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      Über den Wolken mit Rihanna

      November 20, 2012

      Von Ayke Süthoff

      Rihanna befindet sich gerade auf der, wie ihre Plattenfirma Universal das bezeichnet, „777 Tour“: Zum 7. Album fliegt die Gute an 7 Tagen in 7 Länder und gibt 7 Konzerte. Was für eine Idee. Nach Konzerten in Mexico City, Toronto, Stockholm und Paris landete der eigens gecharterte Flieger gestern in Berlin. Wir vermuteten an Bord eine manisch-depressive Stimmung irgendwo zwischen völliger Erschöpfung und daraus bedingter aufgekratzter Euphorie, noch dazu weil neben Rihanna und Crew auch noch ein ganzer Haufen Blogger, Journalisten und Fans dabei sind, die sowas natürlich noch nie und nie wieder erleben werden. Alles in allem also ziemlich schrecklich.
      Aber da unsere Artikel im Allgemeinen nicht auf Vermutungen basieren, sondern auf knallharten Fakten, haben wir unsere Verbindungen spielen lassen und jemanden gefragt, der dabei ist, Rihannas Support-DJ Congorock, wie es sich anfühlt mir RiRi in 7 Tagen um die Welt zu jetten.


      Congorock im Flieger mit RiRi. „Ich wollte sie nicht wegen eines Fotos nerven“, schreibt uns Congorock in einer Email, „aber ich habe dieses hier gemacht. Ich weiß, es ist scheiße, aber vielleicht ist es auch lustig?“

      Noisey: Wie du auf deiner Facebook-Wall geschrieben hast, bist du momentan ein aktiver Teil der „schnellsten Welt-Tournee, die es je gab“. Was war der erste Gedanke, den du hattest, nachdem du von der 777-Idee gehört hast?
      Congorock: Ich war vollkommen überrascht und ich konnte gar nicht glauben, dass es wirklich passieren würde, bis ich die Tickets mit meinem Namen darauf sah. Ich durfte bis ein oder zwei Tage vorher nicht darüber reden, und das ging mir auf den Sack, weil ich wirklich schlecht darin bin, Geheimnisse für mich zu behalten, vor allem, wenn es sich um große News handelt, aber ich habe das ganz gut hinbekommen. Mein erste Gedanke war aber tatsächlich: „Mit welchem Track werde ich mein Set eröffnen?“

      Wie hast du es an Bord von Rihannas Flugzeug geschafft? Was genau ist dein Job in der 777 Tour?
      Ich habe zuletzt an einem Remix ihrer Single „Diamonds“ gearbeitet und ich schätze, er kam gut an, weil ich jetzt als Support mit ihr unterwegs bin. Ich lege jede Nacht vor ihrem Auftritt auf und ab und zu spiele ich auch auf den Aftershow-Partys, die wir mit der ganzen Crew feiern.

      Was machst du anders, wenn du mit Rihanna unterwegs bist, im Vergleich zu deinen eigenen Shows?
      Ich behalte immer im Hinterkopf, dass dies nicht meine Show ist. Ich meine, ich bin nicht der Haupt-Event, also versuche ich einen Vibe entstehen zu lassen, der für jemanden funktioniert, der darauf wartet, dass sie auf die Bühne geht. Ich fahre meinen Style, aber ich behalte im Kopf, dass ich für Leute spiele, die vielleicht noch nie von mir gehört haben.

      Wie waren die ersten Stationen? Mexico und wo wart ihr noch?
      Mexico war total verrückt, weil wir wortwörtlich vom Flughafen in die Konzerthalle mussten. Logistik und Transport sind in so einer großen Stadt ein bisschen anstrengend. Ich bin aus dem Bus raus und sofort hinter die DJ-Kanzel, aber es hat Spaß gemacht! Mexikaner sind wahre Fans und absolute Musik-Liebhaber. In Stockholm war es dasselbe, die Crowd war ein interessanter Mix aus jungen und älteren Leuten, aber total hinterher, was die Musik angeht. Nach dem Ende meines Sets habe ich Tweets von einem Mädchen gelesen, die sogar die abgefahrensten Tracks in meinem Set erkannt hatte und sich total darüber freute. Letzte Nacht waren wir in Paris und das war magisch. Ich glaube, dass Rihanna dieses Konzert wirklich wichtig war, ihr Performance hatte etwas außergewöhnliches und die Venue sah beeindruckend aus, ein altes Theater.

