Musik

Fast schon schwiegersohntauglich – Sido und sein neues Album

von VICE STAFF

Ein relativ junges Instrument der Albumpromotion ist die Listening Session. Man wird von der Plattenfirma in einen Raum mit anderen Journalisten gesetzt und darf sich dort das Album anhören.

Der Vorteil für die Plattenfirma ist die Tatsache, dass die Journalisten das Album auf diese Weise vor Veröffentlichung nicht mehr raubkopieren, sharen oder verkaufen können oder was auch immer sie sonst normalerweise mit Promocopies anstellen. Der Vorteil für den Journalisten ist ... es gibt keinen. Oder halt, der Journalist kommt mal aus seinem Büro raus und atmet etwas frische Luft. Und manchmal ist der Künstler, um den es geht, zufällig zur gleichen Zeit im Gebäude der Plattenfirma und man kann ihm direkt ein paar Fragen stellen. Eigentlich ja doch gar nicht so blöd, so eine Listening Session. Wir waren gestern bei Universal und haben uns das neue Sido-Album angehört. Es ist im Prinzip ein klassisches Sido-Album. Nicht mehr ganz so zotig vielleicht, nicht mehr ganz so voller Gossendreck, aber immerhin geht es unter anderem um Amokläufe, um Suizid und darum, auf die Tanzfläche zu kacken. Zu sagen, Sido sei jetzt erwachsen, ist also vielleicht doch ein wenig übertrieben. Warum er dieses Album trotzdem als Neubeginn begreift, haben wir ihn gleich im Anschluss daran gefragt. Er lüftete anschließend sogar das Wahlgeheimnis, erzählte ein paar Anekdoten vom Popstars-Set und verriet uns, was es am Tag zuvor zu essen gab. Wenn das nicht investigativ ist, dann weiß ich auch nicht ...

Vice: Du sperrst im Intro des neuen Albums den Masken-Sido ein und sprichst von einem Neubeginn. Wie sieht der genau aus?

Sido: Ohne Aggro Berlin, ohne Maske, mit Universal und die Trilogie ist vorbei. Also allein die Tatsache, dass die Trilogie beendet ist, ist ja schon mal ein Grund für einen Neubeginn. Dann gibt es diesen glücklichen Zufall, dass es Aggro Berlin nicht mehr gibt.

Ist das tatsächlich ein glücklicher Zufall?

Nein. Das meine ich mit einem zwinkernden Auge. Also Trilogie vorbei, Aggro vorbei, ich bin jetzt bei Universal. Alles ist neu. Wäre ich jetzt noch bei Aggro, hätte ich ein großes Problem, ich wüsste nicht, wie ich bestimmte Sachen neu oder anders machen könnte. Es hätte ja noch in diese Aggro-Berlin-Schiene passen müssen, aber es hätte dann mir nicht mehr so gut gepasst. Ich bin mittlerweile dreißig Jahre und die Sachen bei Aggro Berlin waren ja schon für eine jüngere Zielgruppe gedacht. Als ich bei Aggro Berlin unterschrieben habe, war mein Leben ein Haufen Scheiße und so haben sich auch meine Alben angehört. Ich will damit nicht sagen, dass sich meine Alben angehört haben wie ein Haufen Scheiße! (lacht) Aber ich will sagen, dass sich mein Leben in der Attitüde meiner Musik wieder gespiegelt hat.

Findest du denn, dass du tatsächlich ganz neue Wege mit diesem Album beschreitest, dass du Sachen darauf hast, die du vorher noch nie gemacht hast?

Mit dem Album? Äh ... nö. Das würde ja heißen ganz andere Beats zu nehmen. Es sind einfach ein paar neue Themen darauf, aber was soll man schon ganz krass neu machen, innerhalb von einem Jahr.

Das heißt, der Neubeginn hat nichts mit der Musik zu tun?

Genau. Das ist eher so eine persönliche Sache. Ich bin jetzt bei Universal, die Maske gibt's nicht mehr, ich hab Haare mittlerweile ...

Nach und nach schließen sämtliche relevanten Berliner HipHop-Labels und parallel dazu scheinen sich Künstler dieser Labels wieder zu mögen, die sich lange Zeit nicht gemocht haben. Ist das Zufall?

