Kreuz.net ist selber schwul

von Kira Ayyadi

Am Mittwoch ist der Erste aus der kreuz.net-Riege gefallen. Der katholische Priester Hendrick Jolie trat als Sprecher des ultra-konservativen Netzwerks katholischer Priester zurück. Zunächst gestand er, bloß auf der menschenverachtenden Internetseite Kommentare hinterlassen zu haben, doch mittlerweile gab er zu, auch aktiv als Autor von Hasspredigten beteiligt gewesen zu sein. Kardinal Lehmann, der Bischof von Mainz, dankte Jolie für dessen „Bereitschaft zur selbstkritischen Umkehr“. Es scheint so, als seien das die einzigen Konsequenzen, die Jolie aus seinem Handeln ziehen muss.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck, laut kreuz.net ein „Kotstecher, Kirchenhasser und Studienabbrecher bei der deutschen Antifa-Neonazi-Partei ‘Grüne’“, hat einen persönlichen Brief an Kardinal Lehmann geschickt. Auf unsere Anfrage äußerte sich Beck: „Es darf nicht der Eindruck von Verharmlosung und Verschleierung entstehen.“ Beck, selber oft genug den Hasstiraden der Spinner von kreuz.net ausgesetzt, sagte außerdem: „Die katholische Kirche und das Bistum Mainz dürfen die Akte Jolie nicht schließen.“ Es ist ein Unding, dass Jolie nach wie vor als Pfarrer tätig sein darf, er wird weiterhin vor seiner Gemeinde predigen. Dazu meinte Beck, dass die christlichen Botschaften von Jolie nicht glaubwürdig sein können. „Die katholische Kirche sollte ihre Dienstaufsicht nutzen und ihn entlassen. Bei anderen vermeintlichen Verfehlungen ist sehr viel schneller die Kündigung zur Hand. Wer als Angestellter eines kirchlichen Trägers als homosexuell geoutet wird, wird sofort entlassen. Für Hassprediger und Rechtsextreme scheint das nicht zu gelten.“

Als sich beispielsweise der Theologe David Berger geoutet hat, wurde er nicht einmal zu einem Gespräch eingeladen, und als Lehrer darf er seitdem auch nicht mehr tätig sein. Homosexualität scheint die katholische Kirche schlimmer zu beurteilen als Menschenverachtung und Mordaufrufe. Berger hatte Anfang Oktober gemeinsam mit dem Bruno Gmünder Verlag ein Kopfgeld von 15.000 Euro auf Informationen zu den Hintermännern von kreuz.net ausgesetzt. Mittlerweile ist der Betrag durch Spenden auf über 24.000 Euro gestiegen.

Berger war bis zu seinem Coming-out der Nachwuchsstar des traditionalistischen Lagers in der katholischen Kirche. Deswegen konnte er die Plausibilität der eingegangenen Informationen gut einschätzen und übergab sie dann der Staatsanwaltschaft. Es handelt sich um sechs Namen der etwa 30 bis 40 Autoren, von denen fünf mittlerweile an die Öffentlichkeit gelangt sind, unter ihnen eben auch Hendrick Jolie. Einige dieser angeblichen Autoren hatte Berger in seinem alten Leben kennen gelernt, auch Jolie. Deswegen haben wir auch mal wieder mit David Berger gesprochen. Seiner Ansicht nach ist Jolie „im Priesternetzwerk das schwächste Glied, das am meisten geredet hat und derjenige von den Herren, der am wenigsten psychisch belastbar ist.“  Berger erzählte uns, dass Jolie „zusammen mit seinen Mitbrüdern Rodheudt, Winkler und Sieberer noch vor einigen Wochen vom päpstlichen Nuntius, dem diplomatischen Vertreter des Papstes in Deutschland, in dessen Namen ausdrücklich gelobt wurde, als dieser das Priesternetzwerk besuchte.“ Berger findet es skandalös, wie die katholische Kirche mit Fanatikern umgeht. Er ist allerdings der Meinung, dass es sich bei diesen extremistischen Spinnern nicht bloß um die kleine Gruppe rund um kreuz.net handelt, sondern um einen großen Teil der katholischen Kirche, der durch den Papst gestützt wird. „Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit, alles das sind Grundanliegen des Papstes Benedikt XVI. Die Wurzeln des Übels sind nicht Steinschulte oder Rodheudt, sondern das ist ein ganzer Sumpf, der sich immer weiter ausbreitet innerhalb der Kirche. Und der wird gespeist von dem sumpfigen Wasser, das der Papst dauernd wieder hineingießt. In netter Sprache und auf einem akademischem Niveau teilt der Papst die Grundthesen von kreuz.net.“

Dass Jolie zunächst alles geleugnet hat, dann seine Kommentare eingestand und zuletzt doch seine aktive Autorenschaft zugab, ist aus moralischem Blick zu verurteilen, Berger meint jedoch, dass Jolie ganz im Sinne seines Arbeitgebers, Bischof Lehmann, gehandelt habe. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte bisher so getan, als kenne sie niemanden der Autoren von kreuz.net. Noch im Oktober schrieb man einen Brief an Volker Beck, in dem es hieß, man gehe nicht davon aus, dass die Aktivisten bei kreuz.net aus dem kirchlichen Dienst kommen.

Auch wenn Jolie im Sinne seiner Arbeitgeber gehandelt habe, bezeichnet Berger das Verhalten von Jolie als „große Unreife“. Solch ein Benehmen kenne er nur aus seiner Zeit als Lehrer von vorpubertären Kindern. Er sieht es als generelles Problem der katholischen Kirchenvertreter an, dass „die häufig auf einer Entwicklungsstufe stehen geblieben sind, die irgendwo am Anfang der Pubertät ist.“

Im Grunde haben die Leute von kreuz.net bloß Angst, meint Berger. „Ich kenne das ja, das ist ein einziger Teufelskreis der Angst, der in der katholischen Kirche herrscht und im Grunde genommen haben auch die Leute von kreuz.net Angst. Die haben Angst vor ihrer eigenen Homosexualität, vor der Moderne, vor dem Judentum, vor der Verschwörung der Homo-Lobby. Die haben Angst-Phobien entwickelt, in die sie sich hineinspinnen. Da sind mit Sicherheit so einige verkappte Schwule bei kreuz.net dabei.“

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