Reisen
Ein Nachmittag im Erdhörnchen-Museum
Am Arsch der Welt in Calgary gibt es einen kleinen dunklen Raum, der mit ausgestopften Erdhörnchen gefüllt ist. 71, um genau zu sein—umgebracht, ausgestopft, dann angezogen und in 44 kleinen Szenen arrangiert. Ein Clown, der an Pennywise erinnert, mit roter Nase und Rüschenkragen hält Ballons in seinen pelzigen Pfoten. Sandra D., im Pudelrock, starrt im Mondschein in die kalten, starren Augen von Danny. Ein lutheranischer Prediger tritt auf die Kanzel, während der Chorknabe schläft und Nagetier-Engel über seinem Kopf kreisen. Das ist das „weltbekannte" Torrington Erdhörnchen-Museum und ich wollte schon immer mal dahin.
Ich habe schon vor ein paar Jahren davon gehört, aber wie du dir vielleicht vorstellen kannst, ist es einer dieser Orte, wo es ziemlich schwer ist, jemanden zu finden, der dich hin begleitet. Als ich also dieses Jahr Geburtstag hatte, habe ich meine Schwester und ihre Familie gezwungen, mich als Geschenk dorthin zu begleiten. Zufällig waren ihre Schwiegereltern an dem Wochenende auch in der Stadt und wurden deshalb mitgeschleppt. Es war lustig, ihnen zu erklären wo wir hingehen: „Ein Raum voll mit was?" ... „Warum will man sich sowas anschauen?" ... Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich ihnen das beantworten könnte. Aber ich wollte einfach hin.
Nach einer zweistündigen Autofahrt durch die Prärie (man fährt an Driedmeat Lake vorbei. Im Ernst.) kamen wir in Torrington an, 681 Einwohner. Das Museum war ziemlich leicht zu finden. Hauptsächlich, weil die Stadt insgesamt vier Straßen hat (nicht so einfach sich zu verlaufen), aber auch wegen der vier Meter hohen Erdhörnchen-Statue, die den Weg zeigt. (Zufälligerweise waren alle Hydranten wie seine Artgenossen angemalt.)
Jeder von uns musste $2 Eintritt zahlen. Mein 18 Monate alter Neffe fing sofort an zu weinen, nachdem wir drin waren. Im Rückblick war es vermutlich nicht gerade der coolste Platz für ihn (wenn er irgendwann ein Haar-Schnüffler wird oder gerne andere eincremt, werde ich mich ganz schön schuldig fühlen). Der Raum war in etwa so groß wie eine Garage, alle Vorhänge waren zu und die Schuhkarton großen Austellungsboxen waren erleuchtet um unseren Erdmännchen-Voyeurismus zu befriedigen. Die Schwiegereltern brauchten etwa zwei Minuten, um alles anzusehen und dann mit gerümpften Nasen und einem merkwürdigen Lächeln, was vermutlich bedeutete, dass sie mich nie wieder mit den gleichen Augen sehen würden, den Raum zu verlassen. Um die Wahrheit zu sagen, ich habe auch nicht solange gebraucht, um durch das Ding zu laufen, aber ich dachte mir, wenn wir soweit gefahren sind, dann schau ich es mir zweimal an. Der Clown war mein Liebling und bei weitem der Unheimlichste. Er hat mich auch dazu gebracht zu überlegen, wer sich diese ganze Sache ausgedacht hatte. Ich stellte mir einen schwer atmenden Typen mit dicken Brillengläsern und Glatze vor, über die er seine restlichen Haare gekämmt hatte, der uns durch die Schlitze im Dielenboden dabei beobachtete, wie wir sie ansahen ...
Die süße weißhaarige Dame, die ehrenamtlich die Kasse machte, erzählte eine viel langweiligere Geschichte über Tourismus und wie die Erdhörnchen die Farmen zerstörten undddd.... ups, bin auf der Tastatur eingeschlafen. Als wir gingen, kam grade eine neue Gruppe mit einem osteuropäischen Akzent. Mir fiel noch eine Karte mit Nadeln auf, die auf der ganzen Welt verteil waren.
Ich weiß immer noch nicht, warum ich dort hin wollte, aber ich habe an dem Tag eine ganze Menge über Liebe gelernt.








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