Ein Ende dem Tabu: Muschipupsen ist der neue Analsex

von Mimi Erhardt


Illustration: Niklas Sagebiel

Das gesellschaftliche Verhältnis zu Frauenkörpern ist ein ambivalentes. Alles, was rund ist an uns, gefällt gemeinhin. Arsch, Brüste, manchmal auch der Kopf, sofern der denn apart ist. Und die schönsten aller weiblichen Rundungen, unsere Löcher. Ja, die kommen auch gut. Mundschlund, Pussyschlund, Arschlochschlund.

Viele Männer mögen es, uns Sachen in die Löcher zu stecken, in alle drei am liebsten. Ihre Schwänze, Vibratoren, Plugs mit Polyester-Ponytails, Blockflöten, Finger, Fäuste, Bierflaschen, manche sogar tiefgefrorene Speisefische. Wenn wir den Spaß mitmachen, nennt ihr uns eure geilen Dreilochstuten, nickt anerkennend und manchmal macht ihr uns sogar Geschenke.

Halten wir also fest: Alles, was in so einen Frauenlochkörper reingeht—überhaupt die Reinsteckfunktion—ist der Shit.

Alles, was rauskommt, ist scheiße.

Und dabei spreche ich nicht von den Ausscheidungen in physisch erlebbarer Form. Fäkalien sind ja inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ich spreche vom Furzen. Vom Rülpsen. Fähigkeiten, deren genussvolle Ausführung wir oft lernen müssen. Weil Mädchen ja nicht stinken und statt einer Anusöffnung einen kleinen, rosa Cupcake zwischen den Arschbacken tragen, aus dem erdbeerduftiger Glitzer rieselt, aber niemals ekliges Gas strömt. Und ich rede vom Unaussprechlichen.

Von Muschipupsen. Flatus Vaginalis. Von Scheidenwinden. Queefen. Pussyfartin’.

Jedes Mädchen kennt die Situation: Ein verschwitztes Stelldichein, du auf allen Vieren mit durchgedrücktem Rücken vor ihm, keuchend, lippenbeißend, seine Hand in deinen Haaren, sein harter, wundervoller Schwanz in deiner Möse, er steckt dir … 

Plllfft. 

OMG. Ignorieren, weitermachen … plllffff ... Verdammt, denkst du und schämst dich, versuchst durch Gedankenkontrolle das, was gerade aus dir rausge-pfllt-et ist, in deinen Unterkörper zurückzusaugen, kicherst blöde, er auch, eure Fickgeräte schrumpeln in sich zusammen, Sache gelaufen.

Das muss nicht sein. Aufmerksame Comedy-Central-Zuschauerinnen wissen spätestens seit der Southpark-Folge „Eat, Pray, Queef“: Queefen ist unser Freund, nicht unser Feind. Nicht der liebste BFF, mehr so eine Art alter Homie. Ein hässlicher und uncooler Horst, der aber mit seinem trockenen Humor alles wieder raushaut. So ist das auch mit vaginaler Flatulenz. Wobei diese Umschreibung gar nicht korrekt ist. Muschifürze stinken nämlich nicht. Sie sind rein und fluffig wie der erste Frühlingsmorgen und nicht zu vergleichen mit Arschfürzen, bei denen übelriechende Faulgase deinem Allerwertesten entweichen. Schließlich strömt bei einem Queef nur gute Luft aus dir, Luft von außen, die entweder ein Penis oder eine Hand oder ein Spielzeug in dich hineingepumpt hat. Wenn du nun die Stellung wechselst, oder der Typ seinen Schwanz hektisch aus dir rauszieht, wird der Eingang deiner Liebesgrotte zu einer Art Ventil, das die Pumpluft entweichen lässt. Das klingt dann wie ein Furz, ist aber genau genommen ein Muschirülpser.

Wenn’s trotzdem stinkt, lautet mein Tipp: Waschen, meine Gute.

Der Sound kann wie bei einem echten Furz variieren. Von einem sanften „Fffffffft“ bis zu einem verspielten „Flapflapffflapp”, das klingt, als würden deine Pussylefzen wild umher flattern—deine Vagina ist ein Klangwunder. Sei stolz auf sie!

Was aber, wenn dir das geräuschvolle Eigenleben deines Geschlechtsorgans trotz meiner liebevollen Aufklärung immer noch peinlich ist? Dann könntest du folgende Möglichkeiten zur Vermeidung oder, wenn’s doch passiert ist, Schadensbegrenzung ausprobieren:

1. Sex nur noch ohne Reinstecken.

2. Gebumst wird gar nicht mehr.

3. Dreh die Musik bis zum Anschlag auf.

4. Stöhne, bis ihm die Ohren abfallen.

5. Kombiniere Punkt 3 und 4.

6. Wenn du gequeeft hast, schiebe die Schuld auf andere. Bedenke deinen Fuckbuddy mit einem bösen Blick und sage möglichst empört und angewidert: „Na schönen Dank, du Sau.“

7. Benutze Gleitgel. Soll angeblich durch das Plus an Feuchtigkeit helfen. Wenn du genug davon benutzt, werden die Glitschgeräusche definitiv alles andere übertönen. Super!

8. Slo-Mo-Ficken. Durch weniger Druck wird weniger Luft in die Pussy gepumpt. Weniger Luft also, die wieder aus dir raus muss. Nette Möglichkeit für Menschen, die statt „Ficken“ „Liebe machen“ sagen. Für wilde Tiere aber, deren Libido beim Anblick einer offenen Hose die Kontrolle über sämtliche Hirnfunktionen übernimmt, nur bedingt zu empfehlen. Die Alternative für harte Ficker: Lass ihn zwischendurch seinen Schwanz rausziehen, langsam natürlich: So kann Pussy unauffällig durchatmen.

9. Schick deinen Beckenboden ins Traininglager. Mit Beckenbodengymnastik kannst du deine Muschimuskeln kräftigen, und das soll angeblich bei der Vermeidung von Queefs helfen. Weiß nicht, ob’s stimmt, stand aber auf Bravo.de.

10. Vermeide Positionen, bei denen dein Becken höher als dein Oberkörper liegt. Heißt konkret: Sage „Nein“ zum Doggy-Style. Wenn du DAS übers Herz bringst, nur um ein doofes Muschirülpsgeräusch zu unterdrücken, wette ich allerdings, dass du mindestens innerlich tot bist.

Mädchen mit Eiern oder genügend Selbstironie wehren sich jedoch nicht gegen das, was da so aus ihnen rausbläst. Würde es drin bleiben, müsstest du schließlich eines Tages platzen. Setz dir lieber neue Ziele, anstatt blöde zu lamentieren: Trainiere, es auf Kommando zu tun! Suche Männer, die darauf stehen, wenn du ihnen in den Mund muschi-furzt! Lerne, Alice Coopers „Poison“ zu queefen. Oder drehe Queef-Pornos! Funktioniert tatsächlich, wie das Beispiel von Kanye Wests Ex Amber Rose zeigt, die vor ihrer Liaison mit West als „Amber the Lesbian Queefer“ respektable Porn-Erfolge feierte.

Vor allem aber: Entspann dich. Und mach es wie die Asiaten: Bei denen ist Rülpsen bei Tisch ein Kompliment an den Gastgeber. Von heute an ist jeder deiner Pussyrülpser ein Lob mit Sternchen an den Stecher, der gerade seinen Schwanz in dir versenkt.

 


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