Habemus Twitter!

von Markus Lust


Die Trinität auf Twitter: @Pontifex, Hashtag Heiland, trending worldwide und so.

Mein Vater war die längste Zeit der fixen Überzeugung, ich würde heute mehr von der katholischen Kirche halten, wenn ich während meiner Schulzeit im Religionsunterricht nicht zuerst von einer manisch-depressiven Katzenlady, dann von einem ohrfeigenden Altpriester und schließlich von einem etwas getrübten Theaterregisseur "erzogen" worden wäre. Ich meinte darauf immer, das könnte schon sein, aber irgendwie sagt es doch auch einiges über das System der katholischen Kirche aus, dass sie von ebensolchen Leuten repräsentiert wird.  Inzwischen ist mein Vater selbst aus der Kirche ausgetreten, weil sie erstens unverschämt viel Kirchenbeitrag verlangt und zweitens Senator Palpatine zum Papst gewählt hat — und er ist weder leichtfertig im Umgang mit Geld noch ein besonders großer Star Wars-Fan.

Ich bin zwar das genaue Gegenteil meines Vaters, aber merkwürdigerweise konnte mich der Pontifex trotz seiner Ähnlichkeit zum Imperator und meiner Bereitschaft, die Euros bis zum Untergang des Abendlandes in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, bislang nicht dazu bringen, seinem endgültigen Erlösungsverein wieder beizutreten. Zumindest bis jetzt. Denn seit gestern passiert etwas, das so unglaublich ist, dass ihm nicht mal die Bezeichnung Genesis 2.0 gerecht werden kann: Papa Benedikt nutzt Twitter.


Die Twitter-Seite Seiner Heiligkeit mit einem erleuchtenden Farbverlauf Richtung Eierschale.

Und weil ich es in der Ewigkeit an und für sich auch ganz gerne auf einem Wölkchen bequem hätte, wenn es sich mit ein bisschen Beitragzahlen und einmal im Jahr den Segen "Urbi et orbi" im Fernsehen anschauen regeln lässt, habe ich sofort das gesamte Pontifex-Profil genauestens unter die Lupe genommen. In der Hoffnung, irgendwo einen guten Grund zu finden, warum ich als nichtpraktizierender Geburtsjude dem Zwergstaat mit dem Riesenvermögen mein Approval geben sollte. Und weil es natürlich nicht auf meine mickrige Meinung ankommt, habe ich versucht, jeden Punkt mit einer passenden Bibelstelle zu untermauern. Damit wir alle was davon haben. Amen.

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