      Wie viele Leute sind eigentlich mit euch unterwegs?
      Wir sind etwa 200 Leute. Rihannas Band, ihre Manager und die Tontechniker. Ein Haufen Journalisten und Blogger, die meisten Musik- und Modeblogger, aber ich habe gerade rausgefunden, dass der Typ neben mir eine sehr bekannte Gossip-Website betreibt. Ich habe das Gefühl, dass jeder, den ich hier ansprechen könnte, eine große Nummer in seinem Business ist. Es gibt aber auch eine Menge Fans an Bord, die ihre Tickets in Gewinnspielen bekommen haben oder so. Sie sind natürlich unfassbar aufgeregt und ich habe das Gefühl, dass ein paar von ihnen nun auch meine Fans werden. Die Stewardessen und Stewards sind auch supercool, sie kommen oft zu den Konzerten und Aftershow-Partys. Ich brauchte ein bisschen, um zu merken, dass es sich um sie in ihrer normalen Alltagskleidung handelt.

      Die Tour ist ja sehr exklusiv, nur ein paar Leute können zu den Konzerten gehen. Die Künstler sind den Fans dadurch sehr nahe. Wie fühlt sich das für dich an? Redest du im Flugzeug mit deinen Fans, schließt du neue Freundschaften?
      Wir schließen auf jeden Fall neue Freundschaften hier. Ich bin entspannt und labere irgendjemanden voll, nur um nachher rauszufinden, dass er ein Blogger ist, der 200.000 Follower bei Twitter hat. Oder er ist nur ein Fan, oder beides gleichzeitig. Es ist eine wirklich interessante Mischung an Leuten. Wir sitzen in verschiedenen Teilen des Flugzeuges und natürlich sitzen wir Bad Boys ganz hinten. Am ersten Tag hat RiRi den Stewardessen geholfen und uns Getränke gebracht. Ein paar der Jüngeren drehten völlig durch, weil es das erste Mal war, dass sie sie von so nah gesehen haben.

      Wie ist deine Beziehung zu Rihanna? Sitzt ihr nah beieinander?
      Sie sitzt ganz vorne, aber sie kommt manchmal nach hinten und hängt mit uns ab. Es gibt einen freien Sitzplatz zwischen mir und meinem Manager, aber sie wollte sich nicht dorthin setzen und ich kann es ihr nicht verübeln, weil wir morgens wirklich ziemlich hässlich aussehen, haha.

      Ist es eigentlich schwer, mit so vielen Menschen auf einem so kleinen Raum zu sitzen?
      Nein. Wir werden wirklich gut versorgt. Das große Problem ist ja Transport und Transfer mit Autos und Bussen und das bekommen die Verantwortlichen wirklich gut hin. Ich war mir total sicher, dass wir in Mexiko am ersten Tag jemanden verlieren würden, aber verrückterweise ist es nicht passiert.
       
      Trägst du eigentlich Trombose-Strümpfe?
      Nein, aber ich sollte das wohl machen. Wenn ich meine Schuhe auf langen Flügen ausziehen, passen sie mir nach der Landung nicht mehr, was wirklich beschissen ist.
       
      Du bist als Solo-Künstler inzwischen relativ bekannt, fällt es dir schwer, in den Hintergrund zu treten?
      Nein überhaupt nicht. Ich habe das schon häufiger gemacht und ich mag, es vor jemand anderem vor einem vollkommen neuen Publikum aufzutreten. Ich war schon als Support für andere DJs, auch sehr große, unterwegs und es ist eine Herausforderung, die ich gerne ausprobiere. Warming up ist eine Kunst für sich und genau so habe ich mit dem Auflegen angefangen. Aus irgendeinem Grund denke ich, dass ich das immer genießen werde.

      Danke, Congorock.

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      Themen: Rihanna, 777, Berlin, music

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