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Wrong Boner

Willkommen in Dr. Fetischs Celebrity-Kabinett

von Markus Lust

Wer schon mal am Mulholland Drive war — jener abgelegenen, gebirgigen Straße der Stars, von der aus L.A. wie ein weit entfernter Alptraum aussieht —, der versteht ein paar Sachen gleich viel besser. Zum einen wird einem schon nach 10 Minuten Schlangenlinienfahrt im offenen Cabrio klar, dass sich David Lynch für seinen gleichnamigen Film nicht besonders weit aus dem Fenster lehnen musste, weil das dortige Ambiente tatsächlich kein bisschen weniger gruselig ist. Als ich mit einem Freund dort war, um die drei Villen von Jack Nicholson auszuspionieren, haben wir nicht nur eineinhalb Stunden lang die Orientierung verloren und uns im unasphaltierten Gelände verfahren, um danach einer geladenen Besucherin mit unserer Hier-leben-die-Stars-Karte den Weg zu Samuel L. Jacksons Anwesen zu zeigen. Nein, wir wurden auch noch von einer mitten auf der Straße sitzenden Eule so unglaublich erschreckt, dass unser weißes Chrysler Convertible fast zwei neue braune Sitzbezüge bekommen hätte. (Wir sind schließlich ausgestiegen, haben einem Z-Promi neben die Mülltonnen gepisst, ein Foto von Paris Hiltons Kaskadenpalast gemacht und sind wieder nachhause gefahren, um uns in unserem Motel am Hollywood Boulevard mit Starkbier zu betrinken. Irgendwo auf dem Weg war dann auch noch ein Planquadrat des LAPD, aus dem wir uns ohne Führerschein herauswinden mussten, aber das ist eine andere Geschichte.)

Zum anderen versteht man hoch oben am Mulholland Drive auch ein bisschen besser, warum Stars so sind, wie sind — und vielleicht ein bisschen weniger, warum zur Hölle irgendwer hier wohnen wollen sollte. Warum in der Tat? Los Angeles wirkt wie ein Aquarium und die einzigen Geräusche weit und breit kommen von den gelegentlich vorbeizischenden Sportautos der Reichen. Die Hausnummern werden nach Zufallsprinzip vergeben, die Nachbarn sind mehr Luchse als Menschen und zu den Clubs der Stadt sind es auch im schnellsten Wagen noch mindestens 45 Minuten. Es hat eine gewisse Ironie, dass manche Menschen auf ihre Jugend verzichten und mit eisernem Willen an ihrer  Karriere arbeiten, nur um sich anschließend ein Leben in der prestigeträchtigen Einöde erkaufen zu können. Aber solche Gedanken hat man wohl nur, wenn man selbst nie in die Verlegenheit gekommen ist, Prominentenstatus zu erlangen. Wer es geschafft hat, sucht andere Wege aus der Fadesse — und schafft sich einen Fetisch an. Sexuelle Eigenheiten sind wie Haustiere: Sie kosten oft eine Menge Geld, bringen aber auch viel Freude ins Haus und es gibt unendlich viele Events, bei denen man sich andere ansehen und die eigenen zur Schau stellen kann. Gleichzeitig sind sie — genau wie Minihängebauchschweine und Möpse — aber nicht für jedermann. Also bevor ihr den Entschluss fasst, später mal berühmt zu werden, solltet ihr testen, ob bei einem der folgenden Spleens irgendwas an eurem Körper anschwillt. PR-technisch sehr hilfreich ist es übrigens, wenn ihr euch aus dem Baukasten euer eigenes Frankenstein'sches Fetisch-Monster zusammenbastelt. Und weil das hier eine Kolumne ist, geb ich immer auch meine "Boner-Chance" zu jedem Fetisch ab. Wir fangen auch ganz behutsam an.

 

MEGAN FOX: OCHSEN ERWÜRGEN

Okay, ich geb's zu — Ochsen erwürgen hört sich jetzt nicht unbedingt nach etwas an, das euch den Einstieg in die Welt der Celebrity-Fetische erleichtert. Aber eigentlich ist Megan Fox im Vergleich zum Rest der Promi-Mannschaft ein unbelecktes Lämmlein, das einfach nur auf markige Metaphern steht. Drum hat sie über Olivia Wilde (alias 13 bei House, MD, alias das geile Leuchtkondom aus Tron Legacy) gesagt: „Sie ist so sexy, dass ich einen Bergochsen mit meinen bloßen Händen erwürgen will.“

BONER-CHANCE: 1 von 5.

Sag niemals nie. Vor allem nicht, wenn das, was sich dadurch eröffnet, zumindest theoretisch mit Megan Fox und/oder Olivia Wilde zu tun hat. Würgespiele sind an sich schon etwas, mit dem ich näherungsweise ganz okay bin. Also, wir sind jetzt nicht SO, aber ein bisschen zusätzliche Beneblung durch Sauerstoffmangel kann schon was. Trotzdem bin ich wohl etwas eigenwillig, wenn es um Genickbruch-Boner geht und empfinde bei dem Gedanken an knackende Knochen zwischen meinen Fingern eigentlich nur Angst in der Hose. Was aber jetzt auch nichts kategorisch Schlechtes sein muss. Wenn Megan Fox es darauf anlegt, könnte "Boner aus Angst" noch der Titel meiner Autobiografie werden (aber nur dann).

 

EVA LONGORIA: FESTBINDEN

In ihren eigenen Worten: „Ich habe nichts dagegen mit einem Seidenschal festgebunden zu werden. Ich mag es, wenn Männer die Kontrolle übernehmen. Es hat etwas ziemlich Erotisches, unterwürfig zu sein.“

BONER-CHANCE: 4 von 5.

