Haltung bewahren—wider die Beliebigkeit!

von Marcus Staiger


Foto: Tom Palluch

Selbstverständlich gibt es drängendere Probleme im Bereich des rechten, nationalistischen Spektrums als sich über ein paar heimatverbundene Sänger aufzuregen. Da wäre an erster Stelle zum Beispiel der Skandal um die Morde der Zwickauer Nazi-Terrorzelle, genannt NSU, zu nennen. Zehn Jahre lang konnte die Gruppe anscheinend unbehelligt und unentdeckt vom deutschen Rechtsstaat im Untergrund operieren. Bei den Ermittlungen reiht sich Panne an Panne, so dass man fast lachen möchte, wenn es nicht so zum Weinen wäre. National befreite Zonen und rechte Jugendhäuser gibt es auch immer noch, rechte Übergriffe auf Andersdenkende und Andersaussehende nicht minder und das Nazigedenken an deutsche Kriegsopfer ebenfalls. Das alles sind echte Probleme und warum sich dann über einen heimatverbundenen Volksmusik-Opa wie Heino ärgern oder über eine ebenso heimatverbundene Band wie Frei.Wild? Ganz einfach, weil alles mit allem zu tun hat.

Letzte Woche erreichte uns die Pressemitteilung, dass sich das Rockmagazin Visions nicht mehr an der Präsentation des With-Full-Force-Festivals bei Leipzig beteiligen will, da die Festivalmacher offensichtlich beschlossen haben, die südtiroler Band Frei.Wild einzuladen, woraufhin Frei.Wild wiederum ihre Teilnahme abgesagt haben.

Festivalbetreiber und Freunde der Band verstehen das nicht und weinen über die Hexenjagd, die Vorverurteilung und die Intoleranz der „pseudomoralischen Gutmenschen“. Sie sprechen von Meinungsfreiheit und sehen sich darin bestätigt, von einer gleichgeschalteten, liberalen Öffentlichkeit verfolgt und ausgegrenzt zu werden. Dabei würden sie doch nur das sagen, was das Volk hören will und wonach die Leute anscheinend dürsten. Ist doch alles nicht so schlimm.

Leider haben sie mit der Feststellung, dass die Leute so etwas hören wollen, gar nicht so unrecht und die Frage, warum das Volk gerade nach solcherlei Inhalten dürstet, stellt sich fast dringlicher als sich damit zu beschäftigen, ob es wirklich schlimm ist, was die vier Hanseln aus Südtirol zu erzählen haben. Schlimm aber ist es allemal, wenn auch etwas komplex.

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