Dank Lena Dunham und Girls bin ich Feminist geworden

von Nathan Walker

Ich hab auf Twitter verkündet, dass ich diesen Artikel schreiben würde, und nur Sekunden später antwortete mir irgendein Typ: „Lena Dunham ist die Stimme eines masturbatorischen Super-Ichs & ihr pathologisches Tittenzeigen steht für die Generation Scheiße.”

So viel Hass wegen einer Frau, die eine humorvolle Fernsehserie macht, die es nur im Pay-TV zu sehen gibt?

Seit Jahren sagt meine Frau, dass ich ein Feminist bin—auch wenn ich immer wieder das Gegenteil behaupte. Nur weil ich überzeugt davon bin, dass eine Frau für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen sollte wie ein Mann, bin ich zwangsläufig ein Feminist? So wichtig war mir das Thema nie und eigentlich kann ich kein Feminist sein. Ich lese keine feministische Literatur, bin nie bei einer Demo für Frauenrechte mitgelaufen und ich mag die Vorstellung nicht, dass jede Frau alles genauso gut kann wie ein Mann (oder umgekehrt). Aber ich bin für gleiche Rechte, gleiche Bezahlung und denke, dass Frauen genauso intelligent sind wie Männer. Und ich liebe es, wie Frauen nackt aussehen! Ich kann gar kein Feminist sein, oder?

Da kommt Lena Dunham ins Spiel und ihre Serie, von der ihr vielleicht schon gehört habt: Girls. Meiner Meinung nach ist Girls sehr unterhaltsam, auch wenn ich die Typen darin alle ganz furchtbar finde. Die Show hat von Anfang an für viel Aufsehen gesorgt, weil es so anders und neu war. Eine Serie, in der weiße, junge Menschen im Mittelpunkt stehen, die alle Mitte 20 sind. Ach und genau, die einzige Serie, die auf witzige Art zeigt, wie aus Jugendlichen Erwachsene werden! Oh, fast vergessen: Es ist auch die einzige Serie, die nackte Frauen zeigt. Wow! Und einen letzten noch: Es ist die einzige Serie, in der privilegierte Menschen mit genug Kohle einfach vor sich hin leben können.

Augenblick! Es gibt doch Hunderte Fernsehserien, bei denen es um genau diese Dinge geht, manchmal sogar alles auf einmal. Warum ist dann diese Show so verhasst? Hass auf ihren Körper. Hass darauf, dass alle weiß sind. Hass auf das privilegierte Leben der Protagonisten. Hass auf die Fantasieszenarien, in denen sie Sex mit Typen hat, die in einer höheren Liga spielen? Hass. Ach, jetzt weiß ich es. Girls ist die einzige erfolgreiche TV-Serie, die von einer jungen Frau gemacht wird. Sie schreibt die Drehbücher und führt meist auch noch Regie. Und das ist wirklich der einzige Unterschied zu all den anderen Serien da draußen.

Hat Kareem Abdul-Jabbar seine Brille abgenommen, seinen Sky-Hook eingepackt und in der Huffington Post eine Kommentar über Judd Apatow (a.k.a. der Produzent von Girls) geschrieben, als Apatow die ganz ähnliche Serie Voll daneben, voll im Leben gemacht hat? Da gab es keine Titten zu sehen, aber dafür waren alle Darsteller weiß und das ganze spielte in Detroit (in DETROIT!). War der Hauptcharakter ein ichbezogenes Mädchen, das alle Leute und seine Eltern manipulierte, um zu kriegen, was es wollte? Da könnt ihr euren Arsch drauf verwetten. Haben da vielleicht die Feministinnen gerufen: „Aber wofür steht diese Lindsay Weir überhaupt?!?” Nein, haben sie nicht. Und warum nicht? Weil es nur Fernsehen war, das uns unterhalten sollte. Entweder mochtest du es oder eben nicht.

Wo sind die Beschwerden über eine andere Hit-Serie von HBO, Game Of Thrones, wo alle bis auf die halbnackten Wilden mit ihren barbarischen Sitten weiß sind? Oder stört sich jemand an den Charakteren mit ihren ganzen Privilegien, die herumstolzieren, als wären sie allesamt verdammte Könige und Prinzessinnen? Und hört man jemanden sagen: „Scheiße, Daenerys, pack' deine Titten wieder ein!”? Nein, hört man nicht. Weil es niemanden stört; die Serie ist ja nur zur Unterhaltung gedacht und ihre Titten entsprechen dem Schönheitsideal. Die Produzenten haben eine Fantasiewelt erschaffen, in der es alte Fettsäcke Woche für Woche mit sehr jungen Mädchen treiben dürfen. Warum sollten wir so was auch kritisieren?

Wollt ihr über privilegierte Weiße reden, die ein geistloses, abartig unrealistisches Wesen an den Tag legen? Nehmen wir Entourage! Drei weiße, junge Typen hängen sich an einen Star, damit sie etwas von seinem schönen Leben abbekommen: Geld, Autos, Alkohol, Drogen und sogar seine weiblichen Fans. Das soll uns unterhalten und nur darum regt sich keiner darüber auf, obwohl jeder einzelne Moment dieser Serie eine Provokation ist.

Ich weiß, ich weiß, ich habe in diesem Text sehr viele Fragen gestellt. Aber im Ernst, kann mir jemand verraten, warum über Lena Dunham so viel Hass und öffentliche Empörung ausgeschüttet wird? Nennt mir bitte nur eine Sache, die sie schlimmer macht als ihre vielen männlichen Gegenspieler (außer, dass sie eine Frau ist), und ich lasse mich gerne überzeugen.

Lena, du hast so viel erreicht: Du bringst mich zum Lachen. Nur bei diesem Adam kommt es mir immer noch hoch. Am wichtigsten: Du hast bewiesen, dass meine Frau recht hat. Ich bin wirklich ein Feminist. Aufgrund des ganzen Geschreis um deine Person und deine Serie habe ich verstanden, wie unsere Gesellschaft zu erfolgreichen Frauen steht. Es tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe. Aber zum Glück ist es nie zu spät, sich zu ändern. Jetzt werde ich mich zurücklehnen und dabei zusehen, wie die Internetpolizei angesprungen kommt, um mir zu erklären, wie falsch wir beide doch liegen. Aber keine Angst, ich kämpfe für dich.


EMPFOHLENE ARTIKEL

 

One in the Oven
Ich bin mit Richard Kern zu Jemima Kirke nach East Hampton gefahren um sie hochschwanger zu fotografieren.
Erika Lust erobert feministische Pornos
Wir haben eine schwedische Pornoregisseurin getroffen und ihr zu ihrem Movie of the Year Award gratuliert.
Katy Perrys Vorstellung von starken Frauen ist Disney-Prinzessinnen-Scheiß
Die Frau des Jahres distanziert sich vom Feminismus. Und das ist schlecht, ehrlich.

 

Kommentieren