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      Syrisch-Ägyptische Freundschaft

      January 2, 2013

      Text: David Bogner

      Fotos: Elsa Okazaki

      Als wir an dieser Ausgabe arbeiteten, stellten wir schnell fest, dass ein Fashion Shoot in Syrien momentan keine so gute Idee ist. Aber auch eine syrische Familie in Österreich zu finden, die uns Einblick in ihr Zuhause gewährt, war nicht so einfach. Im allerletzten Moment haben wir jedoch Mohamad Orabi und seinen ägyptischen Mitbewohner Ahmed Ramzy getroffen.

      Die beiden leben erst seit zwei Monaten in einer WG zusammen, haben uns aber so herzlich empfangen, dass wir am liebsten selbst bei ihnen eingezogen wären. So muss es wohl auch Elena, einer jungen Studentin aus Bulgarien, ergangen sein, denn seit sie vor kurzem nach Wien kam, ist sie die beste Freundin der beiden Burschen, hängt in deren Wohnung ab und hält sie ordentlich auf Trab.

       

      Eigentlich hätte das Shooting ja an einem Dienstag mitten im November stattfinden sollen, aber gerade, als wir ins Auto steigen und losfahren wollten, sagte uns Mohamad ab. Weil auf der Wohnung noch eine offene Rechnung der Vormieter lastete, wurde den Burschen der Strom abgestellt, und plötzlich war es nicht nur stockdunkel, sondern auch bitterlich kalt. Wie es für Wiener Verhältnisse üblich ist, hätten die Verantwortlichen auch nicht mit sich reden lassen, erzählte uns Mohamad zwei Tage später in einer hellen und wieder gemütlich warmen Wohnung. Stattdessen habe jemand um 6 Uhr früh so wild an der Tür geklopft, dass er Angst gehabt habe, Assads Schergen stünden höchstpersönlich am Gang.

      Diese Angst ist nicht ganz unberechtigt, denn der junge Syrer, der seit über sieben Jahren in Wien lebt und hier Medieninformatik und Kommunikationswissenschaften studiert, steckt momentan den Großteil seiner Energie in den Kampf gegen das Terror-Regime in Syrien. Als Mitglied des Komitees der syrischen Revolution in Wien organisiert er wöchentliche Proteste und machte auch mit einer Flugblatt-Aktion im Parlament von sich reden. Aus Angst vor Repressalien hat Mohamad uns auch gebeten, nicht den genauen Wohnort abzudrucken, aber für die Fotos posierte er ganz stolz in der Wohnung und gab immer besonders Acht darauf, dass sein grün-weißes Armband deutlich zu sehen ist.

       

      Der Duft des Arabischen Frühlings weht auch durch das Zimmer von Ahmed, Mohamads ägyptischen Mitbewohner. Etwas schüchtern, aber nicht weniger stolz erzählt er uns von der Revolution am Tahrir-Platz, die Ahmed vor Ort miterlebt hat. Eigentlich hat er einen fertigen Abschluss in Jus, aber damit seine Ausbildung auch in Europa anerkannt wird, muss er noch drei Prüfungen ablegen, für die er Tag und Nacht lernt. Natürlich spielt auch die Religion eine wichtige Rolle im Leben des jungen Mannes. Siebenmal täglich betet er in Richtung Mekka, und als er erfährt, dass Elsa, unsere Fotografin, Zwillinge hat, lässt Ahmed es sich nicht nehmen, ihr einen kleinen Gebetsteppich für Kinder zu schenken.

       

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      Themen: fashion, photo, Syrien, Ägypten, David Bogner, Elsa Okazaki

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