VICE-Adventskalendar

Die Hölle hat einen Namen und der lautet Mallorca

von Michael Kappler

Seitdem die Bibel nicht mehr das uneingeschränkte Maß aller Dinge ist, was die Regelung von unserem gesellschaftlichen Miteinander angeht, haben sich weltweit gleich mehrere Sodom & Gomorrah-artige Outlets gebildet, die eigentlich für jede Nationalität die richtigen Abartigkeiten bieten und meistens eben nicht vor der eigenen Haustüre, beziehungsweise in den eigenen vier Wänden, liegen. Was Deutschland und den eher einfach gestrickten Teil seiner Bevölkerung angeht, heißt die Insel der Wahl nach wie vor Mallorca—auch wenn die Behörden mittlerweile auf die Ausuferungen der 90er Jahre reagiert und das Eimersaufen am Strand von El Arenal verboten haben, lassen sich die pfiffigen Ingenieurssöhne aus Teutonia den Spaß nicht verderben—sie saufen jetzt einfach aus Gießkannen.

Ich hatte das unglaubliche Glück, die Eröffnung der sogenannten Partysaison auf Mallorca live mitzuerleben und konnte so erstmals die niedersten Instinkte des Deutschtums in Aktion erleben, ohne selbst Teil des Mobs sein zu müssen. Dabei sind haufenweise Eindrücke zu Tage gefördert worden, die man als einigermaßen nüchterne Person wirklich nur schwer ertragen kann. Ich bin der absolut Letzte, der hemmungsloses Saufen an sich verurteilen würde, in der Kombination mit konstanter Geilheit, latentem Schwachsinn und rigoros unterdrücktem Schamgefühl wird daraus ein wahres Fest für alle, die offensichtlich den Rest des Jahres derart große Identitätsprobleme haben, dass sie ihren Jahresurlaub auf Mallorca im Epizentrum der deutschen Unmoral verbringen.

Was man—wenn man live dabei ist—ungefähr fünf Minuten lang witzig findet, wird hier ganz schnell zu einer sehr miesen Vision dessen, „(...) was die ganze Welt an einem Freitagabend machen würde, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten.“

 

Hier könnt ihr lesen, was für eine Tortur unser letzter Urlaub auf Malle war.

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