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      Das größte Arschloch aller Zeiten im wohl schlechtesten Musikvideo aller Zeiten

      June 4, 2013

      Von Robert Foster

      Irgendwann in den 90ern hat das Kerrang! Magazine die Queercore-Band Pansy Division interviewt. In diesem Interview hatten sie die großen Pop-Punk-Bands wie NOFX und Pennywise mit den 80er Party-Metal-Drecksäcken von Mötley Crüe verglichen. Ihrer Meinung nach sprachen diese Bands den gleichen Typ von Mensch an (Arschlöcher auf irgendwelchen Partys) und verhielten sich auch genau so (wie Arschlöcher auf irgendwelchen Partys). Während sie nicht ganz unrecht damit hatten, dass sich der Fokus vom Bekämpfen der Macht eher auf das Bekämpfen des Kotzreizes verschob, konnte niemand Ronnie Radke auch nur erahnen. Niemand konnte, geschweige denn wollte, das jemals tun.

      Ronnie Radke ist der Sänger der aus Las Vegas stammenden Metalcore-Arschlöcher Falling in Reverse. Vor Kurzem soll er seine gesamte Band in einem Wutanfall wegen irgendwelcher Unstimmigkeiten in Bezug auf den Ticketverkauf gefeuert haben. Mittlerweile wurde dies jedoch dementiert. Nichtsdestotrotz hat er gerade im Alleingang ein Musikvideo veröffentlicht, das uns daran erinnert, warum Terroristen uns hassen, Punk tot ist und wie man ein verdammter Rockstar ist:

      Ganz genau. Irgendjemand da draußen dachte, es sei eine gute Idee, irgendwelche Emo-Spinner eine Choreografie zu Metalcore-Breakdowns aufführen, den nervigsten davon singen und das ganze mit etlichen Synthiesounds unterlegen zu lassen, die noch schlechter sind als die von Skrillex und nach fauliger Pisse stinken. Ich weiß nicht, ob es da besser oder schlechter ist, dass Radke behauptet, seit fünf Jahren nüchtern und drogenfrei zu sein. (Zufälligerweise sind das genau die fünf Jahre, die er wegen eines Streits auf Bewährung verbrachte, bei dem jemand Anderes erschossen wurde. Zwei davon saß er im Knast, weil er nicht bei seinem Bewährungshelfer aufgetaucht ist. Yep, so ein Typ ist er.)

      Zum Leidwesen aller, die gerne gesichtstätowierte Rock-Diven dabei beobachten, wie sie Scheiße über Leute erzählen, von denen sie glauben, falsch behandelt worden zu sein, hat Radke alle seine Twitter-Kommentare und Instagram-Fotos nach einem Wutanfall gelöscht. In Anbetracht eines solchen feigen Rückzugs müssen wir unseren Blick wohl auf das Video zu „Alone“ konzentrieren, wenn wir die Psyche eines ausgewachsenen, verdammten Rockstars zusammensetzen wollen.

      Das Video beginnt, unterlegt von Synthiesounds, mit einigen Emo-Bros die aus einem Helikopter springen und so aussehen, als kämen sie direkt aus einem „Make a Band“-PC-Spiel aus den 90ern. Wenn ihr den Helikopter betrachtet, denkt daran, dass diese Kerle bei Epitaph Records, dem Pop-Punk-Motown-Label von Bad-Religion-Gitarrist Brett Gurewitz, unter Vertrag stehen. So sieht’s aus. Derselbe Typ, der „We're Only Gonna Die (From Our Own Arrogance)“ geschrieben hat, hat einen Hubschrauber und einen Haufen weißer Anzüge gemietet, um den stinkendsten Haufen Scheiße in der Toilette von Ronnie Radkes Ego in Realität zu verwandeln. Ich bin kein Punk-Purist, aber ich glaube, Mr. Gurewitz sollt sich da mal eine Weile Gedanken drüber machen.

