☠ Was man in den letzten 24 Stunden unserer Existenz getan haben muss ☠

von Luke Atcheson

Wenn es um den Weltuntergang geht, ist Vorsicht besser als Nachsicht. Obwohl ich den Held meiner Kindertage bereits getroffen habe (niemand geringeres als Will MF Smith), stand noch immer ein Haufen Mist auf meiner To-do-Liste, und leider blieb mir nicht mehr sehr viel Zeit. Also dann mal los, mit T-minus 24 Stunden bis zur Apokalypse.

1. Ein Verbrechen begehen



Ich rede jetzt nicht von Schwarzfahren oder davon, bei Rot über die Ampel zu gehen, sondern eher von schwerem Diebstahl von Import-Schnaps. Ich warf mein Auge auf eine 2-Euro-Flasche Wodka im praktischen Taschenformat.

Nachdem ich mehrmals hintereinander in Zeitlupe nur so tat, als würde ich sie einstecken (für die Kamera), machte ich es wirklich und ich konnte nicht glauben, wie einfach es war. Nächster Halt: Russland!

2. In Russland Wodka trinken



Aufgrund gewisser Einschränkungen—sowohl zeitlicher als auch monetärer Natur—war es natürlich keine Option, wirklich nach Russland zu fliegen. Der fremde Boden der Russischen Botschaft jedoch lag definitiv im Bereich des Machbaren. Der Genosse am anderen Ende der Leitung war nicht in der Stimmung, mit mir über mein Anliegen zu diskutieren, wodurch mir nichts anderes übrig blieb, als am Zaun zu hängen, um auch den zweiten Punkt von meiner Liste streichen zu können.

Da ich mich von Minute zu Minute immer mehr wie ein Badass fühlte, war es langsam an der Zeit, mein Äußeres aufzumotzen.  

3. Sich tätowieren lassen



In Anbetracht des Weltuntergangs gibt es kein Morgen, kein Bereuen und vor allem keine alte, faltige Haut. Was auf sehr effektive Weise den meisten Anti-Tattoo-Argumenten den Wind aus den Segeln nimmt und einem gleichzeitig den perfekten Zeitpunkt schafft, sich sein allererstes Tattoo stechen zu lassen.

Ein Maya-Tribal über die komplette Schulter wäre vermutlich angemessener gewesen, aber dem alten Weniger-ist-mehr-Credo folgend ließ ich mir drei simple Punkte in die Haut malen. Außerdem hatte ich ja noch mehr zu erledigen.

4. Einen sauteuren Sportwagen fahren



Schon in sehr jungen Jahren träumt jeder Junge (und vielleicht sogar ein oder zwei Mädchen?) davon, der Typ zu sein, der mit einem Bentley-Cabrio (oder etwas Vergleichbarem) bei Grün von dannen zu preschen. Erst später im Leben erkennst du, dass diese Typen eigentlich ziemliche Trottel sind. Aber als eine Art Geschenk an das Kind in mir begab ich mich auf die Suche nach der ultimativen Probefahrt. Aus irgendeinem Grund kaufte mir der Bentley-Typ mein Kaufinteresse an dem 130.000-Euro-Boliden nicht ab.

Und nachdem ich eine Weile hinter dem Steuer so getan hatte als ob, war ich dem Schlüssel immer noch nicht näher. Ein neues, leichter zu erreichendes Ziel musste her, um meine Moral wieder erstarken zu lassen.

5. Ein Bauernhoftier melken



Kühe sind in der Stadt ziemlich rar, aber urbane Höfe bieten andere Optionen. Es hieß also „Ziege oder nicht“. Deshalb begab ich mich auf die Suche nach prallgefüllten Zitzen. Leider gab es keinen einzigen Tropfen Milch zu melken.

Nach wie vor fest dazu entschlossen, mit der Natur in Berührung zu kommen, entschied ich mich für etwas Fütterungs-Quality-Time.

