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      Drogen im Darknet: Im Gespräch mit den Dealern (Teil 2)

      March 27, 2013
      Aus der Kolumne 'Die Untiefen des Darknet'

      Es gibt Seiten im Internet, auf denen die richtig harte Scheiße abgeht. Einen Ort, an dem es einen Schwarzmarkt für fast alles gibt: Drogen, Waffen, Attentäter—you name it, they have it! Alles vollkommen anonym. Diese Seiten erreichst du nicht einfach mit dem Internet Explorer, sondern du brauchst den TOR-Browser. Wie Leute sich Zutritt ins Darknet verschaffen, und was dort so alles neben Drogenhandel sonst noch abgeht, hast du bereits in Teil 1 nachgelesen.

      Bei meiner Recherche im Darknet habe ich mich auf mehreren Online-Plattformen rumgetrieben, auf denen du Drogen kaufen kannst. Der Stoff wird dir praktischerweise per Post direkt nach Hause geliefert. Ich habe mittels des dort integrierten Nachrichtendienstes mit ein paar Dealern über ihr tägliches Business gesprochen. Diese Geschäftsmänner bzw. -frauen äußerten den Wunsch, dass ich weder ihre Pseudonyme noch die Plattformen preisgebe, auf denen ich sie getroffen habe. Aber sie haben mir einige kranke Details über den Internet-Drogenhandel erzählt und wie sie operieren (viele waren bekennende VICE-Fans). 

      Dealer 1 (Niederlande):

      VICE: Warst du vorher Dealer im echten Leben, bevor du Online-Dealer wurdest?
      Dealer 1: Nein, ich habe im Fernsehen eine Sendung über die „Silk Road” gesehen. Sie haben dort den Preis von Cannabis gezeigt und im Vergleich zu den Preisen hier in Holland war er extrem hoch. Ich habe mir gedacht, das kann ich viel billiger einkaufen, also habe ich es einfach ausprobiert. Jetzt verkaufe ich Cannabis und MDMA. Nicht alleine, sondern in einem Team. Ich kümmere mich um den Kundenservice, habe jemanden, der es verschickt, und einen Einkäufer.

      Ist das dein Vollzeitjob?
      Haha, nein, ich habe einen normalen Job :) Die Bitcoins, die wir verdienen, tauschen wir nicht in echtes Geld. Wir sparen es und in ungefähr drei Jahren, wenn der Bitcoin-Kurs extrem gut ist, werden wir sie abstoßen. Wir haben angefangen, da waren Bitcoins nur 2,60 Euro wert, jetzt sind es fast 65 Euro.

      Wie viele Kunden hast du so pro Woche?
      Wir verschicken weltweit so 20 bis 30 Bestellungen am Tag. Das sind 2,5 Kilo MDMA im Monat und ungefähr ein Kilo Cannabis.

      Wie hat sich der Drogenmarkt verändert durch das Deep Web?
      Kaum, der Drogenschmuggel ist der gleiche geblieben. Aber für Dealer wie mich ist es durch TOR sicherer geworden, anonym zu bleiben :)

      Und wie hat sich das Geschäft innherhalb des Dark Web in letzter Zeit verändert?
      Das einzige ist, dass die Verkäufer kommen und gehen, weil sie nicht mit den bestellten Mengen zurecht kommen. Es werden immer mehr und mehr Kunden :) Deshalb arbeiten wir im Team.

      Welche Nachteile hat das Dealen im Dark Web?
      Es ist schwieriger für Online-Dealer, an das Geld zu kommen, weil alle in Bitcoins zahlen. Die sind zwar anonym, aber trotzdem ist es ziemlich auffällig, wenn wir plötzlich ein paar Millionen auf unsere Bankkonten überweisen würden. Wir haben ein paar besondere Techniken, um das zu machen. Aber ich kann dir nicht erzählen, wie das geht :)

      Wie sicher ist es für dich?
      Ich glaube an die Anonymität von TOR und ich lagere nichts in meinem Haus. Deshalb arbeite ich im Team. Mein Einkäufer verpackt sie bereits so, dass sie verschickt werden können. Er gibt die Drogen an den weiter, der sie verschickt. Ich sehe das Zeug, das ich verkaufe, also überhaupt nicht :)

      Hast du Angst, erwischt zu werden?
      Nein, die USA machen alles, was sie können, um die „Silk Road” und „Black Market Reloaded” zu stoppen, aber die Server sind anonym. Sie würden gerne TOR verbieten, aber das ist nahezu unmöglich.

