Bis So Guet

The beauty and the nerd toppt jetzt aber alles.

von Desirée Bitter

Manchmal wäre ich gerne eines dieser 80er Jahre Vendettagirls wie Sarah Connor oder Tank Girl. Mit Stiefeln und Lederjacke bewaffnet, zigarettenrauchend und einer Stange Dynamit im Anschlag ein paar sadistische Männerärsche vom Wüstenboden der postfeministischen Steppe fegen. Doch das ist Geschichte. Die gescheiterten Überreste dieser kastrationswütigen Geschlechterfehde entdeckt man höchstens noch an der vollgewichsten Bürowand eines doppelt geschiedenen Gebrauchtwagenhändlers, in einem dieser »girls and guns« oder »girls and trucks« Kalender. 

Die Vorherrschaft des TVs hat es geschafft den ganzen von ihr jahrelang kultivierten Punk aus ihrem Kleinhirn zu löschen, so als ob die all die Mascara und Beauty HairCare Werbewellen der 90er uns eine kollektive Lobotomie verabreicht hätten. Und weil ich wie manche anderen gescheiterten Rebellinnen genau so ein typisches Balg der letzten beiden Jahrzehnte bin gibt es für mich kaum eine stilvollere Möglichkeit mir das Hirnfett wegzuschmelzen als eine gesunde Dosis Low Culture. Da heute einmal wieder so ein Tag ist, an dem mich das zähflüssige Wochenende erst beinahe aus seiner Rauschklaue ausgespuckt hat, schnapp ich mir ein Bier (Nein, nicht diese Litschi-Kiwi-Nektar Pisse) und gib mir 118 Minuten intellektuelle Steinzeit: »The Beauty and the Nerd«! 

Die Sendung ist vornehm ausgedrückt wie einer dieser Kotzattacken in denen man schon lange nichts mehr im Magen hat und nur noch Galle spuckt. Nein; es ist nicht etwa der Umstand, dass hier am Laufband Geschlechterklischees hinunter gebetet werden, die an die Zeiten erinnern, als der Papst noch kein Viagra brauchte. Die Show ist ganz einfach nur etwa so spannend wie ein überfahrener Wellensittich: Zwei Stunden audiovisuelle Gummizelle.

Das Konzept ist simpel, dass es sich eines dieser heroinabhängigen Showbizzäffchen ausgedacht haben könnte: Acht »Beauties« werden zusammen mit ebenso vielen »Nerds« in ein subtropisches Luxusresort gesteckt um sich für hunderttausend Euro verspotten zu lassen. »Total verschiedene« Pärchen treten Woche für Woche in Challenges gegeneinander an, die aussehen, als ob die Nazis den Krieg gewonnen hätten. Da rennen alle möglichen Disneyneurosen über die Mattscheibe: James Nerd rettet Nerd Girl, Prinzessin Beauty ertastet sich den Spastiprinzen.

Die Frauen versprühen Charme, als ob sie extra für diese Sendung im Reagenzglas gezüchtet worden wären. Und die Männer sind gestylt, als ob sie noch Windeln tragen würden. Die Handlungen sind voraussehbar, die Witze plump, die Dialoge oberflächlich, die Charaktere abgelutscht und die Spiele einfach nur peinlich.

Die Highlights der ersten Sendung ereignen sich so ziemlich ausschliesslich in der ersten halben Stunde, wenn die Nerds auf die Beauties treffen. Da hört man Sprüche wie »Ich hab ne Misswahl gewonnen« oder »Ich hab jetzt noch nie ein Mädchen in ner Liebesbeziehung geküsst oder so«. Respekt, ein Kandidat hat sogar eine Barbiepuppe dabei. Und die Schmalzlocke von Moderator setzt noch einen drauf: »So sieht geballte Intelligenz aus. Mit euren IQ Werten könnte man ganze Städte versorgen.«

Wenn ich schwanger wäre, wäre wohl genau das der Moment gewesen in dem meine Plazenta explodiert.Und es wird von Minute zu Minute öder. Die Szenen sind so wahnsinnig künstlich inszeniert – und die verkappte Erotik dermassen  billig, dass ich Lust hätte allen sprechenden Valentinstag Plastikteddies den Kopf abzureissen.

Der zweiten Sendung gelingt es sogar die klebrige Pornostimmung der ersten zu toppen. Die Challenge der Frauen wird angekündigt als ein Duell der deutschen Sprache. Sofort breitet sich Panik in den überschminkten Gesichtern aus. Glücklicherweise gibt es noch die universalgelehrten Spastiritter, die den verzweifelten Prinzessinnen in ihrer Not zur Hilfe eilen. Da macht es auch nichts, dass sich der feuerspeiende Drache als akrobatische Buchstabiersause inklusive obligatorischem Plantschbecken und Bikini entpuppt. Um die Fleischeslust weiter anzuheizen folgt gleich darauf die »Schmusechallenge«: Nerd und Beautie sollen sich bei über 30 Grad eine Stunde lang umarmen. Der Schweiss rinnt, das Fleisch brennt, das Blut gerät in Wallung und der Sex dringt durch alle Poren. Jetzt sind die Emotionen erst recht in Fahrt. So sieht man plötzlich Helge seiner Beauty schüchtern an den Arsch grabschen und Kevin einen Liebesbrief schreiben. Gepriesen seien die Drehbuchgötter für diese kitschtriefende Darbietung nymphomanischen Balzverhaltens.

Prosieben behauptet von der Show ein »aussergewöhnliches soziales Experiment« zu sein. Die Tatsache, dass sich der glamouröse Drehort in einem Land befindet, das eine der höchsten Kriminalitäts-, Vergewaltigungs- oder HIV-Raten der Gegenwart aufweist scheint hier niemanden zu stören. Dass die Sendung von Aston Cutcher geklaut wurde ist auch egal. »We love to entertain you«. My Ass!

So, und damit du deinen eigenen Nerd oder deine Beauty aufgabeln kannst, hier ein paar Vorschläge wo welche zu finden sind:
 
Donnerstag:
Ist Valentinstag, eigentlich egal wo du hingehst, du hast Game, denn wer draussen ist,ist Single udn heute besonders liebesbedürftig. Der Rest ist mit dem Lebensabschnittspartner in der Sauna, einem Hotel oder daheim. Und nein wir geben keine Tipps für romantische Kurztrips für zwei.
 
Freitag:
Ist Schlittschuhdisco in den Bergen!  Endlich, wer in der Region ist, unbedingt hingehen, danach wird’s wieder Cava Bar und Après Ski heissen bis Ende Saison. In Zürich gehen wir ins Kinski, weil es uns noch nicht enttäuscht hat und die Party Banzai heisst. Oder in den Untergang, weil dort ist voll Rap, richtiger Rap.
 
Samstag:
Ist Popup Party, sie heisst Popoff und hat nichts mit dem House DJ gleichen Namens am Hut und das ist ganz in Ordnung so. Einmalig alleweil, schon alleine weil es das letzte Mal ist. Höngerstrasse 51, 8037 Zürich.
 
Sonntag:
Tät ich vögeln, am besten deine Eroberung vom Donnerstag.
 
Und Ja wir verlosen Tickets (ausser für Sonntag). Einfach eine Mail mit einem kleinen Liebesbrief an dein angebetetes Model an: info@viceland.ch.

 

 

 

 

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