Die Realität rumänischer Wohnsiedlungen

von Ioana Moldovan

In einem Versuch, Wohnung für die Minen-, Industrie- und Feldarbeiter bereitzustellen, wurden in Rumänien während des Kommunismus überall eine Menge Wohngebiete gebaut. Als jedoch die Revolution kam und der Kapitalismus mit Versprechen einer besseren Welt ins Land schwappte, wurden die Gebäude vergessen und verfielen. Obwohl sich niemand mehr um die Wohnungen kümmerte, hatten viele Leute, die überzeugt oder gezwungen worden waren, in der Gegend zu arbeiten, keine andere Möglichkeit, als dort zu bleiben, trotz der rauen Bedingungen.

Ich bekam die Idee für diese Fotoreihe, als ich Mija in der Nähe von Ploiești besuchte. Also fragte ich ein bisschen herum und fand heraus, dass Orte wie diese noch immer überall im Land existierten. Es war mir nicht möglich, alle zu erfassen, aber zu denen, die besuchen konnte, gehören die Siedlungen in Aninoasa, Lonea, Petrila, Găești, Anina, Horea im Baia-Mare-Bezirk und Altân Tepe.

Schließlich richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die Kinder in diesen Blocks. Ich bin kein großer Fan von Kindern—sie sind hauptsächlich unglaublich nervig und stellen einfach viel zu viele Fragen—, aber der Mut, die Großzügigkeit und die Verbundenheit der Kinder, die in den Gebäuden lebten, beeindruckten mich. Mal ehrlich, es gibt wahrscheinlich wenig depressivere Orte als diese bröckelnden, rumänischen Wohnblöcke, aber die Bewohner boten mir die wenigen Süßigkeiten an, die sie besaßen, wir umarmten uns, hielten uns an den Händen und pflückten zusammen Feldblumen. Sie waren gut drauf, trotz all der Widrigkeiten, denen sie jeden Tag gegenübertreten mussten: Der Mangel an Trinkwasser, Heizproblemen und der Tatsache, dass sie täglich weite Strecken zurücklegen mussten, um die Schule zu besuchen.

Nachdem die Jobs, wegen denen sie einst hergezogen waren, verschwanden, wurden die meisten Erwachsenen in den Siedlungen arbeitslos. Es wurde keine neuen Jobs geschaffen und ein neues Handwerk zu lernen, ist nicht gerade das Einfachste, wenn man seine gesamte Berufskarriere einer bestimmten Sache gewidmet hat. Mich zu verabschieden, war ziemlich hart, deswegen dachte ich, dass ich wenigstens die Realität ihres Alltags zeigen kann.

Kommentieren