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Ethnische Säuberungen in England

von Henry Langston

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In den 1960ern kauften rumänische Zigeuner und Mitglieder des irischen fahrenden Volks ein Stück Land in der Nähe von Wickford in Essex, einer kleinen Stadt 50 Kilometer östlich von London. Damals war dieses Land völlig hinüber. Ein verlassener Schrottplatz neben einer Halde mit stillgelegten und rostigen Fahrzeugen des Verteidigungsministeriums, aus denen giftige Batteriesäure tropfte. Heute leben mehr Zigeuner und Fahrende auf der Dale Farm als irgendwo sonst in Großbritannien. Die etwa 1000 Zigeuner aus Wickford sind sesshaft, aber der Hälfte von ihnen wurde grade gesagt, sie sollen sich schleunigst aus dem Staub machen. Der Bezirk plant, die Räumung mit 18 Millionen Pfund aus Steuergeldern zu finanzieren.

Der Streitfall dreht sich um ein anderes Grundstück neben der Dale Farm, einem kleinen Grünstrich, den die Zigeunerfamilien vom Bezirk Basildon vor etwa zehn Jahren gekauft haben. Im Grunde streiten beide Seiten um eine Toilettenanlage, die ohne Baugenehmigung aufgestellt worden ist. Eigentlich ist jeder Streit über Toiletten langweilig, aber in Anbetracht dessen, dass bald eine Bande von Gerichtsvollziehern und Polizisten über die Dale Farm herüberziehen und versuchen wird, 90 wütende Zigeunerfamilien aus ihren Häusern zu vertreiben, machte ich mich auf den Weg dorthin und wollte mal sehen, das da los ist.

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Die Barrikaden, die die Vagabunden um ihr Land gebaut haben, sind mit bunten Bannern verziert, auf denen Sprüche wie „WIR BLEIBEN HIER“, „WIR <3 DALE FARM“ und „KEINE ETHNISCHE SÄUBERUNG“ stehen. „Ethnische Säuberung” klingt vielleicht etwas hart—der Bezirk Basildon hat bisher keine Pläne über Tötungen öffentlich gemacht—aber wen interessiert das? Während die Verantwortlichen die Vagabunden aus dem Teil des Grünstreifens vertreiben wollen, verkaufen sie gleichzeitig mehr davon an reiche Investoren. Man muss nicht in einem Bauwagen leben, um zu sehen, dass das scheiße ist.

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Der Einspruch gegen die Räumung von den Menschen der Dale Farm wurde am 31. August abgelehnt. Zur Zeit ist der Einmarsch der Gerichtsvollzieher für den 19. September geplant. Aber zum Glück ist dieser Zustand nicht unentdeckt geblieben. Als ich ankam, erhielt ich eine Tour durch den „illegalen“ Teil der Siedlung von einem Typen namens Jake, der aus Solidarität gegenüber den Zigeunern hierher gezogen ist, um mit ihnen zu protestieren. Sie leben in Zelten auf dem Gelände und Jake erzählte mir, wie sie den Zigeunern helfen, Anträge auf Obdachlosigkeit auszufüllen und Barrikaden aus alten Reifen und Stacheldraht zu errichten, um Gerichtsvollzieher draußen zu behalten. In jeder Ecke des Geländes sind Wachtürme, durchgehend bemannt mit den solidarischen Arbeitern. Die Jungs von der Solidaritätsgemeinschaft waren es auch, die diese schicken Komposttoiletten aufgestellt haben.

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Die Zigeuner und die Mitglieder des fahrenden Volks sind sich durchaus bewusst darüber, was Außenstehende von ihnen denken, daher sind einige Areale des Camps absolute Sperrzone (Der Daily Mail-Journalist, mit dem ich die Tour machte, schien darüber nicht sehr glücklich). Die Boulevardpresse hat die Dale Farm als feindseligen Ort abgestempelt, aber da müssen sie wohl in einem anderen gigantisches Zigeunerlager gewesen sein. Die Stimmung ist ein wenig angespannt, aber es ist kein bisschen so, wie der Taxifahrer auf dem Weg hier hin angedeutet hat, als er von seiner Entführung durch sieben Typen in seinem eigenen Wagen erzählt hat, als er während einer Zigeunerhochzeit durch das Lager fuhr. Er sagte außerdem, die britische Telekom würde sich ohne Polizeieskorte nicht mal nähern und dass die Gemeinschaft den Rest der Nachbarschaft schon Jahre lang terrorisiert. Aber bei der öffentlichen Demo später am gleichen Tag durch Basildon stellt sich heraus, dass die Einwohner die Dale Farm sogar mit Reden unterstützen.