6. In einem Michelin-Stern prämierten Restaurant speisen

Was dagegen sprach: Essengehen lag weit über meinem Budget. Was dafür sprach: Fischers Fritz und Borchardt teilen sich denselben Müllcontainer. Berühmt dafür, unter anderem auch politische Größen zu bewirten, stellte ich mir vor, wie Angela Merkel (auf einer vorweihnachtlichen Diät) den Großteil ihres Mittagessens zurückgehen lässt, und es sich ein verkommener Journalist wie eine verhungernde Seemöwe versucht zu schnappen.

Einige Tonnen später hatte ich keinen einzigen Bissen ergattern können, war dafür aber auf der sozialen Leiter ein paar Stufen tiefer gerutscht. Ich hatte genug, und es drängte mich danach, vom Highlife zu kosten, bevor uns alle das Hallen der Totenglocken erreicht.

7. Im Kasino alles riskieren

Auf der Suche nach Roulette-Inspiration, rief ich mir einen ganz besonders schlechten Wesley-Snipes-Film ins Gedächtnis und zwar Passagier 57, in dem Snipes sagt: „Setzen Sie immer auf Schwarz!“ Wesley ist entweder ein Genie oder ein Rassist—man sagt, zwischen Beidem liege nur ein schmaler Grat, oder so ähnlich. Wie auch immer, zu Beginn funktionierte es, zum Schluss nicht mehr. Wesleys Weisheit hielt nicht, was sie versprach, und da mein fester Glaube an Hollywood dadurch in seinen Grundfesten erschüttert wurde, war nur noch eine einzige allmächtige Institution übrig.

8. Beichten



Obwohl mein letzter Tag auf Erden ziemlich viel Spaß gemacht hat, begann sich der Gedanke an diesen ganzen—so unwahrscheinlich es auch erscheinen mag—Leben-nach-dem-Tod-Quatsch in meinem Kopf breit zu machen. Mit Aussicht auf ewige Glückseligkeit auf der einen und unaufhörlichen Qualen auf der anderen Seite war es für mich an der Zeit, um Erlösung zu bitten.

Ich vertraute dem Priester all meine Sünden an, und mit fest geschlossenen Augen teilte er mir mit, dass ich recht damit getan hätte, um meine unsterbliche Seele zu bangen. Der Priester war der Meinung, dass wir uns am Freitag für alle Eventualitäten rüsten sollten, denn der Anfang vom Ende könnte jeden Augenblick eintreten. Außerdem riet er mir noch, dass ich mich ändern sollte, und er war der Meinung, dass es für IHN durchaus „schwierig“ sein könnte, dass ich für ein Magazin mit dem Namen VICE arbeite.

9. Eine Gute Tat vollbringen

Zeit spielte eine wichtige Rolle und wenn ich meine Chancen, die himmlischen Tore durchschreiten zu dürfen, verbessern wollte, musste ich sofort etwas dafür tun.

Glücklicherweise gibt es heutzutage so viele alleinerziehende Mütter wie Sand am Meer und es dauerte nicht lang, bis mir eine Jungfrau (mit Kinderwagen) in Nöten über den Weg lief.
Mit meinem reinen Gewissen flog ich die Treppenstufen—das Kleinkind im Schlepptau—regelrecht empor. Schon fühlte ich mich besser, aber es galt noch, eine Sache zu erledigen, bevor ich meinem Schöpfer gegenüber treten konnte.

10. Einen Job kündigen, den man hasst

Ich weiß nicht, wer sie sind, aber es gibt Leute, die sagen, man sollte mindestens einmal in seinem Leben einen beschissenen Job hinschmeißen. Auch wenn es das Fass nicht zum Überlaufen gebracht hat, so ist mein Durchwühlen der Müllcontainer zumindest als Tiefpunkt zu bezeichnen.
Auch mein spiritueller Führer stimmte mir zu, dass dies etwas war, das ich tun sollte. Bevor also die Reiter der Apokalypse durch die Stadt galoppieren, würde ich hiermit gerne offiziell bei VICE Deutschland GmbH kündigen. Außerdem widme ich mein neues Dreifaltigkeitstattoo meinen neuen himmlischen Homeboys: Big Daddy, Baby J und dem Heiligen Geist. Amen.

Fotos: Grey Hutton


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