Maarten Van der Horst

von Jamie Clifton

Wenn du deine Master-Abschluss-Kollektion auf Grundlage der Kleidung entwirfst, die ein fetter, westlicher Sextourist in Bangkok tragen würde, wäre das ziemlich unkonventionell, wenn man beachtet, dass diese Kleider normalerweise wie schweißgetränkte Ungeheuer aussehen. Es ist gut, dass Maarten Van Der Horst genau das trotzdem getan hat, obwohl er bei der Fashion East im September dafür viel Spott geerntet hat. Es hat die Karrieren von Marios Schwab, Gareth Pugh, Jonathan Saunders, Louise Gray und Henry Holland in Fahrt gebracht, also ist es eine große Sache. Neben dem Sex-Touristen Ding, wurde die Kollektion von Transvestitismus beeinflusst—genauer gesagt von John Waters und Divine—was für die Sorte Leute gruselig sein muss, die sonst die Sachen kaufen, die nach Maarten "schick, tragbar und moderne Frauenbekleidung" sind. Wie auch immer, ein kleiner Vogel hat uns gezwitschert, dass seine nächste Kollektion auf Call of Duty basiert und uns ziemlich die Köpfe verdrehen wird.



Nur falls du es nicht weißt, das hier ist ein typisches Call of Duty Outfit.

VICE: Hey Maarten, wie geht's dir?
Maarten Van Der Horst: Mir gehts gut, obwohl ich eine schreckliche Arbeitsnacht hatte und alle meine Zeichnungen verloren habe, weil mein Computer um ca. 4 Uhr abgeschmiert ist. Ein scheiß Albtraum.

Oh, Mist. Sind sie für immer weg?
Nein. Aber ich musste von 4 Uhr bis 7 Uhr früh alles wiederherstellen, da die Deadline heute morgen war.

Unnötig.
Ziemlich.

Also, Maarten, lass uns mit deinem Leben nach dem Master am Central Saint Martins anfangen, was hast du seitdem gemacht?
Ich bin nach Amsterdam zurückgezogen, um bei meinen alten Freunden zu sein.

Fällt es dir leichter dort zu arbeiten als in London?
Nicht leichter, aber ich mag es, Niederländer und in Amsterdam zu sein, weil es dort absolut keine Verbindung zur Londoner Mode gibt und alles viel entspannter ist. Ich habe das Gefühl, dass ich mit lustigen Sachen Erfolg haben kann. Mein Studio befindet sich jetzt in Arnheim, die kleinste östliche Stadt, umgeben von einem großen Nationalpark, also ziemlich abgeschieden. Ich wollte zurück in eine ärgerfreie Umgebung, wo mein Assistent und ich die ganze Nacht Call Of Duty spielen und tagsüber arbeiten können.


Aus dem Blend-Magazine.

Beeindruckend. Also werden wir in der neuen Kollektion Kleider, die von Call Of Duty inspiriert sind, zu sehen bekommen?
Ja, drei Outfits basieren tatsächlich auf Call of Duty.

Zurück zur Master-Kollektion—bist du es mittlerweile leid, darüber zu reden?
Nein, ich mag es darüber zu sprechen, ich finde es nur merkwürdig, als so junger Designer Interviews zu geben. Es kommt mir komisch vor. Lass mich einfach genau das wiederholen, was ich in einem anderen Interview gesagt habe. Ich hab das erst kürzlich für ein Interview gemacht, das in Italien veröffentlicht wurde.