      Wie sicher ist es, im Deep Web Drogen zu kaufen?
      Du solltest immer bei jemanden mit vielen Transaktionen einkaufen und dir das Feedback anschauen. Lass dir das Paket immer so schicken, dass du nicht dafür unterschreiben musst. Lass sie dir über die normale Post schicken. Wenn dann die Polizei oder der Zoll bei dir klopft, sag ihnen, dass vielleicht ein Freund deine Adresse benutzt hat und dass du sie sofort informieren wirst, wenn jemand sich bei dir meldet und danach sucht. Achte vor allem darauf, dass du keine illegalen Sachen oder Drogen daheim hast, wenn du dir Drogen schicken lässt. Wenn die Polizei zu dir kommt, dann werden sie dein Haus durchsuchen. Drogen können gefährlich sein, überprüfe die Qualität immer selbst. Test-Sets kann man im Internet kaufen.

      Gibt es irgendwelche Orte, an die man sich im Deep Web lieber nicht hin wagt?
      Ja. Ich bin jemand, der deiner Großmutter über die Straße hilft, wenn es schneit. Ich würde versuchen, einen Banküberfall zu stoppen, ohne groß darüber nachzudenken. Aber wenn ich etwas über Leute herausfinden sollte, die Kinder oder Tiere anfassen, dann würde ich jemanden dafür bezahlen, dass sie für immer verschwinden. Haltet euch also von Kinderpornografie fern. Ich kenne Leute, die haben Fake-Seiten, um Pädophile zu jagen. Das Deep Web ist ziemlich tief und nicht alles ist so, wie es scheint. Du kannst alles im Deep Web finden, Attentäter, gefälschtes Geld oder Ausweise. Sogar echte deutsche Pässe. Du willst es? Du kriegst es …

      Dealer 2 (USA):

      VICE: Kannst du mir ein bisschen was über dein Business erzählen?
      Dealer 2: Mein Geschäft fluktuiert ziemlich, in der einen Woche habe ich nur ein paar Bestellungen, aber in anderen verschicke ich 20 bis 30 Päckchen. Ich habe kaum Stammkunden. Es gibt nur eine Handvoll Leute, die regelmäßig bei mir einkaufen.

      Hat sich der Reallife-Drogenmarkt durch das Online-Business verändert?
      Der Straßenmarkt hat sich überhaupt nicht verändert. Online wird so wenig verkauft, dass es unter keinen Umständen Einfluss auf den Drogenmarkt im Allgemeinen haben könnte. Was sich verändert hat, ist, dass jemand gut davon leben kann, nur kleine Mengen zu verkaufen. Bevor ich diesen Markt gefunden habe, habe ich nie weniger als ein halbes Kilo auf einmal verkauft. Ich war Großhändler. Mein Hauptgeschäft sind jetzt vor allem Leute, die einfach nur ein Gramm probieren möchten. Das Öl (flüssiges Haschisch), das ich früher für 6.000 Dollar verkauft habe, kann ich hier für über 16.000 Dollar verkaufen. Es kostet mich zwar viel mehr Zeit, aber für dreimal so viel Geld ist es das wert!

      Und was hat sich für die Konsumenten verändert?
      Die Leute können reinere Drogen mit höherer Qualität bekommen, als sie es in ihrer Stadt kriegen. Straßenverkäufe waren nie sicher: Die Leute werden überfallen, verprügelt oder festgenommen. Und am Ende haben sie keine Ahnung, was für Zeug sie überhaupt gekauft haben. Ich habe Gras gesehen, das mit allem möglichen abartigen Zeug besprüht wurde, damit es sich besser verkauft. Diese Kindergartenscheiße macht keiner hier.