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Dabei erklärte jemand, dass der Schrottplatz, bevor die Zigeuner da waren, von hiesigen Banden als Versteck für Drogen und Waffen benutzt worden war. Ein anderer sagte, dass die Jugendlichen aus den umliegenden Ländereien für mehr Probleme sorgen als das fahrende Volk. Als eine Frau aus dieser Gemeinschaft an der Reihe war, erklärte sie, dass sie nicht die Warteliste für soziale Wohnungen überspringen wollen, wenn bereits 6000 Menschen in der Gegend auf eine warten. Nicht, dass die Verwaltung ihnen so viel anbieten würde: Bisher wurden 20 der 90 Familien eine Wohnung gezeigt, dieselbe. Und es war eher ein möbliertes Zimmer. Die Gerichtsvollzieher sollen demnächst kommen.

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Eine Frau namens Cathleen, eine der Ältesten im Camp, erzählte der Menge, dass die Zigeuner sowieso nicht in Häusern wohnen wollen. Sie sagte, sie seien stolz auf ihre Traditionen und sollten das Recht haben, in Bauwagen zu leben, wenn sie das wollen.

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Als die Demo sich langsam auflöste, wurde ich zu einer weiteren am nächsten Samstag eingeladen, einem viel größeren Demonstrationsmarsch. Um 13 Uhr versammelten sich Leute aus dem fahrenden Volk, aus der Umgebung und solidarische Aktivisten und marschierten durch die Stadt, vom Wickford Bahnhof bis zur Dale Farm, flankiert von der Polizei, und riefen „Hey! Ho! Tony Ball has to go!“

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Tony Ball ist der Vorsitzende des Gemeinderats. Als ich Cathleen fragte, was sie zu ihm sagen würde, wenn er hier beim Marsch wäre, sagte sie: „Ich würde ihn fragen, ob er gerne mal mit mir tauschen würde. Ob es ihm gefallen würde, wenn Menschen des fahrenden Volks an seine Haustür klopfen und ihn auf die Strasse schmeißen, um in einem Wohnwagen zu leben mit begrenzter Elektrizität, schlechten Sanitäranlagen und manchmal ganz ohne Wasser. Ich würde gerne sehen, ob er uns dann immer noch räumen lassen will.“

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Es dauerte etwa eine Stunde, bis wir die Dale Farm erreichten. Auf dem Weg machten wir Halt bei der örtlichen Grundschule, die schließen müsste, wenn die Vagabundenfamilien abhauen müssten, da ihre Klassen voll mit Zigeunerkindern sind. Dieser komisch aussehende Abgeordnete des Europaparlaments ist Richard Howitt und er hielt ein paar Kinder hoch und posierte für die Medien. Später hielt er eine Rede, genauso wie Repräsentanten von antifaschistischen Gruppen, Amnesty International und der Zigeunervereinigung von Großbritannien.

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Die Reden heizten die Stimmung an, aber als ich zu Mitgliedern des fahrenden Volkes blickte, erschienen sie mir traurig und erschöpft. Ich schätze, viele von ihnen kennen solche Situationen. Egal wie groß der Marsch war und wie gut darüber berichtet wurde, die Gerichtsvollzieher würden trotzdem am 19. kommen und sie von ihrem Land vertreiben. Letztlich ist diese Woche nur die Ruhe vor dem Sturm und der wird mit Sicherheit über die Zigeuner hereinbrechen, wenn sie sich gegen die Vollzugsbeamten wehren. Die Leute von der Solidaritätskampagne sagten, dass sie gewaltfreien, aber direkten Widerstand gegen die Räumung leisten werden, aber einige der Bewohner wollen ihr Zuhause mit allen nötigen Mitteln verteidigen. Einige würden sogar lieber ihren Bauwagen abfackeln, als ihn den Bulldozern zu überlassen. Auf dem Papier scheinen die Zigeuner kaum eine Chance zu haben, aber wenn ich ein Gerichtsvollzieher wäre, würde ich eine dicke Sonderprämie verlangen, bevor ich überhaupt über den Versuch nachdenken würde, diesen Ort zu räumen.

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