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      Bist du heiß oder nicht? Das ist die wichtigste Frage

      February 18, 2013

      Von Daniel Stuckey

      Hallo, ich bin Autor, Musiker und male und fotografiere gerne. Ich schreibe freiberuflich für einen Tech-Blog über alles, was es so Neues im Internet gibt. Ich bin gerne draußen in der Natur. Ich suche nach einer festen Beziehung. Schreib mir.

      Internetprofile sind einfach nur nervig, oder? Wir alle kennen sie, zumindestens diejeningen unter uns, die im Internet Dates, Brieffreundschaften, Gruppensex oder einfach nur einen Freund suchen. Teenager und Erwachsene öffnen ihre tiefsten Geheimnisse im Online-Dating-Spiel—und nicht nur das, auch ihre Geldbörsen, wenn sie monatlich Gebühren für Parship, Amio oder Match hinblättern. Online-Dating ist mittlerweile eine 750-Millionen-Euro-Branche.

      Aber damit könnte bald Schluss sein. Seiten wie OkCupid, eDarling, neu.de oder Grindr bieten ihre Service nämlich umsonst an. Es ist schon erstaunlich, wie all die kostenpflichtigen Premium-Seiten (kostenfrei, bis du dich anmelden willst) wie Fuckbook, es schaffen, neue Mitglieder zu bekommen. Die kostenlosen Seiten sind genauso gut wie Seiten, wo du zur Kasse gebeten wirst. Die kostenpflichtigen Seiten prahlen immer mit ihren Erfolgsgeschichten. Aber liegt das nicht irgendwie auf der Hand? Die Leute fühlen sich einfach eher dazu verpflichtet, die Sache durchzuziehen, wenn sie dafür zahlen müssen. Die wollen keine Spielchen spielen.

      Aber was ist, wenn du keine Lust mehr auf die ellenlangen Selbstdarstellungen, langweiligen Einleitungen und Was-ist-dein-Lieblingsfilm hast? Deswegen gibt es jetzt eine App aud den USA, die schneller zum „Punkt kommt“. Aber auch total oberflächlich ist: Tinder. Das ist ein geokodiertes Spiel nach dem Motto „Bist du heiß oder nicht nicht heiß?“ Erinnert ihr euch an Hot or Not? (Sogar Mark Zuckerberg hat 2006 seine eigene Version von dem Spiel namens Facemash in Harvard gegründet.)

      Doch bei Tinder geht es weniger um Beliebtheit und Ranking, sondern einfach darum, dass du schnell jemanden findest, auf den du stehst. Der Social Media Director von Tinder sagt, dass bei anderen Seiten, auf denen du dein Profil erstellen kannst, „eine unangenehmen Erwartungshaltung entsteht ...Tinder verringert das Risiko, abgewiesen zu werden.“

      Wie die Apps Bang With Friends und Bang With Professionals (die es nicht mehr gibt) ist Tinder eine mobile Dating-App, die Nutzer miteinander verbindet, die sich gegenseitig akzeptiert haben (indem sie das grüne Herz anklicken). Aber im Gegensatz zu den „Bang With“-Seiten, die dich nur mit deinen eigenen Freunden und Kollegen zusammenbringt, ist Tinder nicht dem glücklichen Zufall überlassen. Das liegt daran, dass Tinder-Nutzer das Spiel tatsächlich spielen. 

      Bevor du entscheidest, ob du ein Bild magst—was in der Regel ein automatisch gewähltes Facebook-Profilbild ist—kannst du überprüfen, ob ihr gemeinsame Freunde oder Interessen auf Facebook habt.