Haha. Nun, für eine Winter-Kollektion war sie ziemlich sommerlich—mit dem hawaiianischen Aufdruck und so—gabs dafür einen bestimmten Grund?
Hmm, ich habe einfach vergessen, dass es eine Winter-Kollektion sein sollte, haha. Das ist die Wahrheit, meine Arbeit hat schon immer von Weltflucht gehandelt. Ich hab die Hawaii-Shirts mit billigem Petticoat-Schnickschnack verziert, damit sie schwuler aussehen. Ursprünglich wollte ich alle diese schwulen Varianten von klischeehaften, fetten, westlichen Sex-Tourist-Shirts. Am Ende versuchte ich, alles ein bisschen schicker zu machen, indem ich mich an einer ganzen Urlaubs-Reihe, wie Capri-Hosen und Bermuda-Shorts, orientiert habe. Ich liebe Ferien, so einfach ist das.

Wie hat dich der Transvestitismus beeinflusst? Hast du einen ganzen Haufen Divine-Filme auf einmal geguckt?
Nein. Eigentlich habe ich mir vor Augen gehalten, dass Designer oft beschuldigt werden, Frauen wie Drag-Queens aussehen zu lassen—dass ihre Meinung von Weiblichkeit einem Klischee nachläuft. An diesem Punkt kam mir die Idee, Drag-Ausgaben von Bekleidungsstücken zu machen, die normalerweise als maskulin und jungenhaft aufgenommen werden, oder gar Kombinationen zu finden, die pervers waren: Wie das Bedecken der Rückseite eines Paares maskuliner Bermuda-Shorts mit hübschen, mädchenhaften Rüschen, oder gar das Drapieren eines Hawai-Shirts mit Babypuppenhaften Rüschen. Die Kombination des Hawaii-Shirts und dem draufgeworfenen Nylon-Netz ist definitiv von meiner Liebe zu John Waters und dem Rest der Dreamlanders, inklusive Divine, beeinflusst.

Macht es dir Sorgen, Kleidung für Frauen zu entwerfen, die von Transen inspiriert ist?
Warum sollten mir das Sorgen bereiten?

Naja, ich denke, manche Leute könnten etwas daran auszusetzen haben, von Transen inspirierte Kleidung zu tragen.
Wer schert sich darum, ob eine Kollektion von Transvestiten, Flugzeugen oder Karrotten inspiriert ist? Und was könnte daran beleidigend sein, mit Transvestiten oder Transgender, die auch menschliche Lebewese sind, assoziiert zu werden? Offensichtlich war ich wegen der Kollektion nicht bekümmert.

Wahr. Machst du von jetzt an weiter mit den Ferien- und Transvestitenthemen?
Ich denke, dass beide, das Ferien- und das Transvestitenthema, Beispiele für Weltflucht sind. Als verkleide man sich als jemand anderes oder renne  mit einem knallig farbigen Shirt ins Büro rennt. Alles, um der grauen, langweiligen Realität zu entkommen. Das ist das zentrale Thema meiner Arbeit.

Hat London selbst dich überhaupt beeinflusst? Weil es zeitweise wirklich ein bisschen grau und langweilig werden kann.
Ja, es ist eine Antwort auf die Tristesse in London, die Grobheit der Leute in den Schnapsläden und die lächerliche Anzahl schwarzer Kleidung, die ich an der Uni gesehen habe.


Aus dem Blend-Magazine

Was hast du, außer nach Holland zu ziehen, gemacht, seitdem du London verlassen hast?
Ich hab einen Sponsor-Deal mit Topshop ergattert und im Gegenzug eine atemberaubende Handtaschen-Kollektion entworfen, die im Januar rauskommt. Ich entwerfe zudem einige sexy Sachen für Lulu & Co—voll nach meinem Geschmack—aber viel nuttiger als normal, das ist aufregend.

Entwirfst du auch Möbel? Kommt ein Transvestiten-Stuhl? Und ein Call of Duty-Tisch?
Lass dich überraschen. Ich würde gerne designen und alles um mich herum schaffen, im Januar präsentiere ich drei Möbelstücke, die ich über den Sommer entwerfe. Wenn keiner die Sachen mag, kann ich mein Zuhause damit einrichten.


PHOTOS: MEINKE KLEIN
TEXT: JAMIE CLIFTON

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