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      Berlin, immer noch wütend

      November 22, 2011

      Von Grey Hutton

      Bildredakteur

      Am Samstag fand in Berlin Friedrichshain die jährliche Silvio Meier-Demonstration statt. Die „Döner-Morde“ und ungeheuerlichen Verstrickungen des Verfassungsschutzes sind omnipräsent. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf erschienen rund 3.000 Menschen zu der Demo, um dem Toten Respekt zu zollen und gegen Faschismus, Neo-Nazis und Kapitalismus zu protestieren. Ein starkes Gemeinschaftsbewusstsein war in der Gruppe deutlich zu spüren. Ich hatte daher große Hoffnung, dass ich ein ehrwürdiges Spektakel miterleben würde …

      Der Typ vorne tat das einzig Richtige, als sich herausstellte, dass der nachmittägliche Marsch länger dauern würde als erwartet.

      Sechs der neun eindringlichen Porträts der Opfer der „Döner-Morde“ wurden in Vorbereitung auf den langen, kalten Marsch aufgereiht. Zusammen mit den vielen Schwarzgekleideten war es eher düster. Der bärtige Typ in Pink war daher eine wunderbare Abwechslung.

      Von einem Meer schwarzer Kondome umgeben sieht der Typ so aus, als würde er es echt ernst meinen.

      Unter den Demonstranten herrschte wegen der Kameras unglaublich große Paranoia. Die meisten hatten sich ganz in Schwarz gehüllt, Kapuzen oder Mützen aufgesetzt, dunkle Sonnenbrillen im Gesicht, vereinigten sie sich zu einer Horde vermummter Kämpfer. Aber versuch mal, die Kamera auf einen einzelnen von ihnen zu richten. Dann musst du wirklich vorsichtig sein! Als Fotograf beging ich diesen Fehler. Das Resultat war, dass ich bepöbelt und bedrängt wurde. Ein Riese packte mich am Arm und brüllte mir ins Ohr: „Lösch diese scheiß Fotos!“, woraufhin ich mit „nein“ anwortete. Das ging eine Weile so weiter und das bärtige Biest wurde immer aggressiver. Doch irgendwann eilte Rettung herbei: ein Mädchen mit dem Gesicht eines Engels und einer durchdringlichen Stimme. Ich überlies ihn ihr und verschwand in der Menge.

      Nachdem wir eine halbe Stunde lang planlos herumgestanden hatten, machten wir uns endlich auf den sorgfältig geplanten Weg. Wir marschierten zum Klang von bekannten Antifaschismus-Liedern, die aus den Lautsprechern auf dem Dach eines Vans kamen, der von einigen engagierten Individuen unermüdlich vorwärts getrieben wurde. Die Stimmung war aufgeheizt und optimistisch, als die Leute in den Refrain verschiedener, bekannter antifaschistischer Rufe einstimmten. „Alerta, Alerta, Antifascista“.

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