Nippelklemmen und Ass-Fuck-Machines mögen manchen zu garstig sein, aber um sich auf das Bitten einer Eva Longoria hin zum Fesselspiel mit einem Seidenschal hinreißen zu lassen, braucht es eigentlich nichts weiter, als ein erigierbares Glied — am besten eins, das eine 4 auf der Pfizer-Skala erigierter Glieder zustande bringt. Sonst braucht man dafür rein gar nichts, wie in: Wer dazu nein sagt, kann statt Sex auch gleich James Joyce lesen.

 

KELLY BROOK: AUTOSEXUALITÄT

Die meisten wollen von berühmten Menschen nur hören, dass sie auch gerne zu McDonald's gehen und sich öfters mal über das Fernsehprogramm ärgern. Obwohl ich genauso katholisch geprägt bin wie der nächstbeste Nörgler, habe ich diesen Ansatz nie ganz verstanden. Wozu sollte man all die Mühen des Berühmtwerdens auf sich nehmen, wenn man am Ende nicht mal die Belohnung des Berühmtseins kassieren (oder sie eben nur im Geheimen genießen) darf? Seht ihr, ich möchte wirklich niemandem dreinreden, der gerne "der Gesellschaft etwas zurückgeben" möchte, aber im Ernst, darum geht es doch meistens nicht. Wer spendet, tut dies ohnehin nicht begleitet von Presseaussendungen. Es geht darum, dass Stars dafür bezahlt werden, uns vorzumachen, sich ihrer selbst (und ihrer Wirkung auf uns) nicht bewusst zu sein. Glaubt mir: Wenn jemand in seinem CV mehr als eine Karrierestation als Model, TV-Moderatorin und Schauspielerin stehen hat, dann weiß die Person ziemlich genau, was Leute wie wir an ihr gut findet. Und wenn es nach mir geht, sollen diese Leute dann auch wenigstens dazu stehen. Nehmen wir zum Beispiel Kelly Brook. Sie ist sogar so geil, dass ihr Fetisch darin besteht, sich selbst zu filmen und sich dabei selbstzubefriedigen. Ohne Scheiß. Und ich ziehe meinen Hut vor ihrem Masturbationsstatement gegen die verlogene Zurschaustellung pöbelberuhigender, proletenverbrüdernder Durch-und-Durch-Durchschnittlichkeit. Oh, und vor ihrer Performance in Piranha 3D. Nomnomnom.

BONER-CHANCE: 4 von 5.

Wer seine Videokamera noch nie benutzt hat, um sich selbst beim Wichsen am Fernseher zuzusehen, der werfe den ersten Stein. Auf sich selbst. Es handelt sich dabei nämlich um eine Erfahrung, die jeder visuell orientierte (und danach visuell gebrandmarkte) Jungmensch einmal gemacht haben sollte. Und wenn man die Kamera sonst für rein gar nichts benutzt, obwohl sie 666 Euro gekostet hat (the Camcorder of the Beast!).

 

SCARLETT JOHANSSON: AUTOSEX

Von Autosexualität zu Autosex in weniger als zwei Blondierungen — das geht nur mit Scarlett Johansson. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen enttäuscht, wenn das wirklich ihr ausgefallenster Fetisch sein sollte, denn irgendwer muss schließlich die Leere auffüllen, die Angelina Jolie nach ihrer Trennung von Billy "Wir lieben unsere Blutamulette" Bob Thornton hinterlassen hat, aber bitte. Ich glaube sowieso, dass sie einfach nur einen guten Propagandaminister hat, der die Infos aus den Scarlettsphären perfekt zu portionieren weiß und uns tröpfchenweise mit neuen Schmutzigkeiten versorgt, bis wir 2029 die Schlagzeile lesen: "Johansson did guys with toes in her nose." Aber bis dahin heißt es: Contenance.

BONER-CHANCE: 2 von 5.

Für Sex im Auto muss man entweder siebzehn sein oder reich. Vielleicht reicht es für gelegentliches Kinky Kar Khaos auch, wenn man junggeblieben und wohlhabend ist. In jedem Fall braucht man dafür aus meiner Sicht einiges an Distanz zu dem, was ärmliche Durchschnittshipster mittleren Alters unter einem Auto verstehen: nämlich ein Gefährt mit einer Fahrgastzelle, die nur unwesentlich weniger eng ist wie der Liebestunnel, in dem man eigentlich hinein will.

 

RICKY MARTIN: GOLDEN SHOWER

Wenn es um das Thema Golden Shower geht, muss ich immer an zwei Dinge denken: Erstens an Winnie The Pooh und seinen Honigtopf und zweitens an David Hasselhoff, der vor mehr als einem Jahrzehnt mal in einem Interview gesagt hat, Pissen wäre besser als jeder Orgasmus, wenn man nur dringend genug muss. Ähm ... ja. Dringend müssen ist auch der einzige Aspekt an dem Ganzen, der für mich die Vorstellung zumindest ein bisschen angenehm macht.

BONER-CHANCE: 1 von 5.

Wenn mein 20-jähriges Ich hier eine Bewertung abgeben könnte, hätte es sicher 3 oder 4 Punkte vergeben. Das war schließlich die Zeit der Spätpubertät, wo man sich bei jedem abwegigen Gedanken wie ein Pionier fühlte — quasi als Juri Gagarin der Sexdevianzen —und sich noch vorstellen konnte, alles zu werden. Unter anderem auch ein alter Perversling, der gerne seine Sexpartner anpisst. Aus heutiger Sicht ist daraus leider nichts geworden. 1 Punkt für den Entdecker in uns.

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