      Wie sicher ist es für dich, hier im Netz Drogen zu verkaufen?
      Man weiß nie, wie sicher man wirklich ist, bis es zu spät ist. Ich glaube, dass ich ziemlich sicher bin, aber ich bin vorsichtig. Ich trage immer Handschuhe, wenn ich die Drogen verpacke und wische alles mit Alkohol ab, bevor ich es verschicke. Ich benutzte verschiedene Postämter. Nicht nur in einer Stadt oder einem Bundesstaat! Ich bin immer auf Reisen, immer mit genug im Gepäck, um ein gutes Angebot zu haben, aber nicht so viel, dass ich in GROSSE Schwierigkeiten käme, wenn man mich erwischen würde.

      Wovor hast du am meisten Angst?
      Meine größten Sorge ist es, ein Paket zu verschicken und nicht alle Fingerabdrücke entfernt zu haben—und dann wird es an die Polizei verschickt. Die Polizei kauft auch auf dem Black Market Reloaded und der Silk  Road ein. Wahrscheinlich sogar ziemlich viel und im ganz großen Stil. Ich habe mal von jemandem gehört, der verkaufte sein Zeug für über ein Jahr an den selben Kunden. Dann sagte der Käufer zu ihm, er könne momentan nicht an Bitcoins rankommen und würde ihm das Geld über Western Union oder Direktüberweisung schicken. Am nächsten Tag wurde er fest genommen. Ein Polizist hatte sich sein Vertrauen erschlichen! Aber im Großen und Ganzen ist es ziemlich sicher für den Verkäufer.

      Wie ist es dann für die Käufer?
      Die Käufer haben das echte Risiko, weil deren Adresse auf dem Drogenpaket steht! Ich habe noch nie selbst etwas gekauft, das verschickt werden musste, also habe ich keine direkten Erfahrungen als Käufer. So lange du nur im eigenen Land kaufst, sollte das Risiko gering sein. Deshalb verschicke ich Päckchen nur innerhalb der USA. Vor allem wenn es nur kleine Mengen sind, geben sie sich kaum Mühe, dich hochzunehmen. Meistens bekommen Leute, deren Pakete abgefangen werden, nur einen Brief, in dem steht, dass sie aufhören sollen, solche Sachen zu kaufen—oder ihr Paket kommt einfach nicht an! Für den einfachen Drogenkonsumenten ist es ziemlich sicher. Bist du Dealer und willst dich über diesen Markt versorgen, wirst du bei großen Bestellungen Ärger bekommen.

      Wie verpackst du deine Drogen fürs Verschicken?
      Dazu werde ich keine Details erzählen, aber ich drucke die Adresse auf Aufkleber und frankiere die Umschläge von Hand. Die meisten meiner Bestellungen kommen in Gläsern. Wenn es mehrere sind, dann umwickle ich sie mit Plastikfolie, damit sie nicht klappern. Dann vakuumverpacke ich alles. Ich achte darauf, dass das Paket nicht auffällig wirkt und sie alle verschieden aussehen. Ich versehe sie mit unterschiedlichen Absenderadressen, damit, wenn ich mehrere Pakete losschicke und eines gefunden wird, die anderen sicher sind.

      Der Markt läuft also gut?
      Der Drogenmarkt hat sich nicht verändert, aber die Methode hat es! Ein guter Vergleich ist der Aktienmarkt: Denk einfach an all die Händler, die in der Vergangenheit an der Wallstreet rumhängen mussten. Die können das heute am Computer machen.

      Dealer 3 (Herkunftsland unbekannt):

      Zu Anfang fing dieser Dealer gleich mit der folgenden Einleitung an:
      Dealer 3: Viele deiner Fragen wären viel zu unsicher zu beantworten, also habe ich sie ignoriert. Ich rate dir, nicht darüber zu schreiben, wie die Drogen verpackt sind. Selbst wenn ich nicht darüber sprechen werde, weiß ich ja, dass du Drogen einfach kaufen kannst und dann kannst du beschrieben, wie es gemacht wird. Aber das größte Risiko ist es, wenn man der Polizei, der Regierung, irgendwelchen Idioten oder der Post von diesen Paketen erzählt.

