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Buschliga-Rebellen

von Joe Stramowski

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Die gefürchtete National Police posiert in Dungu vor unseren Kameras.

An meinem ersten Tag als Embedded Journalist bei der UN-Stabilisierungstruppe in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) besuchte ich ein Lager in der Stadt Goma, in dem Rebellenkämpfer untergebracht waren, die sich erst kürzlich ergeben hatten. Das Lager war nach ethnischen und administrativen Kriterien unterteilt, aber die Kämpfer der Hutu und der Tutsi, die seit Jahrzehnten Blutbäder untereinander anrichten, trennte nur ein Maschendrahtzaun.

Im Lager lebten neben den von Narben übersäten, hageren jungen Kämpfern auch Dutzende Frauen—„Buschfrauen“ wie man uns erklärte—und ihre Kinder, die alle im Dschungel geboren waren. Die meisten dieser Frauen waren entführt und zu Sex- und Arbeitssklavinnen gemacht worden. Sie wurden von ihren Entführern zum Kochen und Ausbessern der Kleidung gezwungen und dienten ihnen außerdem als Trägerinnen.
Ich wusste bereits von meinen UN-Ansprechpartnern, dass meine Reportage mit Argwohn betrachtet wurde. Bei Sam, dem Pressesprecher des Lagers, erkundigte ich mich, aus welcher Entfernung ich Fotos schießen durfte. „Mach ruhig deine Fotos“, sagte er. „Aber bitte keine von den Kindern.“

Goma ist die Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, DR Kongo, und liegt geopolitisch betrachtet in einer der schlimmsten Regionen der Welt. Südöstlich von Goma ist die Grenze zu Ruanda, ein gebirgiger Dschungel, den 1994, nach dem Völkermord in Ruanda, zahlreiche militante Hutu durchquerten, um sich einer Bestrafung für die von ihnen verübten Massaker an den Tutsi zu entziehen. Diese bewaffneten Einwanderer waren im Laufe des folgenden Jahrzehnts unmittelbar an der Eskalation der Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen beteiligt. Im ersten und zweiten Kongokrieg wurden Schätzungen zufolge fünf Millionen Menschen ermordet.

Im Nordosten Gomas, der West-Nil-Region, drangen währenddessen schwer bewaffnete, Acholi sprechende Fanatiker aus Uganda über die Grenze tief in das Territorium der DR Kongo vor, wie Joseph Kony und seine Lord’s Resistance Army (LRA). Die durch den von Invisible Children produzierten Dokumentarfilm KONY 2012 inzwischen weltweit berüchtigten Rebellen gingen dort extrem unbarmherzig vor und trieben unter anderem Dorfbewohner in Kirchen zusammen, bevor sie diese bis auf die Grundmauern abbrannten.


Ex-Kämpfer der FDLR, Buschfrauen und ihre Kinder werden vor der Aufnahme in ein UN-Durchgangslager in Goma, Nord-Kivu, registriert.

KONY 2012 wurde zwar stark kritisiert, da der Film eine Rebellengruppe in den Mittelpunkt rückte, die sich zum Zeitpunkt des Filmstarts bereits größtenteils aufgelöst hatte, doch ethnische Konflikte gehören in der DR Kongo weiterhin zur Tagesordnung, obgleich sie etwas anderer Natur sind. Die ethnischen Spannungen verstärken lange bestehende Konflikte über die Kontrolle des illegalen Abbaus von Zinnstein, Wolframit, Coltan und anderen Mineralien, die zur Herstellung verschiedenster Produkte—von Smartphones über Airbags bis zu Düsentriebwerken—wesentlich sind. Diese Auseinandersetzungen tragen zur Erneuerung der Feindseligkeiten zwischen den zahlreichen aus- und inländischen Hutu- und Tutsi-Milizen bei.

Neben der mittlerweile zersplitterten LRA haben weitere militante Gruppen die DR Kongo zu ihrem Operationsgebiet auserkoren. Dazu gehören die Mai Mai, die Raia Mutomboki und die Democratic Forces for the Liberation of Rwanda (FDLR)—Namen, so irritierend wie das durch Justin Biebers Stimme in deinem Körper ausgelöste Kribbeln. Doch die Stabilität der Region wird möglicherweise am stärksten durch die M23 (Bewegung des 23. März) gefährdet, eine hauptsächlich aus kongolesischen Tutsi bestehende Gruppe, die sich im vergangenen April nach eigenen Angaben wegen des „hohen Maßes an Korruption“ und der „schlechten Regierungsführung“ in der DR Kongo von der Regierungsarmee abspaltete. Seitdem sind nahezu eine Viertelmillion Menschen infolge der von der M23 verübten Gewalttaten vertrieben worden. Auf ihr Konto gehen mindestens 15 Morde und 46 Vergewaltigungen (unter den Opfern waren laut Human Rights Watch auch achtjährige Mädchen). Ehemals ein Zufluchtsort für all jene, die den ethnischen Konflikten in Ruanda zu entkommen versuchten, gehört die DR Kongo heute zu den afrikanischen Staaten, deren Einwohner wünschten, sie könnten aus ihrem Land fliehen.

Das Lager in Goma ist ein Spiegelbild der schwer durchschaubaren, geopolitischen Unruhen in der DR Kongo. Um in das Lager aufgenommen zu werden, müssen sich die Kämpfer zuerst ergeben und ihre Waffen den UN oder den Regierungstruppen aushändigen, bevor sie den Registrierungsprozess durchlaufen und anschließend 72 Stunden festgehalten werden. Ein Teil der Lagerbewohner besteht aus Flüchtlingen aus Ruanda, die sich einer Miliz angeschlossen hatten, Söldner wurden und nun nach Hause zurückkehren möchten. Eine andere Gruppe umfasst Kongolesen, die für lokale Hutu- oder Tutsi-Milizen kämpften, bevor sie sich ergaben. Unter ihnen sind auch eine Reihe ruandischer Bauern, die sich als ehemalige Rebellen ausgeben, um den kostenlosen Rücktransport der UN über die Grenze zu nutzen. UN-Mitarbeiter versorgen sie mit Kleidung und knallbunten Plastiksandalen. Um ihren Status sowie ihre Identitäten und Herkunftsländer zu ermitteln, werden die Lagerinsassen über lokale Gegebenheiten ausgefragt, man nimmt ihnen Fingerabdrücke ab und führt Retina-Scans durch. Das Lager ist Teil eines UN-Programms zur Wiedereingewöhnung von Rebellen in das Zivilleben und zur Reintegration in die Gesellschaft—oder das, was davon übrig ist.

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