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Ein Ausflug nach Libyen: Bengasi

von VICE STAFF

Bengasi, Libyen - Mein Freund, der im Irak und Afghanistan gearbeitet hat bevor er nach Libyen kam, flippte völlig aus, als wir an diesem Morgen nach Bengasi aufbrachen. Seine Augen wurden riesig und er war super gereizt. Er dachte, das alles sei total "irrsinnig". Er polterte nach draußen um den Fahrer, der vor dem Hotel rumhing, im Preis runter zu handeln. Eine ältere Journalistin, mit der wir gereist waren, war währendessen sehr gelassen und wir folgten deshalb einfach ihren weisen Ratschlägen. Schließlich sicherten wir uns eine Fahrt nach Bengasi und teilten uns auf eine Eskorte aus einem Pick-up, einem Transporter voller Libyer und einem Griechen mit einem Auto auf.

"Das wäre eine großartige Gelegenheit, um Journalisten zu kidnappen", sagte mein Freund, als er zu dem Pick-Up ging. Ich sprang in den Transporter zu den Libyern.

Als wir die Türen zu dem Transporter schlossen, hatte ich plötzlich wieder dieses Gefühl. Dieses Gefühl, dass man während der langsamen Fahrt zum höchsten Punkt der Achterbahn hat - alles klappert, während du in Zeitlupe dem Himmel entgegen rollst. Ich schloss meine Augen und sah nicht nach unten.

Khealad, unser Fahrer, sprühte Luft-Erfrischer in den Wagen. Er lachte und sprühte es sich dann in die Nase. Er sprühte es auf seine Hände bevor er es um seinen Mund verteilte. Die Reifen des Wagens quietschten um jede Ecke, während Khealad lachte und ein Loblied auf Sarkozy sang.

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Wir fuhren über eine große Brücke, vorbei an einer Schlucht, von wo aus wir raus auf's Meer sehen konnten. Wir erwischten beinahe einen durch die Straßen stolpernden Hund. Wir fuhren an zusammengeknäuelten, toten Tieren vorbei, die mitten auf der Straße und an den Straßenrändern lagen. Die Hunde hier sind auch einfach Idioten - sie schlafen auf dem heißen Asphalt.

Auf dem Weg erfuhren wir, dass Ajdabaya über Nacht von den Rebellen eingenommen worden war. Die ältere Journalistin und ich ließen unser Zeug im nächstbesten Hotel in Bengasi zurück, um direkt hinzufahren. Es war schon früher Abend und die Show war bereits vor einer Weile vorbei. Die Stadt war schon von loyalen Anhängern des Regimes gesäubert worden. Genau wie die Straße auf der wir fuhren und die sich noch  weitere 40 km weit hinzog. Wir fuhren hinter Autos voller Familien und kleinen Mädchen, die uns aus ihren Trucks das "V" (für Victory) signalisierten. Wir passierten ausgebrannte Autos und Panzer. Männer sprangen auf ihnen herum und posierten triumphierend mit ihren AK47s. Dieser Ort war wie Disneyland für Revolutions-Enthusiasten, und ohne all die toten Körper hätte es beinahe schön wirken können.

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Ein Panzer brannte in der Nähe der westlichen Tore von Ajdabaya. Uniformen und Kleidung (inklusive einem Set sauberer Unterwäsche) waren überall um die ausgebrannte Hülle verteilt, genau neben dem tiefen Krater, dort wo die Bombe eingeschlagen war. Jemand durchsuchte eine zurückgelassene Jacke und fand fand Drogen in einer der Taschen. Auf dem Rückweg lief einer der Rebellen vor einem Checkpoint entlang und hielt eine Wasserpfeife in der Hand. Er behauptete, er hätte sie gefunden als die Gaddafi-Anhänger nach sechs Nächten voller Luftangriffe abgezogen sind.

Dieses feierliche Freuden-Geballer aus den Gewehren war inzwischen auch äußerst nervtötend geworden. Es tat in meinen Ohren weh. Typen, die überhaupt keine Ahnung hatten wie man eine Waffe hält, entluden und verfeuerten sie extatisch - ich wollte eigentlich kurz anmerken, dass diese  Kugeln auch irgendwann wieder runter auf die Erde fallen - und, dass sie möglicherweise in Zukunft noch gebraucht werden könnten. Wenn ich an die verschwendete Munition denke,  höre ich immer noch die dumpfen Aufschläge direkt neben mir. Ich konnte sie in meinen Beinen fühlen. Der Himmel war geschmückt mit Leuchtspurgeschossen - und es war irgendwie alles  ein etwas zu großer Spaß.

Text und Fotos: Jeremy Relph

 

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