habe, als sie mit übersinnlichen Phänomenen experimentierte, um aus der Entfernung Menschen und Orte auszuspionieren.


      Das Einsteigerset für den angehenden Psychokineten enthält eine Eisenstange, ein Energierad und natürlich Jean-Pierres Autobiografie.

      Jean-Pierre ist der Meinung, dass jeder in der Lage ist, seine inneren übernatürlichen Kräfte wachzurufen und zu schulen. Jedenfalls scheint es genug Leute zu geben, die dazu beitragen, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, und die sich von den deftigen Preisen seiner Kurse nicht abschrecken lassen. Auch ich habe im Juli einem seiner berühmten Seminare beigewohnt, das in der Privatapotheke eines magnetischen Heilers abgehalten wurde. Außer mir waren ein paar der unvermeidlichen Nerds und Anhänger des Paranormalen anwesend, ein paar Metalfans und eine ganze Menge Yuppies, die aussahen, als besäßen sie Kunstgalerien.

      Der Kurs begann um Punkt 10 Uhr morgens, und als wir ankamen, wartete Jean-Pierre bereits auf uns; er trug ein eng anliegendes, rotes, ärmelloses T-Shirt, das seine Bizepse zur Geltung brachte, die—angesichts der Tatsache, dass er 70 Jahre alt ist—in der Tat ziemlich eindrucksvoll waren.

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      Themen: Eisen, stangen verbiegen, Gedankenkraft, Hypnose

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