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      Mandäische Flüchtlinge haben die Wahl zwischen dem Irak und der Cholera

      December 17, 2012

      Von Milène Larsson

      Foto von Nasir Shathur

      Eine mandäische Flüchtlingsfamilie in ihrer syrischen Wohnung zeigt ein Foto ihres ermordeten Sohnes.

      Während der religiös motivierten blutigen Unruhen nach der US-geführten Invasion 2003 flohen über eine Million Iraker nach Syrien. Darunter befanden sich auch Tausende von Mandäern, eine ethnisch-religiöse Minderheit, die schon seit der Antike an den Ufern der Flüsse Tigris, Euphrat und Shatt al-Arab lebt. Die Mandäer wurden unter Saddam Hussein verfolgt. An seine Stelle sind jetzt radikale Islamisten getreten, welche die Übergriffe, Entführungen und Vergewaltigungen von Angehörigen der gnostischen Sekte fortführen. Heute leben noch weniger als 5.000 Mandäer im Irak; vor dem Sturz Saddams waren es noch 50.000. Jene, die ins benachbarte Syrien geflohen sind, einer der letzten säkularen Zufluchtsorte für religiöse Minderheiten im Nahen Osten, mussten feststellen, dass sie von einer Hölle in eine andere geraten waren.

      „Zuerst war unser Leben hier besser als das im Irak, aber es wird jeden Tag schlimmer“, berichtet eine Mandäerin, die 2009 floh. „Die Lebensmittel- und Mietpreise schießen durch die Decke, es gibt täglich Stromausfälle und wir können Explosionen und Schüsse hören und verlassen das Haus nur noch im Notfall. Aber für mich ist das normal, ich kenne das aus dem Irak.“

      Schon vor der Revolution hatten die Vereinten Nationen vor einer Verschlechterung der Bedingungen für irakische Flüchtlinge gewarnt—den meisten wird bestenfalls Gaststatus gewährt und die Mehrheit dieser Auserwählten bekommt keine Arbeitserlaubnis. Also sind sie auf ihre mageren Ersparnisse und ausländische Hilfe angewiesen, was viele Frauen und Kinder in die Prostitution zwingt.

      Hikmat Salim Abdul, ein mittlerweile in Schweden lebender Mandäer, sagt, es mache ihn traurig, dass eine ganze Generation Mandäer jetzt keine Chance auf Bildung habe und damit der Apathie anheimfalle, weil sie weitgehend ans Haus gefesselt seien. „Ich konnte keine Arbeit finden und musste von Spenden anderer Mandäer im Ausland leben, wie viele andere mandäische Familien auch“, erzählt Hikmat von seiner Zeit in Syrien, wo er bedürftigen Familien Geld übermittelte.

      Da sich der Bürgerkrieg in Syrien immer mehr in einen religiös motivierten Konflikt auswächst, werden mandäische Flüchtlinge die Gefahren der religiösen Verfolgung wohl erneut durchleben müssen, so wie im Irak. Aida sagt, sie habe weniger Angst vor dem Regime als vor den Rebellen: „Derzeit werden wir vom Regime beschützt, während die FSA versucht, uns Iraker zurück in den Irak zu schicken.“

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      Themen: Syrien, Syria-Issue, NEWS, Flüchtlinge

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