      Aber das ist eigentlich unnötig. Ich persönlich tendiere dazu, mich so schnell wie möglich durch die Profile zu klicken. Das mache ich oft, wenn ich es meinen Freunden zeige, die noch nie was von der App gehört haben. Manchmal setze ich auch voll und ganz auf den Russichen-Roulette-Stil und drücke das grüne Herz einfach wahllos vor mich hin. Ich nehme das Spiel nicht so ernst, aber bin erstaunt, wie viele attraktive 18-27-Jährige da mitmachen. Ich hoffe echt, dass einige von denen real sind.

      Du kannst mir glauben, nach kurzer Zeit findest du den passenden Partner. Aber freu dich nicht zu früh. Vielleicht hat diese Person auch nur Russisches Roulette gespielt. Wie auch immer, ich hatte schon eine schöne Liste von möglichen Partnerinnen zusammen:

      Wenn du jemanden gefunden hast, der dich auch will, könnt ihr anfangen zu chatten. Ihr könnt Gedichte austauschen, euch eure Nummern schicken oder was auch immer ihr wollt. Tinder liest nicht deine Nachrichten und fordert dich nicht auf, irgendwelche Tokens zu kaufen. Also sag, was du willst. Merk dir nur, auch im Internet die nötige Höflichkeit einzuhalten; in anderen Worten: Du solltest bei Craiglist bleiben, wenn du auf schrägen Scheiß stehst.

      Was mir bei Tinder wirklich aufgefallen ist, aber auch schon bei anderen Netzwerken, ist die Umganssprache. Sie ist immer gleich. Woher kommt das? Haben alle Mädchen ein Gipfeltreffen abgehalten? Fast alle schreiben das Wort „Hey“ und „Hi“ mit einem zusätzlich Y order I. Es fühlt sich an wie Internet-Flirten. Es kommuniziert irgendwie: „Wir wissen ja, warum wir hier sind. Also lass uns alle Unannehmlichkeiten aus den Weg schaffen—und das machen wir am besten mit viele Vokalen.“ Verstehst du? Heyy.

      Bisher habe ich ein paar Telefonnummern gesammelt und einige nette Gespräche geführt. Da du deinen potenziellen Partner beim ersten Mal über die App kontaktierst (und die App ist ziemlich störanfällig), ist der Wechsel zu SMS oder WHATSAPP dringend notwendig. Die meisten meiner Konversationen haben ins Nichts geführt (siehe Screenshot oben).

      Alles geht sehr schnell. Ich habe Tinder am Samstagabend heruntergeladen und schon ein paar Optionen für ein Date. Eine ist Sportlerin an einer Eliteuni und kennt ShoeniceDie andere hat etwas über Mode gesagt. Abgesehen von der Oberflächlichkeit und dass du die Leute erst nur übers Foto kennenlernst, gibt Tinder nicht mehr Informationen her. Du bekommst keine Infos über Sport, religiösen Glauben, Trinken, Rauchen, Diät, Sprache, Bildung oder Arbeit. Du siehst ein Foto, bekommst einen Vornamen und das Alter. Das ist alles

      Seit ich mich vor eineinhalb Jahren bei OkCupid angemeldet habe, konnte mich kein anderer Datingservice oder keine App überzeugen. Bis Tinder kam. Tinder hat eine Menge von dem unnötigen Scheiß erst gar nicht eingeführt. Du kannst einen Blick auf jemanden werfen und dann weiterziehen oder auch nicht. 

      (Wie die damit Geld verdienen, weiß ich nicht, aber ich vermute, dass sie viele User sammeln und dann hoffen, aufgekauft zu werden. Wer weiß. Vielleicht erfindet Tinder ja irgendwelche In-App-Kaufmodelle, wie beispielsweise eine Möglichkeit, wie du einen rum kriegst, obwohl er dich nicht mochte ...)

      Tinder hat in der Evolution des Online-Datings einen Schritt zurück gemacht. Und das ist der Spaß daran. Könnte diese Art des Blitz-Datings die endlose Suche nach dem perfekten Profil endlich beenden? 

       


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      Themen: online-dating, Internet, sex, Dating, Liebe, Beziehung

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