Mode
Bruno Pieters und Weekday machen gemeinsame Sache

Die skandinavische Modekette Weekday hat sich auch außerhalb Skandinaviens zu einem großen Hit entwickelt, seit sie 2008 Mitglied der H&M-Gruppe wurde. Ein cleverer Schachzug, so scheint es. Denn Weekday eröffnet neue Shops auf der ganzen Welt, verkauft die hauseigene Marke MTWTFSS by Weekday, eine Auswahl an Vintagekleidung und selbstgemachten Sachen sowie alles von Cheap Monday. Auch wenn ich jetzt Gefahr laufe, als Hipster abgestempelt zu wegen: Ich finde, Weekday ist eine verdammt coole Marke, sie produzieren gute, erschwingliche Kleidung zu angemessener Qualität und mit Stil. Außerdem veröffentlichen sie ein kostenloses Magazin—es handelt von ihnen selbst und nennt sich Weekday Freezine—und es ist gar nicht mal so schlecht!

In jeder Saison kollaboriert Weekday mit mehreren jungen und einigen etablierteren Designern. Dieses Mal entschieden sie sich für einen relativ großen Namen, den belgischen Designer Bruno Pieters. Bruno erhielt bereits kurz nach seinem Abschluss an der Antwerpener Modeakademie viel Lob und Anerkennung. 2001 präsentierte er als erster belgischer Absolvent aus Antwerpen eine Couture-Kollektion in Paris. Ein Jahr darauf brachte er seine erste Prêt-a-Porter-Linie auf den Markt, gewann dann einige Preise und arbeitete als Creative Director für Hugo by Hugo Boss. In den letzten beiden Jahre war er vom Moderadar verschwunden und es ist großartig, ihn mit seiner kleinen und spaßigen Kollektion bei seiner Rückkehr zu beobachten. Denn noch immer stellt er sein perfektes Wissen über Schneiderei und seine Fähigkeit zur Schau, sehr raffinierte Mode mit sehr einfachen, aber genialen Schnitten zu entwerfen. Diese Kollaborations-Kollektion ist vom Kubismus und den späten 1940ern inspiriert, Brunos unverkennbarer Stil verschmilzt mühelos mit der Marke.
Wie erwartet war die Kollektionseröffnung im riesigen Weekday-Store in der Friedrichstraße vergangene Woche voller dürrer, skandinavisch anmutender Mädchen in ihrem Lieblings-Weekday-Outfit (lange, schwarze Kleider) und mit blonden Pferdeschwänzen. Was hat es damit auf sich, dass die Leute denken, sie müssten genau die Marke tragen, von der das Event veranstaltet wird? Hast du schon jemals eine Chanel-Show gesehen, bei der nicht jede Frau im Publikum eine Chanel-Tasche mit sich herumtrug? Glauben sie, dass die Marke sie dann mehr mögen wird? Ich kapier das nicht. Egal, jedenfalls standen sie alle da drin und schlürften kostenlosen Prosecco. Die Jungs mit karierten Shirts, Vintage-Jeansjacken und Beanies tranken kostenloses Bier und die Jungs mit den schwarzen Lederjacken und diesen komischen Neuheiten aus Jersey tranken kostenlosen Weißwein.

