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      Deine Mudda hat Scheiße am Arm

      January 18, 2013

      Von Sophia Giesecke

      Freie Autorin

      Kacka, Pupu, Kacke, A-A oder eben einfach nur Scheiße. Wir alle kennen sie, nur würden wir uns auch ein Stück Scheiße um den Hals hängen?

      Da wir wissen, dass unsere Leser fasziniert von allem sind, was der menschliche Körper produziert und ausscheidet, haben wir uns auf die Präsentation der Scheiße-Uhr by Rocko Schamoni anlässlich der Fashion Week Berlin begeben. 

      Der Künstler, Musiker und Schriftsteller Rocko Schamoni und der Schmuckdesigner Jonathan Johnson haben das möglich gemacht, wovon viele nur träumen: Sie machten aus Scheiße Gold. Das smarte Hamburger Duo hat eine ganze Kollektion in diesem Sinne auf den Markt gebracht: Ringe, Manschettenknöpfe, Schlagringe—ob als kitschig-verspielter Bubblegum-Schriftzug oder als Nachbildung eines Häufchens. Alles aus echtem Silber und mit Gold überzogen. Alles extrem exklusiv, limitiert und in mühevoller Handarbeit entstanden. 

      Tief im Westen über den Dächern Berlins im 7. Stock des H‘Otello am Savignyplatz trafen sich handverlesene Gäste, um die Enthüllung der Scheiße-by-Schamoni-Uhr live zu sehen. 

      Die Uhr definiert das Wort Proll völlig neu. Massiv, riesig, schwer. Gemacht für Gewinner. Die Scheiße-Uhr ist als konsequente Erweiterung der Kollektion zu verstehen und beschreitet neue Wege in der Goldschmiedekunst. Sie ist mit einem Schweizer ETA-Uhrwerk ausgestattet und auf fünf Stück limitiert. Dies spiegelt sich selbstverständlich auch im Preis wider: 48.500 Euro muss man für das edle Stück aus purem Gold berappen. Extrawünsche kosten natürlich—nach oben hin sind keine Granzen gesetzt. 

      Die Kollektion kann und sollte hier bestellt werden: http://scheissebyschamoni.de

      Im Anschluss an die Präsentation trafen wir die kleinen Scheißer Rocko Schamoni und Jonathan Johnson zu einem Exklusivinterview. Wir sprachen über Fäkalien, Träume und Patisserie.


       

      Vice: Könnt ihr kurz etwas zu der Uhr sagen?
      Jonathan: Dieser einzigartige Zeitmesser ist nicht nur mit einem Schweizer Uhrwerk ausgestattet, nein, sein Armband ziert auch noch das Wort Scheiße in sieben verschiedenen Weltsprachen. Diese Uhr ist für die ganze Welt gemacht. 
      Rocko: Scheiße—das ist eine Sprache, die jeder spricht, weil er sie in sich trägt. 

      Wie seid ihr auf die Idee gekommen, aus Scheiße Gold zu machen?
      Rocko: Ich glaube, da muss man auf Dorle verweisen.
      Jonathan: Also die Fotografin Dorle Bahlburg kam 2009 zu mir, weil sie ein Geburtstagsgeschenk für Rocko gesucht hat. Und irgendwie sind wir dann auf die Scheiße-Kette gekommen. Also, es gibt schon eine Scheiße-Kette aus den 90ern von einer Münchner Goldschmiedin, aber wir haben dann eben diese typischen Spruchketten benutzt. Also, Dorle hat dann den Schriftzug gezeichnet, und ich hab ihn ausgesägt. Und dann ist Rocko andauernd darauf angesprochen worden. Und irgendwann haben wir uns auch gesagt, warum sollen wir die nicht auch Anderen zur Verfügung stellen?
      Rocko: Es gibt ja mehr Leute, die Probleme haben. Das ist ja Schmuck für Leute, die eine gewisse Einstellung zur Welt haben. Und für die ist das gedacht. Es gibt viele davon. 

      Wie ist denn die Nachfrage? Verkauft sich Scheiße gut?
      Rocko: Die Nachfrage ist sehr stark. Sagen wir mal so, seit wir die Internetseite eröffnet haben, gab es bis jetzt mittlerweile 22.000 Klicks. Das ist jetzt erst mal das pure Interesse, was existiert. Wenn das jetzt die Käufer wären, dann würden wir später hier eine Poolparty liefern.
      Jonathan: Wenn wir jetzt eine von den Uhren verkaufen, dann machen wir für alle eine Party. Noch heute. Also, das ist klar.
      Rocko: Versprochen.

      Wie viel Gold wurde in/auf dieser Uhr verarbeitet?
      Jonathan: Das kann man so jetzt nicht messen. Ich habe sie endgültig jetzt nicht gewogen, aber es sind so 300g, 200-irgendwas-Gramm. Aber die ist jetzt ein Dummy, das ist Silber mit Gold plattiert. Wenn sie jetzt jemand bestellen wollte, dann würde sie aus Gold hergestellt werden. Das ist eine Golduhr. Aber ich bring ja jetzt hier nicht dieses massive Gold-Ding mit. Das ist schön zu Hause im Tresor. 
      Typ, der dabei steht und den keiner kennt: Wir mussten aus Sicherheitsgründen einen Dummy mitnehmen. 
      Jonathan: Weißt du, was das für‘n Wert ist? Also, das sind echt... Hat jemand Feuer? Warte, die Uhr hat auch Feuer.

      Kann man von euch und der Scheiße-Kollektion noch mehr erwarten? Oder geht da nicht mehr?
      Jonathan: Ich glaube nicht, dass die Uhr das Topding war.
      Rocko: Das ist einer der ersten Schritte.

      Wenn ihr jetzt utopisch rumspinnen könntet, was würdet ihr machen?
      Rocko: Wir können spinnen und wir haben ein großes Ziel: Das ist das Scheiße-Auto. Natürlich spielt die Uhr auch eine große Rolle in der Zukunft, aber das Auto dauert noch, weil so große Gebilde aus Gold zu bauen, ist sehr, sehr aufwändig. Aber das Scheiße-Auto ist theoretisch machbar. Aus sehr dünnem Goldblech gewalzt. Und das ist ein Fernziel, weil das nicht in einem Jahr zu machen sein wird, bis dahin gibt es noch andere Gegenstände, die uns interessieren, die wir anvisieren, die nicht unbedingt im Schmuckbereich sind. Wir gehen ja auch in die Patisserie. Es gibt demnächst auf jeden Fall Pralinés von uns. Und es wird auch ein Parfum geben mit dem Geruch. Und dann kommt irgendwann das Auto. 
      Jonathan: Wir arbeiten auch mit mikrobiotischer Küche. Oder wie heißt das?
      Rocko: Scheiße-Küche, auf jeden Fall.
      Jonathan: Und eventuell, ach ne, das kann ich jetzt noch nicht sagen.
      Rocko: Also ein eigenes Restaurant sprechen wir jetzt noch nicht an. Streich das mal raus. 

      Fotos von Tim Bruening


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      Themen: mode, fashion, Fashion Week, Fashion Show, Schamoni, Jonathan Johnson, Rocko Schamoni, Scheiße, Fäkalien, Schmuck

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