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      Nein, wir können noch nicht beamen

      November 20, 2012
      Markus Lust

      Von Markus Lust

      Managing Editor VICE Alps

      Foto: Jaqueline Godany

      Quantenteleportation ist nicht die Vorstufe von dem, was Scotty tut, wenn er Kirk in Sechzigerjahre-Glitzereffekte auflöst und auf irgendeinem Pappmaschee-Planeten voller Nazis und Bikinimädchen wieder zusammensetzt. Allerdings ist das, was das Physikerteam um Prof. Anton Zeilinger erstmals 1997 vollbracht hat, nicht weniger spektakulär. Dabei geht es um das Phänomen der Quantenverschränkung, bei der zwei physisch unabhängige Teilchen (zum Beispiel Photonen) eine Verbindung eingehen und über beliebige Distanzen vereint bleiben können. Es wird sogar noch romantischer: Beide Teilchen haben im verschränkten Zustand exakt dieselbe Beschaffenheit–was bedeutet, dass man Eigenschaften von einem Photon auf das andere übertragen kann. Der wesentliche Unterschied zu Kirks Weltraumwanderwampe: Hier werden nur Eigenschaften teleportiert, keine Materie.

      Trotzdem könnten die Experimenten von Prof. Zeilinger die Welt verändern. Kürzlich hat sein Team erstmals Eigenschaften über eine Distanz von 143 km zwischen La Palma und Teneriffa übertragen. Zum Vergleich: 2004 funktionierte das nur über eine Entfernung von 600 Metern und passierte unterhalb der Donau (also eine beachtliche Aufwertung für Länge und Location). Das Beste: Der Prozess funktioniert sogar, wenn der Ort des Empfängers unbekannt ist. „Unser Experiment zeigt, wie reif ‚Quantentechnologien‘ heutzutage sind und wie nützlich sie für praktische Anwendungen sein können“, sagt Zeilinger. Der nächste Schritt ist Satelliten-basierte Quantenteleportation auf globaler Ebene und die Schaffung eines Quanteninternets, das die Informationstechnologie in etwa so grundlegend beeinflussen würde wie vor ihm eigentlich nur – genau – das heutige Internet. Auch neuartige Quantencomputer, bei denen Information auf einzelnen Atomen gespeichert wird, sind denkbar und würden unser Konzept von Raum und Zeit mit dem Kopf voran ins Klo tunken. Zeilinger: „Das bedeutet letztlich, dass ein Quantencomputer in der Vergangenheit mit einem Problem zu rechnen beginnen kann, der Input aber erst in der Zukunft existiert.“ Aber das muss einen nicht beunruhigen, denn, so Zeilinger: „Information ist wichtiger als Wirklichkeit.“

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      Themen: Physik, markus lust, Anton Zeilinger, Quantenmechanik, stuff, tech

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