Mit Saadi Gaddafi kann man viel Spaß haben, sagt sein Bodyguard

von Laura Cameron

Saadi Gaddafi ist der dritte Sohn von Muammar Gaddafi. Der internationale Playboy und gescheiterte Fußballspieler hat nie die Vorliebe des Vaters für eine Phalanx weiblicher Bodyguards geteilt. Stattdessen hat er seine persönliche Sicherheit einem kleinen australischen Ex-Soldaten namens Gary Peters anvertraut. Obgleich nicht so glamourös wie die Amazonen aus der Leibgarde seines Vaters, die einen Eid ablegen mussten, dass sie Jungfrauen waren, und ihr Leben für den Diktator geben sollten, war Peters ein loyaler Beschützer. 

Peters kommt aus Cambridge, Ontario, wo er seine Firma „Can/Aust Security and Investigations International“ leitet. Ein Jahr lang hat die CBSA, die kanadische Behörde, die für Grenz-, Einwanderungs- und Zollkontrollen zuständig ist, gegen ihn und seine Beziehungen zur ehemaligen libyschen Diktatur ermittelt. Am 29. Januar ordnete die Einwanderungs- und Asylbehörde seine Abschiebung an, nachdem man ihn bei einigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit des Gaddafi-Regimes für mitschuldig befunden hat. Die Einwanderungsbehörde sagte, dass Peters ein grenzüberschreitendes Verbrechen begangen hat, als er Saadi half, aus Libyen zu fliehen.

Peters Fall der Heldenverehrung kann nur als ernst bezeichnet werden. Als er Saadi 2011 half, ins Exil nach Niger zu verschwinden, wurde er angeschossen. Seinen Lohn dagegen hat er nicht erhalten. Doch das Glück des unbeirrbaren Verteidigers des Gaddafi-Regimes schwand mit dem seines Chefs. 

Peters sagt, sein Herz habe ihn nach Libyen geführt. Leider sieht es nicht danach aus, als könne er Liebe oder Geld in naher Zukunft erwarten: Saadis Bankkonten sind eingefroren und sein Kontakt zu Peters hat sich etwas abgekühlt, seitdem beide unter dem Verdacht stehen, Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben.

VICE: Wie kam es dazu, dass Sie für Saadi Gaddafi gearbeitet haben?
Gary Peters:
Ich beschützte ihn bereits 2000 bei den Olympischen Spielen in Australien und dann noch einmal 2008 beim Filmfestival in Toronto. Ich habe ihn gleich erkannt. Er fällt schließlich auf.

Würden Sie sich als Freunde bezeichnen?
Yeah, wir sind Freunde. Ich finde nichts Falsches daran. Nach einiger Zeit lernt man die Menschen kennen. Man spricht nicht nur die ganze Zeit übers Geschäft, besonders spät am Abend, in Nachtclubs oder in der Limo.

Worüber hat er mit Ihnen gesprochen?
Dinge, die passiert sind und ihn beschäftigten. Wie seine Adoptivschwester Hana, die vor Jahren von Ronald Reagan getötet worden ist [Anm. d. Red.: Es gibt Berichte, dass sie noch am Leben ist.] Er erinnert sich daran. Das beschäftigt ihn noch. Manchmal hat er jemanden zum Reden gebraucht und ich war da.

Wie wurde sie umgebracht?
Beim einem Bombenangriff Ronald Reagans in Tripolis 1986.

Die CBSA beschuldigt Sie einiger Menschenrechtsverletzungen. Das ist eine ziemlich ernste Anklage. Was haben Sie dazu zu sagen?
Da ich Saadi und die Gaddafis schon so lange kenne, nimmt die CBSA an, dass ich in ihre Aktivitäten verstrickt bin, was nicht stimmt. Eine Sache, die in der Anhörung zur Sprache kam war—ich bin kein Rassist—, aber wann haben Sie zum letzten Mal gehört, dass ein arabischer Gentleman einen Rat von jemandem aus dem Westen annimmt? Ich liebe die Menschen da drüben und ich respektiere sie, sie tun dies aber nicht. Wie könnte ich also in ihre Aktivitäten verstrickt sein?

