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Wrong Boner

Scheiß auf deine Herrscher, Ägypten!

von Markus Lust

Sorry, aber heute gibt es keinen Wrong Boner. Mein Penis ist nämlich traurig und das liegt wieder einmal daran, was in Ägypten passiert. Wenn ihr den Wrong Boner seit seinem unerigierten Raupenstadium verfolgt, wisst ihr bereits, dass ich die Themen Behinderung und Ägypten auffällig oft (bis jetzt zweimal) in einem Atemzug genannt habe — das eine Mal in Zusammenhang mit der aufkeimenden Revolution und meinen Jugenderinnerungen an einen romantischen Ossi-Urlaub im diktatorisch versiegelten Pharaonenreich und das andere Mal im Kontext des politisch tristen Hickhacks nach der Wahl, die für das Land anfangs genau so viel Klarheit brachte, wie die Auszählung von Florida nach dem Wahlkampf von George Bush und Al Gore. Das Bindeglied ist freilich nicht, dass alle Ägypter behindert sind, sondern dass ich, euer Schreiber, es bin und dank meiner 70-prozentigen Einschränkung merkwürige Parallelen zwischen Mursi und Bush sehe, die jeder gesunden, nichtbehinderten Seele unvernünftig vorkommen müssen und auf noch viel merkwürdigere Art mit dem österreichischen Schimpfwort "z'ruckpudern und abtreiben" zu tun haben.

Genau wie bei Bush zeichnete sich auch bei Ägyptens neuem Präsidenten Mursi schnell ab, dass die Dreistheit und Erkenntnisresistenz eines Extremisten den Lauf der Dinge durchaus beeinflussen und so ein Wahlergebnis um einiges schneller herbeiführen kann, als das Vertrauen in demokratisch geordnete Prozesse es jemals könnte, und zwar indem man den Sieg einfach für sich beansprucht und hofft, dass genügend Berichterstatter auf den Zug aufspringen — oder der Rest einfach nur lange genug seine Fresse hält.


Breaking News: Es ist nicht mehr schick, aber Georgie (Day-)Walker Bush ist immer noch ein Idiot.

Wenn ihr die Auslandsnachrichten der letzten Tage und Wochen verfolgt habt, wisst ihr, dass aus dem arabischen Frühling in Ägypten wieder ein neuer autoritärer Winter geworden ist und Mohammed "Two-Face" Mursi derzeit erste Anstalten macht, genau wie sein Vorgänger Hosni Mubarak einen gewaltigen Haufen auf "sein" Land zu legen und sich den nicht beschissenen Rest in einem Rundumschlag der Revolutionsbeschneidung unter den Nagel zu reißen. Ich weiß, was ihr jetzt denkt: Warum schon wieder so viel Fäkalsprache, und: Kann dieses VICE nicht auch mal gepflegt über den Wahnsinn in der Welt berichten? Tja, Pech gehabt, Freunde.

Nicht mal, wenn ich den Ball aus Scheiße, der sich seit den Tahrir-Protesten in Ägypten gesammelt hat, wie ein Skarabäus tagelang hin und her wälze und mit dem Optimismus eines verdammten Insekts nach Nährstoffen im Dreck suche, habe ich genügend eigene Worte für euch übrig, um euch schon wieder zu erklären, dass weder Rhetorik noch Eloquenz irgendwas damit zu tun haben, wie viel man flucht und dass die Sprache keinen Elfenbeinturm schaffen, sondern im Dienste der Sache stehen sollte und es nicht meine Schuld ist, wenn diese Sache selbst derart vor Gülle strotzt, dass nicht mal alle Skarabäen der Welt reichen würden, um sie ins Meer und aus dem Sinn zu rollen. Nein, der Scheißehaufen, der durch Ägypten rollt, ist längst zu einer Lawine geworden und die Mistkäfer steuern ihn nicht länger — sie rennen ihm planlos hinterher und nur die Zeit wird zeigen, ob sie ihn aufhalten oder ihm hinterher treten wollten.

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