Ich hatte das Gefühl, dass der Abend nicht genügend Stoff für Beobachtungen bieten würde, um einen ganzen Artikel darüber zu schreiben. Daher beschloss ich, Herrn Pieters ein paar Fragen zu stellen.
VICE: Hi Bruno, schön, dass du zurück bist! Wie war die Arbeit mit Weekday?
Bruno Pieters: Das war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Weekday beschäftigt ein junges, enthusiastisches Team, das den gesamten Prozess sehr angenehm gestaltet hat. Ich habe außerdem den Designer Glenn Martens, einen Freund, gefragt, ob er die Kollektion mit mir designen würde, was für mich ebenso eine interessante Veränderung war. Früher habe ich alles selbst gemacht, aber es war schön, noch eine andere Meinung zu hören. So erhältst du einen anderen Blick auf die Dinge.
Schön. Wie lange hast du an dieser Kollektion gearbeitet?
Ungefähr ein Jahr. Es dauert eine Weile, bis eine Kollektion wie diese entwickelt und perfektioniert ist. Aber es ging superschnell.
Natürlich ist es etwas ganz anderes, seine Designs zu einem so erschwinglichen Preis zu verkaufen. Möchtest du so etwas in Zukunft noch einmal machen?
Ich mag bezahlbare Kleidung sehr. Ich finde es toll zu sehen, wie einfach du heutzutage Mode kaufen und ihr folgen kannst. Mode teilt uns nun nicht mehr, sie bringt uns zusammen. Ich mag keine Uniformen, aber mir gefällt die Idee von Einheit.
Musstest du wegen der niedrigeren Preise Kompromisse eingehen oder viel verändern?
Nein, es gab nicht viele Kompromisse. Weekday wird in China produziert—wie so ziemlich alles, mit dem wir kommunizieren, was wir tragen oder essen. Die Preise dort sind noch immer niedrig genug, damit jeder von uns die Chance hat, Mode zu kostengünstigen Preisen zu kaufen. Diese Sache an sich ist eine sehr schöne Idee.
Du hast dir von dem ganzen Modezirkus eine zweijährige Auszeit genommen, ich habe gelesen, dass du viel gereist bist. Bist du als andere Person zurückgekommen?
Ja, ich denke über die Dinge jetzt anders. Ich habe gelernt, Dinge ins rechte Licht zu rücken und empfinde meine Arbeit wieder als spaßig und spannend.
Das ist großartig! Die Weekday-Kollektion ist jetzt draußen, an was arbeitest du also gerade? Ich hab da etwas von einer neuen Kollektion gehört.
Mein neues Projekt kommt 2012 auf den Markt. Es ist das größte und anspruchsvollste Projekt, das ich jemals angenommen habe. Ich werde schon nervös, wenn ich nur daran denke. Zum Glück bin ich von einem großartigen Team und einem Haufen Freunde umgeben, die genauso stark daran glauben wie ich. Mehr kann ich im Moment wirklich nicht dazu sagen.
Wow, ist das aufregend! Ich glaube, viele Leute stecken dich in die Schublade „Antwerpener Mode“ oder „belgische Mode“. Abgesehen davon, dass du in Antwerpen studiert hast: Siehst oder fühlst du ebenfalls eine Verbindung zu anderen belgischen Designern?
Über Nationalität denke ich nie nach. Ich frage mich manchmal, warum das für manche Leute so wichtig ist. Es zwingt uns alle in Stereotypen. Dries Van Noten, Walter Van Beirendonck oder Ann Demeulemeester stammen alle aus Belgien und ich finde dennoch, dass sie vom Stil her nichts gemeinsam haben. Ich persönlich entwerfe, was ich neu und interessant finde. Meine Inspiration kommt von allem und jedem, der mir in meinem Leben über den Weg gelaufen ist.
Du verwendest normalerweise viele einfache Farben und Stoffe—wie auch bei dieser Kollektion. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Warum gefällt dir diese Einfachheit?
Ich mag die Idee von „nachhaltigem Design“. Designs, die man mehrere Saisons lang lieben und tragen kann.
Du spendest einen großen Teil der Onlinegewinne dieser Kollektion an eine Wohltätigkeitsorganisation namens SISP (Sebastian Indian Social Projects). Wie kamst du ausgerechnet mit dieser Organisation in Kontakt und was magst du an ihr?
Ein Freund von mir hat die letzten fünf Jahre freiwillig für SISP gearbeitet. Diese Organisation bietet armen Kindern in Indien kostenlose Bildung. Als ich selbst dort war, habe ich mir das Projekt angeschaut. Sie nutzen das Geld für die Ausbildung der Kinder, nicht für Werbematerial. Das finde ich fantastisch, das ist schließlich nicht immer der Fall.
Danke!



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