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      Hose for bros Hose for bros Hose for bros

      Hose for bros

      February 20, 2013

      Von Melanie Biedermann

      Aus der Kolumne 'Bis So Guet'

      Tippfehler? Huren für deine Bagage? Das hättest du gern, darum geht`s heute aber nicht. Mit dem spitzfindigen Wortspiel ist der Strumpf fürs Männerbein gemeint. Der angebliche Trend 2013. Bis so guet.

      Die Branchenbibel WWD liess die Nachricht raus und es sieht wirklich schitter aus: „Get your mantyhose on“ lautet die Headline und die guten Guylons sind tatsächlich auf dem Vormarsch. Der Strumpfhersteller Emilio Cavallini verzeichnet recht hervorragende Zahlen auf dem Nylonmarkt. Die Onlineverkäufe für Männerstrümpfe schnellten im letzten Jahr von einem kümmrigen auf 30 glohrreiche Prozent – für Platzhirsch Cavallini Grund genug, die 2009 lancierte Unisex-Linie zu pushen. Und der Bieber trägt`s natürlich auch.

      Brosiery, He-tards, Mantyhose – such` dir einen aus. Die Palette an Rufnamen für das lauschige Höschen lässt dir die Bröckchen die Kehle hochsteigen. Tatsächlich gibt es so viele Helden in Strumpfhosen, dass der blosse Gedanke daran MC Hammer die Kehle abschnürt. Die meisten davon sind liebevoll gesponnene Nerdträume und Kleinmädchenfantasien: Robin Hood, die ganze Marvel Collection und Märchenprinzen aus dem Disney-Kosmos. Aber ganz ehrlich: Superman hat mehr Game als Clark Kent – war immer schon so. Und diese leicht befremdliche Faszination für Jungs in Nylons, die voller Manneskraft und Selbstkontrolle über die Bühnen des Lincoln Centers schweben? Ein Blick auf die Tanzgötter im Elasthannetz reicht und Frau glaubt, sie sei eine zarte Elfe – eine Prima-Ballerina getoppt mit Glitzerstaub und lila Laser-Augen. Und am Ende nimmt Peter Pan sie mit ins Nimmerland. Wer möchte sich nicht mit seinem Best Buddy in ewiger Kindheit wohnen?

      Zurück vom fantastischen Outer Space-Trip, lässt sich auch in irdischen Sphären auf ein langjähriges Geplänkel zwischen der Elastikware und den Männern zurückblicken: Ziggy Stardust im Disco Glam-Fummel, Mick Jagger in Lederleggings und Patrick Swayze in unlauteren Dance Pants. Auch Iggy Pop bevorzugte seine Legwear möglichst tight und stretchy. Gut, die werten Herren sind Ikonen – die meisten von ihnen Rockstars mit exhibitionistischem Vermächtnis. Aber Ikonen werden verehrt. Und Idolatrie verführt den Unwissenden zur Kopie. Dieser Umstand führt uns wiederum zur eigentlichen Problematik: Männer in Strumpfhosen – verwirrt auf der Strasse streunend.

      Man möchte argumentieren, dass Legenden der Popkultur eh die Carte Blanche in Stylingfragen für sich gepachtet haben und Nachahmer eben selbst schuld sind: Für so viel Hochmut gibt`s  halt eine aufs Maul. So what? Was aber, wenn ein echter Kerl, ein Sportass zum Beispiel, publikumsnah und „for real“ für die Strumpfware die Primadonna macht? Joe Namath, ehemals Star-Quarterback der New York Jets, schmiss sich bereits in den frühen 70ern für die BeautyMist-Kampagne in schimmernde Strumpfware. Like a million dollar. Und heute, etwa 40 Jahre später, hat Quetsch-King Spanx spitzgekriegt, dass sich aus dem Eitelkeitsdebakel Profit schlagen lässt. Mit „Have a sixpack – and drink it too“ liefert der Brand das männliche Pendat zur Sanduhrpretsche. Andere, stärker beinfokussierte Strumpfanbieter propagieren den vitalisierenden Effekt der Männernylons. Compression Hosiery nennt sich das dann. Stützstrümpfe, damit das eigene, dann auch mit dem gefakten Beckham-Package mithalten kann.

      Der Spass geht soweit, dass Conan O`Brien seinen secondo-irischen Prachtarsch in semitransparenten Jeggins – Jeans meets Leggins – schmeisst. Wobei er neben den Produktwerbungen der französischen Strumpfmarken Gerbe und Levée etwas blass aussieht. Wer`s nicht so schön hinbekommt wie die anabolen Testimonials, kann bei E-Mancipate.net nachlesen, wie man sich den Zwirn über die Waden streift. Die Website widmet sich ausnahmslos und inbrüstig dem männlichen Nylonfetisch, Tutorials included. Posing-Tipps sicher auch. Und auf Strumpfversand.ch gibt`s auch hierzulande eine beachtliche Auswahl an Brosiery.

      Das sind jetzt definitiv genug Bilder, die dir den Schlaf rauben. Wenn du vor lauter Genitalnebel die Jeans nicht mehr findest, greif zur langen Unterhose und einem Kanister Johnny, Jack oder Puschkin. Zum Verdauen geht`s hier hin:

      Donnerstag:

      Gehen wir ohne Scheiss nach Wetzikon, Sofakunst.

       

      Freitag:

      Pilgern wir nach Bern, weil Stefano Ritteri und unsere Freunde von Trinidad im Bonsoir eine Platte releasen.

      In Zürich solltest du ins Longstreet gehen, dort sind die Herren vom Comfortnoise mit Dxm Flipsides an den Reglern.

      After Hour mit 2 Girls one Clup, wie es sich gehört, Abschluss kannst du aber auch am Samstag feiern.

       

      Samstag:

      Die letzte Party in dem was für Zürich am nahesten an New Jack City herankam, nur ohne Crack- wir weinen ein wenig. Gang Club.

      Oder halt unter den Gleisen durch und hier hin. Am besten beides.

       

      Sonntag:

      Kannst du dir aus gegebenem Anlass mal den Film „ Mea Maxima Culpa“ reinziehen oder eben aus nicht minder und jederzeit gegebenem Anlass „New Jack City“. 

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      Themen: Zürich, Schweiz, Bis so guet, Strumpfhose

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