Ich glaube, dass Aggro Berlin viel bewegt hat, aber in beide Richtungen. Aggro Berlin hat viele Türen geöffnet, aber auch viele Türen zugemacht. Persönliche Türen wurden wohl eher zugemacht und Businesstüren wurden aufgemacht. Nachdem dieses Business-Ding durch war und jeder seinen Teil davon hatte oder eben auch nicht, und jeder dachte, ok, das reicht jetzt und früher war vielleicht doch alles interessanter, kommen wir auf die Idee, wieder ein Sekte-Album zu machen. Die alten Leute, die sich damals von uns lösten, weil wir bei Aggro waren, kommen auch wieder und hängen mit uns rum. Vielleicht hat Aggro wirklich so eine Mauer in die HipHop-Szene gezogen und wir waren auf der einen Seite und der Rest war auf der anderen, keine Ahnung ... Jeder hat sich dann so seine eigene Mauer gebaut. Aber ich hab mir darüber keinen Kopf gemacht, ich weiß nur, dass Aggro Berlin viele Freundschaften auf dem Gewissen hat.

War dir das während dieser Zeit bewusst?

Nein. Man hat das schon gemerkt, aber wir haben diesen elitären Film geschoben, ich war mir allerdings nie über das Ausmaß im Klaren. Uns war es zu dem Zeitpunkt einfach scheißegal, wir waren diese Gang und alles hat irgendwie funktioniert, alles was wir angefasst haben, hat funktioniert und wir dachten einfach, wer soll kommen?!

War es in dem Zusammenhang auch eine bewusste Entscheidung, auf dem neuen Album Szene-intern niemanden wirklich anzugehen?

Ich hab meine Alben eigentlich nie benutzt, um solche Leute zu dissen. Ich habe es als Instrument benutzt, Sachen zu klären. Wenn da mal ein Spruch über Azad drauf war, dann war der eher lustig als ein konkreter Diss. Auf dem nächsten Album war Azad dann auch drauf. Gedisst wird eher auf Features oder auf Sekte-Sachen. Da passt das auch besser, bei meinen Alben geht es um was anderes, das soll ja ein gutes Stück Musik sein und nicht für solchen Scheiß benutzt werden.

Aber du hast ja schon gern mal Seitenhiebe für Personen des öffentlichen Lebens auf deinen Alben, also Personen, mit denen du schon mal in irgendeiner Art zu tun hattest. Wie sahen da bislang die Reaktionen aus?

Die Leute sehen mich dann auf irgendeiner Party. Manche tun so als hätten sie es nicht gehört ... was ich nicht glaube. Und manche sagen mir einfach weiter ganz nett ‚Hallo!'

Es hat nie jemand ein Gespräch gesucht?

Also ich glaube, dass Detlef jetzt kommen wird. Bei ihm denke ich, dass er nicht so ein Weichei ist. Detlef fühlt sich garantiert persönlich angegriffen und er fühlt sich auch stark ... der wird kommen.

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A propos: du thematisierst im ersten Track des neuen Albums, dass du, was diese Popstars-Sache angeht, ziemlich desillusioniert wurdest. War dir denn nicht von vornherein klar, wie diese Sendung funktioniert und dass es letztendlich nicht um die Künstler, sondern das Sendeformat geht?

Im Großen und Ganzen wusste ich, wie das dort funktioniert. Auf der anderen Seite dachte ich mir, es werden dort Individuen gesucht, Leute, die was drauf haben und ich ging davon aus, dass man eine Band sucht, auf die man dann am Ende auch stolz sein kann. Ich dachte, man schiebt Abturn, wenn die Band dann nicht funktioniert und man steckt da jede Menge Herzblut rein. Ich dachte, man macht es dort tatsächlich wegen der Musik. Deswegen habe ich dort mitgemacht. Ich wurde dann aber sehr schnell eines besseren belehrt.

Wie schnell genau?

Das ging schon in den Castings los. Es ist schon so, dass jedes Jury-Mitglied eine Stimme hat. Dann hat aber Pro7 noch zwei Stimmen und die Produktionsfirma hat zwei Stimmen. Damit ist die Jury schon mal überstimmt. Vier zu drei. Dann hatten die da so eine Ampel im Rücken der Kandidaten, die da auf dem Stern standen. Und die zeigte entweder rot oder grün. Rot war für ‚Den auf keinen Fall' und grün war für ‚nehmt den, nehmt den!' Und dann kommt da zum Beispiel irgendein Typ, der nicht singen kann, aber die Ampel war auf grün und wir mussten uns dann irgendeinen Scheiß einfallen lassen. Ich hab immer (macht ein Furzgeräusch) gemacht, damit dann wenigstens ein Witz dabei rumkommt, aber die haben die Leute halt immer weiter gelassen und am Ende findest du dann raus, die haben die Leute weiter gelassen, weil der Vater Krebs hat oder so was. Die kommen dann da hin und fragen, was ist in deinem Leben so los und pipapo und dann kommt raus, dass der Vater Krebs hat und dann ist klar, der Typ kommt weiter. Dann heißt es so: mit dem Typen haben wir noch für zwei Folgen eine Geschichte. Danach können wir ihn ja dann rausschmeißen. Ich will auch mal klarstellen, die Leute bei Popstars haben auch nicht Sido den Musikfachmann gebraucht, sondern Sido, der ab und zu mal ein paar Leute beleidigen kann. Das wollten die von mir sehen.