      Ronnie kommt einen Augenblick nach seinen Bandkollegen an, na klar, genauso ist er. Er springt als Star der Show aus einem Ferrari, der dann führerlos weiterfährt. Verdammt, der Track klingt sogar wie eine gottvergessene Kollaboration von Fall Out Boy und 2 Chainz, die wahrscheinlich irgendwo in einem aufdringlichen Studio in L.A. vor sich hin köchelt.

      Dann zeigt er auf seinen Schuh und sagt:

      „White boy on the beat /rockin’ Gucci sneaks.“

      Irgendwie komisch, so etwas zu sagen. Vielleicht geht das aber auch nur mir so, wenn man bedenkt, dass die einzigen Leute, die ich in Gucci-Turnschuhen gesehen habe, holländische Touristen mittleren Alters sind. 

      Nachdem Ronnie ein paar verdammte Wahrheiten über Charlie Sheen rausgehauen hat, macht er dieses Gesicht. Diejenigen von euch, die mit Metalcore vertraut sind, erkennen darin genau das, was passiert, wenn ein Kerl klaren Emo-Chorknabengesang  mit einem Krümelmonster-/Raging-Speedhorn-ähnlichen „Rrrrrwooooooargh!” unterbricht.

      Profi-Tipp: Aus dem Kontext gerissen sieht dieses Gesicht immer nach Blowjob aus.

      Nach der Schreierei folgen die Band und ein paar heiße Schlampen in Overalls ihrem furchtlosen Anführer in einen Flugzeughangar, um sich ums Business zu kümmern. „Welches Business?“, werdet ihr fragen!

      ROCK-BUSINESS NATÜRLICH!

      Leider stellte es sich als recht schwierig heraus, Ronnies größten „Rick Ross Instagram“-Swag in dem Video zu finden, aber schaut euch einfach diese (durch den Text von „Alone“ transportierten) Weisheiten an:

      „I've got a lot of people talking nothing but chatter / Why'd you switch your style up and that I don't matter / Man, I've been in rap since I was shitting in Pampers / Climb the ladder to the top and now I'm shitting on rappers.“

      Bam! Nehmt das, ihr Wichser! Pampers!

      Ohne zu angepisst und alt klingen zu wollen, aber angeblich fing Dennis Lyxzen von Refused so um 1997 an, sich für Levis und Jazz zu interessieren und fabrizierte daraufhin dieses Album/Video, weswegen wir hier jetzt mutmaßliche Frauenschläger in hässlichen Anzügen und Frauenjeans ertragen müssen, die über tranceähnliche Synthie-Versatzstücke rappen. Im Vergleich lässt diese Art von Wandel die Entwicklung von Kraftwerk zu David Guetta geradezu nahtlos und respektabel erscheinen.

      Sonnenbrillen werden drinnen getragen, selbstverständlich. Die Coca-Cola unter den Dingen, die Leute sofort als Schwachköpfe kennzeichnen. Ich muss jedoch sagen, dass die Sonnenbrille in diesem Kontext merkwürdigerweise sogar irgendwie beruhigend ist. Das Video strotzt nur so vor neuen Arten von Dämlichkeit, dass es eigentlich nett ist, daran erinnert zu werden, wie scheiße früher alles war. Denn verglichen mit „Falling in Reverse“ war die Vergangenheit das goldene Zeitalter für Scheiße.

      Ernsthaft? Warum machen Leute das noch? Selbst meine Mutter zeigt gelegentlich jemandem den Finger, wenn sie irgendwas aufregt. Heutzutage haben wir das Internet. Diese Geste wird niemals wieder irgendjemanden beleidigen, also hört endlich auf damit.

      Ich bin nicht ganz sicher, ob das einer der seltenen Momente ist, in denen Ronnie an sich selbst zweifelt, aber hier macht er das Zeichen für Loser (© Wheatus, 2000) falsch rum. Er zeigt es sich also selber.

      Er verabschiedet sich entschieden stilvoll mit einem Kuss an all die Damen/Hater/Damenhasser da draußen. Over and Out, Ronnie, du verblendeter, kleiner Mann.


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      Themen: Epitaph, Musikvideo, Fallin in Reverse, Musikvideoanalyse, Refused

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