      VICE: Ist das Online-Business besser als traditionelles Dealen?
      Online ist viel besser, für beide Parteien. Aber am meisten profitieren die Konsumenten. Im Dark Web gibt es sehr talentierte und spezialisierte Dealer mit viel Erfahrung—und diese Leute kümmern sich um ihre Kunden. Du wirst nie Drogen bekommen, die zum x-ten Mal gestreckt wurden. Außerdem gibt es eine Community in den Foren, wo das Zeug in Laboren getestet wird und man über die verschiedenen Verkäufer und ihre Produkte spricht. Du hast eine große Auswahl als Konsument und kannst sicher sein, dass du ein zufriedenstellendes Produkt kaufst.

      Was für Vorteile gibt es sonst noch?
      Ein großes Plus ist, dass du dich nicht mit fragwürdigen Leuten einlassen musst wie im echten Leben. Du musst nicht an gefährliche Orte gehen und musst keine Angst haben, erwischt oder verarscht zu werden. Wenn du nach guten Drogen suchst, musst du nicht all deine Freunde fragen und hoffen, dass einer jemanden kennt, der jemanden kennt oder du musst, noch schlimmer, nicht in die Öffentlichkeit gehen, um Drogen zu kaufen. Du kannst sie einfach online kaufen. Das meiste Zeug wurde bereits von den Verkäufern getestet und du weißt über Inhaltsstoffe und die Dosis genau Bescheid. Du kriegst immer genau das, was du willst.

      Ist es überhaupt sicher für den Konsumenten?
      Ziemlich sicher. Viel sicherer, als Drogen in der Öffentlichkeit zu kaufen. Die Polizei kennt ja die Orte, wo man Drogen kaufen kann.

      Sollten sich die Leute deiner Meinung nach von irgendeinem Ort im Deep Web fern halten?
      Halte dich fern von Kinderpornografie, Waffen und Bomben.

       

      Dealer 4 (Herkunftsland unbekannt):

      VICE: Verkaufst du auch im echten Leben Drogen?
      Dealer 4: Ja, aber nur an enge Freunde und in kleinen Mengen. Ich verkaufe nicht gerne im echten Leben.

      Wie bist du auf das Online-Dealen gekommen?
      Ich habe auf Gawker darüber gelesen und gemerkt, dass ich viel Geld damit machen könnte.

      Was sind die Vorteile dieses Business?
      Die Leute können meine Drogen kaufen, während ich schlafe. Ich muss meine Kunden nicht treffen und kann mich besser organisieren. Es ist weniger Arbeit.

      Hast du Angst, von der Polizei erwischt zu werden?
      Ja, natürlich habe ich Angst, von der Polizei erwischt zu werden, wer hat das nicht. Ich gehe davon aus, dass sie versuchen, etwas gegen den Online-Markt zu machen, aber abgesehen von den Päckchen, die sie ab und zu abfangen, können sie nicht viel machen. Ich bekomme regelmäßig Nachrichten von Leuten, bei denen ich vermute, dass es die Polizei ist, aber hundertprozentig weiß man das nie. Sie wollen mich treffen oder fragen nach Kontaktdaten von anderen Dealern, weil sie sich angeblich an ihrer aktuellen Adresse nichts schicken lassen können. Meistens ignorieren sie jegliche Hilfe, die ich ihnen gebe, um ihre Probleme zu lösen.

      Gibt es auch Gefahren im Online-Markt?
      Ich glaube, dass die größte Gefahr beim Kaufen von Drogen online nicht von der Polizei ausgeht, sondern von Scammern. Es gibt Dutzende Fake-Drogenmärkte und Händler, die dich verarschen. Sei einfach kein kompletter Idiot und mach die nötige Recherche, dann solltest du keine Probleme haben.

       

      Wie du siehst, mag es durch einen Trip in die Untiefen des Darknets möglich sein, so ziemlich alles zu kaufen. Aber auch das Kaufen von Drogen ist dort nicht ohne Risiken—und vor Waffenhandel und Pädophilenseiten raten dir sogar die Leute ab, die im Untergrund ihr Geschäft mit Drogen verdienen.

       

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      Themen: Drogen, Cyberkriminalität, Dark Net, Deep Net, Silk Road, Black Market Reloaded, Kokain, Gras, Weed, Crystal Meth, Heroin, koks, Methamphetamine, illegal, Drogenfahndung, polizei, BKA, LKA

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