DJ Wika ist älter und cooler als ihr

von Ivona Tautkute

Wer immer den Spruch „Sterbt jung und lasst einen attraktiven Leichnam zurück“ prägte, hatte keine Ahnung, wovon er sprach. Vielleicht ist der Körper ein bisschen schwabbeliger, wenn man 70 ist, im Vergleich zu den süßen 20, vielleicht sind die Geschlechtsteile ein wenig verformt, vielleicht hat man ein paar Zähne oder sogar Augen verloren, aber Party machen kann man immer, ganz gleich, wie alt man ist. Ich finde sowieso, dass Menschen grundsätzlich in fortgeschrittenem Alter sterben sollten, und zwar, während sie feiern, und nicht etwa, weil sie zu viel gefeiert haben.

Im vorliegenden Fall geht es um Wirginia Szmyt, alias DJ Wika, eine 74 Jahre alte Dame, die mit zwei Laptops besser Musik mixen kann als die meisten 20-Jährigen, die sich schon toll vorkommen, wenn sie Serato beherrschen. Wirginia ist bereits seit zehn Jahren eine feste Größe in der Partyszene für Ältere in Warschau und bringt Salsa, Rumba und Discorhythmen für Menschen, die ihren zweiten oder dritten Frühling erleben, aber auch Shows für ein jüngeres Publikum. Soweit ich weiß, ist sie der älteste DJ der Welt, und ich wünschte, sie wäre meine Oma.

VICE: Hi, Wirginia. Weißt du noch, wann du das erste Mal als DJ aufgetreten bist? Und war das stressig?
Wirginia Szmyt: Nein, überhaupt nicht. Das war in einem Seniorenclub und da waren nicht viele Leute. Als ich vor dreizehn Jahren angefangen habe, war alles noch anders. Da gab’s Kassetten und CDs und man musste die Songs zum Teil per Hand zurückspulen. Heute ist die Technik weiter fortgeschritten. Wenn ein Vierjähriger mit dem Handy umgehen kann, warum soll es ein alter Mensch nicht können?

Was hältst du von moderner Musik? Widersprichst du dem Klischee, dass alte Leute davon genervt sind?
Ich finde, jede Art von Musik ist schön. Klar ist die ältere Generation an andere, langsamere und nostalgischere Rhythmen gewöhnt. Und junge Leute mögen das Neue, das ist ganz normal. Wenn sie es nicht täten, gäbe es keine Weiterentwicklung. Das Einzige, was ich nicht mag, ist, wenn die Musik so laut ist, dass man keinen Rhythmus mehr erkennen kann, weil man nur noch Krach hört. Aber wenn den jungen Leuten das gefällt, das Blitzen des Lichts, der Rauch, dann brauchen sie das eben. Die Musik der jungen Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, gefiel mir gut. Ich weiß nicht, ob das Electro, House oder Techno heißt, aber da sind Rhythmen, die sich wiederholen, aber trotzdem stetig verändern. Es wird immer größer und eindrucksvoller und turnt einen richtig an.

Was glaubst du, ist das Problem von jungen Leuten heute?
Viele Mädchen werden nach One-Night-Stands schwanger. Sex ist heute verfügbarer als für frühere Generationen in Polen. Man geht auf eine Party, lernt jemanden kennen, man mag ihn, geht mit ihm ins Bett und denkt sich nichts dabei. Ich finde es besser abzutreiben, als das Kind nach der Geburt umzubringen. Aber da Abtreibung in Polen verboten ist, kommt es vor, dass Neugeborene einfach in den Müll geworfen werden. Solche Leute sollte man kastrieren.
 

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