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Ein Ausflug nach Libyen: Die Grenze
Tobruk, Libyen - Auf der anderen Seite der Grenze waren die Ägypter mehr als froh uns an diesem entspannten Nachmittag in Richtung Libyen ziehen zu lassen.
Denn viele ausländische Arbeiter hingen in der Warteschleife um wieder ins Land zu kommen - sie leben in einer Art Schwebezustand. Ohne Geld, um in ihre jeweiligen Länder zurückzukehren, bevölkerten sie die Parkplätze um die mit Koffern und Decken zugemüllte Abfertigungsghalle. Ein Junge stand neben uns und spielte mit einem Golfball, während sich ägyptische Zollbeamte unsere Pässe ansahen. Mit unserem Gepäck liefen wir durchs Niemandsland zwischen dem libyschen Checkpoint und der Abfertigungshalle.
"Presseausweis, Presseausweis", rief der libysche Grenzbeamte. Augenblicklich schob ich meine Auftragserklärung über den Schreibtisch. "Presseausweis", sagte er noch mal. Es schien, als wäre es das einzige, was er auf Englisch sagen konnte. Wachmänner lieben nämlich Plastik mit dem Aufdruck "Presse". Mein beschissener Freund hatte einen - aber ich hatte vergessen mir einen machen zu lassen. Ein Brief vom Redakteur, besonders wenn er auf Englisch verfasst ist, ist leider nicht besonders hilfreich.
"Kein Presseausweis!", sagte der Wachmann und schüttelte den Kopf. Er schrieb die Daten von meinem Pass - fehlerhaft - in sein Logbuch und gab mir den Brief zurück. "Nein", sagte er und schüttelte traurig den Kopf.
Ich hätte froh sein sollen. ("Oh nein, ich darf nicht in's Kriegsgebiet!") Aber es wäre richtig scheiße gewesen, den ganzen Weg her zu fahren, nur um zu hören, dass ich direkt wieder umdrehen muss. Ich stand da, gestikulierte mit dem Brief und mir war klar, wie dumm ich gewesen war. Ich habe einen Presseausweis auf meinem Computer gespeichert. Wie konnte ich das vergessen!?
In dem Moment mischte sich ein Mann mit Bart ein. "Kein Presseausweis?", fragte er auf Englisch.
Ich zeigte auf den Brief. Ich kam mir so bescheuert vor. "Nur das."
Er wechselte mit dem Beamten ein paar Worte auf arabisch. "Bist du der Produzent?", fragte er, und deutete auf meinen Freund. "Äh, ich mache Fotos und schreibe", sagte ich und merkte, dass ich seiner Vermutung nicht hätte widersprechen sollen. "Ja doch, ich meinte ja, ich bin der Produzent."
Nach ein paar klärenden Worten von dem Mann, der mit einem großen Sender unterwegs war, wurde ich in Libyen willkommengeheißen. Ein Typ vor dem Büro trug eine Libyen-Flagge als Cape über seinem Trenchcoat. Wir waren in Libyen.
Trotz einer Flut ausführlicher organisatorischer Emails, tauchte der bestellte Fahrer nicht auf. Stattdessen ergab sich glücklicherweise eine andere Mitfahrgelegenheit nach Tobruk. Wir passierten Dörfer voller Gaddafi-Sympathisanten. Ich bemerkte viele durchgestrichene Anti-Gaddafi-Graffittis. Wir fuhren durch Wüstengestrüpp, Dreck, Buschland und Müll. Mir fiel direkt auf, dass Libyens Straßen sehr gleichmäßig und eben waren. Die beruhigenden Bewegung des Autos ließ mein Gesicht kribbeln und ich schlief innerhalb weniger Minuten ein.
Als ich aufgewacht war, waren wir in einem leeren Vier-Sterne-Hotel mit Blick auf's Mitelmeer angekommen. Das Internet funktionierte nicht, und dieser nichtssagende Ort - der Wind pfiff um die Fenster und die Klimaanlage summte durch die Decke, langweilte und beruhigte mich. Handys funktionierten nicht - und Satellitentelefone nur unzuverlässig. Aber das Kabelfernsehen lief, und Al-Jazeera und BBC ließen Benghazi aussehen wie eine große Party. Der Lärm der auf Demonstranten abgefeuerten Waffen hallte über's Wasser.
Fotos & Text: JEREMY RELPH





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