Wo nimmt die CBSA ihre Anschuldigungen gegen Sie her?
Meine Schuld liegt darin, dass ich Saadi Gaddafi und seinen Vater sowie weitere Familienmitglieder kenne. Sie sagen, ich müsste von den Gräueltaten gewusst haben. Meine Antwort darauf lautete, dass ich davon gehört habe, genauso wie der Rest der Welt. Aber gesehen habe ich sie nicht. Ich weiß nicht, was sie getan haben. Das ist die Arbeit der Regierung—nicht meine. Mein Augenmerk galt Saadi Gaddafi, sonst niemandem. Glaube ich an Saadi Gaddafis Beteiligung? Nein. Das ist lächerlich. Es ist verrückt.

Was war Saadis Rolle während der Revolution?
Sein Vater hat ihn nach Bengasi geschickt, um die Menschen zu beruhigen. Er besuchte Kranken- und Waisenhäuser; all so Sachen, weil er dachte, das sei das Richtige. Er ist ein sehr geselliger Mensch, das war er schon immer.

Was ist mit den Vorwürfen, dass er Truppen befohlen hat, auf eine Gruppe unbewaffneter Demonstranten zu schießen?
Falsch. Zu 100 Prozent. Er hat diesen Befehl nicht gegeben. Der Soldat, der das behauptet, lügt.

Was ist also passiert?
Er war in den Kasernen und die Rebellen kamen nicht rein. Nachdem er weg war, haben sie einen Selbstmordattentäter vor den Kaserneneingang platziert. Sie müssen verstehen: Die Gaddafi-Regierung hat nicht damit angefangen. Sie suchen nur Vergeltung. Die Menschen machen die Regierung für die Kämpfe verantwortlich, aber so ist es nicht gewesen. Das Militär hat reagiert. Genau wie wir es auch tun würden. Das ist kein Verbrechen.

Stimmt es, dass Mitglieder Ihres Teams auf fünf Menschen geschossen haben, als Ihr Konvoi, der mit Saadi in Richtung Niger unterwegs war, in den Hinterhalt geraten ist?
Ja.

Starben diese fünf Menschen?
Ja, aber alles war legal. Wir waren in einer Kriegszone und durften Waffen tragen. Wir haben uns nur verteidigt. Ich und ein weiteres Mitglied meines Team wurden dabei angeschossen, aber wir haben es immerhin geschafft.

Wurden Sie für diese Mission bezahlt?
Nein.

Wissen Sie, wann Sie bezahlt werden?
Nein. Hoffentlich passiert es aber früher oder später. Saadi muss jetzt auf das aufpassen, was er noch hat. Ich verstehe das. Und weil ich das verstehe, werde ich ihn nicht drängen.

Haben Sie Saadi empfohlen, im Niger zu bleiben?
So war mein Vorschlag. Ich würde ihm nur dann Ratschläge geben, wenn ich bei ihm wäre. Mein Vorschlag an ihn wäre zu bleiben, wo er ist, um so heil herauszukommen. Erst soll sich die Lage beruhigen, dann kann man darüber nachdenken, woanders hin zu gehen.  

Will er wieder zurück nach Libyen?
Mal sagt er ja, mal sagt er nein. Ich glaube nicht, dass das passieren wird.

Warum will er weg aus dem Niger?
Waren Sie mal im Niger? Bis sich alles legt, sollte er lieber in ein zivilisierteres Land gehen. Eines, das sich besser für einen langfristigen Aufenthalt eignet und mehr Annehmlichkeiten besitzt.

Ist Saadi Gaddafi ein Playboy?
Oh ja.  

Er macht gern Party, gibt gern Geld aus und lebt auf großem Fuß?
Ja. Es macht Spaß mit ihm. Nicht nur wegen des Geldes. Er hat viel Humor. Er kann einem eine gute Zeit bieten—eine wirklich gute Zeit.

Danke Gary!

 


EMPFOHLENE ARTIKEL

 

Heavy Metal in Libya
Unter Gaddafi war Heavy Metal verboten. Das ein paar Metal-Heads aber nicht aufgehalten.
Syrisch-Ägyptische Freundschaft
Eines Morgens wurden wir durch Gaddafis ehemaliges Haus geführt, das die Amerikaner 1986 unter Reagan bombardiert hatten.
Kunst in Zeiten des Krieges
Der Bildhauer Ali al-Wakwak, ein Bewohner Bengasis, hat ein paar Monate nach Beginn der Revolution mit der Herstellung seiner Schutt-Skulpturen angefangen.

 

Kommentieren