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      Es geht dem Ende zu

      January 29, 2013

      Von VICE Staff

       

      Gleich nachdem Gott die Menschheit dahingeschissen hatte, sprach Er (so steht es jedenfalls in der Bibel): „Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. (…) ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde.“ Was Er uns vorenthalten hat: Der ganze Scheiß ist endlich—und wenn wir uns weiterhin ohne zu verhüten dumm und dämlich ficken, wird der Planet die menschliche Rasse irgendwann nicht mehr ernähren können. Noch ein Beweis dafür, dass Gott nicht real ist. Außerdem wird Er uns vor nichts bewahren. Findet euch endlich damit ab!

      Mutter Natur dagegen ist ein echt knallhartes, mieses Biest, das den Homo sapiens wie lästige Schuppen einfach von der Erdkruste abschütteln kann. Und schon sehr bald, wenn alles so weitergeht wie bisher (und das wird es, wenn wir ehrlich sind), wird das samentragende Kraut verrotten, wird „Meteorologe“ keine Jobbeschreibung mehr sein, werden wir fast alle erfrieren und werden Kannibalen die Welt heimsuchen, um sich an den vereinzelten Überlebenden gütlich zu tun.

      Angesichts dieser furchtbaren—aber unvermeidlichen—Zukunftsaussichten baten wir die Mitarbeiter unserer internationalen Redaktionen, ihre Forscherhüte aufzusetzen und herauszufinden, welche wertvollen Materialien und Ressourcen ihren Ländern am schnellsten ausgehen. Wir wissen natürlich, dass ihr nur nach großen Geschäften abzieht und in einem grünen Büro arbeitet oder was auch immer, doch die unten beschriebenen Probleme sind zurzeit so gut wie unlösbar. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zurückzulehnen und das unaufhaltsame Dahinsiechen des schwebenden Gesteinsbrockens zu beobachten, den wir unsere Heimat nennen (außer man hat das Glück in Österreich zu leben, das eine Insel der Seligen zu sein scheint).

      ÖSTERREICH

      Alle Experten, die wir befragten, waren sich einig, dass es Österreich auch in näherer Zukunft nicht an Ressourcen mangeln wird. Gemessen an seiner Größe ist das Land reich an zahlreichen Rohstoffen wie Holz, Eisenerz und Magnesit. Diverse Industrien fördern davon jährlich um die 169 Millionen Tonnen, was Österreich aber auch nicht retten wird, wenn in nicht allzu ferner Zukunft der Moment des peak oil eingetreten ist. Robert Holnsteiner vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend meinte, dass jeglicher Engpass, in den das Land aktuell gerate, auf die Geopolitik zurückzuführen sei und nicht darauf, dass der Erde irgendetwas ausgehe. Das hört sich logisch an, wenn man einerseits die immensen Erdgasvorkommen in Russland und andererseits Putins Politik der letzten Jahre bedenkt. Allerdings leidet die österreichische Landwirtschaft unter der Tatsache, dass kleine Bauernhöfe wirtschaftlich immer unrentabler werden. Anders als in den USA entstehen anstelle dieser kleinen Höfe jedoch keine Bauprojekte, sondern Wälder. Und diese Wälder werden nicht abgeholzt und zu Holz verarbeitet, da Österreich seinen Holzbedarf weiterhin durch billigere Importe deckt. Es scheint, als wären die Österreicher ganz einverstanden damit, ihr Ackerland aufzugeben und der Natur ihren Lauf zu lassen. Aber das ist ja nicht unbedingt die schlechteste Idee.


      DEUTSCHLAND

      Obgleich Deutschland weltweit eines der wirtschaftlich einflussreichsten Länder ist und daher jede Menge Ressourcen benötigt, besitzt es selbst nicht gerade viel von dem guten und profitablen Zeug wie Eisenerz, Öl und Gold. Die Natur macht die fleißigen Deutschen also von anderen Ländern abhängig und sie geben jedes Jahr zig Milliarden Euro aus, um Rohstoffe aus anderen westeuropäischen Ländern sowie aus Ländern wie Australien, China und Kanada zu importieren. Eine Ausnahme angesichts dieser Knappheit ist Kohle, deren Abbau im 19. Jahrhundert die industrielle Revolution des Landes vorantrieb und im Ruhrgebiet und Saarland für Tausende Jobs sorgte. Diese Jobs sind jedoch mittlerweile verschwunden, da die Regierung im Jahr 2007 mit dem stufenweisen Ausstieg aus dem subventionierten Abbau der Steinkohle (der energieeffizientesten Kohleart) begonnen hat. Laut Bernd Lehmann, Professor für Geowissenschaften an der Technischen Universität Clausthal, wurden der Regierung die Steinkohlesubventionen zu teuer—ganz abgesehen davon, dass das Land sich für den Umstieg auf Energien entschieden hat, die die Luft nicht mit schädlichen Emissionen verpesten und zum Klimawandel beitragen. „Deutschland befindet sich mitten im Wandel und muss unbedingt von den fossilen Energien wegkommen“, erklärte Lehmann, obwohl er einräumte, dass Kohle zumindest in den kommenden 100 Jahren eine wertvolle Energiequelle bleiben werde und der Abbau von Steinkohle weltweit zunehme. Und obgleich es in Deutschland keinen Steinkohlebergbau mehr geben wird, lässt das Land weiterhin unvermindert Braunkohle abbauen—eine viel umweltbelastendere Energieform—da diese Industrie nicht von staatlicher Finanzierung abhängig ist.

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      Themen: Öl, weltuntergang, Ressourcen, Österreich

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