Waren sie denn zufrieden mit dir?

Ich hab ja mit Absicht kaum jemanden beleidigt. Da war zum Beispiel dieses dicke Mädchen und sie sind in der Gruppe durch die Wüste gejoggt und sie konnte halt einfach nicht laufen. Die war hundert Meter hinter den anderen und wurde von den anderen ausgelacht. Die haben bestimmt von mir erwartet, dass ich sage: „Komm, renn mal jetzt, du fette Sau!" oder was auch immer, weißte?! Nee, ich bin hingejoggt, in meinen Latschen, Alter, und bin neben der gejoggt. Ich hab lieber so was gemacht als ihr Klischee zu bedienen.

Stehen denn irgendwelche anderen TV-Geschichten bei dir an?

Ich mache jetzt am Wochenende bei der Stockcar Crash Challenge mit und da freue ich mich so übertrieben drauf ...

Aber auch nicht zum ersten Mal, oder?

Doch, ich bin vorher schon im Wok mitgefahren, aber die Crash Challenge ist jetzt für mich das erste Mal ...

(mustert sich gründlich in der gegenüberliegenden Scheibe)

Sorry, ich guck mir nur an wie schön ich bin ...

Alles ok?

Naja, bisschen Bauch. Also, ich mache grundsätzlich nur, worauf ich wirklich Bock habe. Momentan sitzen mir die hier (Universal Anm. d. Red.) auch ganz schön im Nacken und sagen: du musst das machen, bitte mach das, bitte mach das. Aber ich kann trotzdem noch entscheiden, was ich mache und was nicht. So ist Popstars entstanden, so ist diese Scheiß Wok-WM entstanden, so ist ‚Sido geht wählen' entstanden, so entsteht jede Fernsehsendung, bei der ich mitmache - ich muss Bock drauf haben.

Stichwort ‚Sido geht wählen': jetzt mit dem Ergebnis der Wahl vor Augen, würdest du sagen, dass sich diese Aktion gelohnt hat?

Kann man ja so genau nicht sagen, es gibt ja keinen Vergleichswert. Es gibt ja nur die letzte Wahl als Vergleich. Und im Vergleich dazu war es natürlich Kacke. Aber kann ja sein, dass es ohne die Sendung noch weniger gewesen wäre.

Du sprichst von der Wahlbeteiligung ...

Genau. Da kann so eine Sendung wie meine, die 23 Uhr am Samstagabend vor der Wahl gesendet wird, sowieso nicht viel ausrichten, weil meine Zielgruppe zu dem Zeitpunkt sowieso nicht vor dem Fernseher sitzt. Aber die haben es aus Prestigegründen gemacht. Das musste aus deren Augen eben Samstagabend nach TV Total kommen. Die wollten mir wohl was Gutes tun damit, weißte, aber dem Zweck der Sendung hat es nicht gut getan.

Aber bist du denn mit dem Ergebnis zufrieden?

Ja, bin ich. Also ich bin nicht mit der Regierung zufrieden, aber schon mit dem Ergebnis. Ich habe auch ne Wette vorher abgeschlossen. Ich wusste, dass Schwarzgelb gewinnen wird.

Aber du bist nicht nur zufrieden, weil du so deine Wette gewonnen hast, sondern du kannst auch persönlich gut mit dem Wahlausgang leben ...

Ja, perfekt. Also eigentlich bin ich ein Gerhard Schröder-Wähler. Aber Gerhard Schröder stand nicht zur Wahl, und deswegen wusste ich, wenn ich SPD wähle, mache ich aus 20 Prozent bestenfalls 20,00000001 Prozent, also eigentlich ist es eine verschenkte Stimme. Mir war klar, an dem Abstand zwischen CDU und SPD wirst du nichts machen können. Ich wollte eine starke und aufmüpfige Opposition, das war mir wichtig. Deshalb bin ich wählen gegangen. Wenn ich mir vorher so eine Wahlkampfdebatte angeguckt habe, dann kamen die meisten Zwischenrufe und das stärkste Contra von der linken Seite. Also habe ich die Linken gewählt, erste und zweite Stimme links gewählt. Ich wollte, dass die Linken so viele Sitze wie möglich im Bundestag haben. Hätte man damit rechnen können, dass Lafontaine oder Gysi Bundeskanzler werden, dann wäre das eine ganz andere Nummer gewesen. Aber ich wollte die starke Opposition, deswegen kamen für mich nur die Linken in Frage. Ich weiß sowieso, dass die SPD nur noch Arschkriechen wird. Von den Grünen erwarte ich auch nicht mehr so viel. Die haben mittlerweile auch ihren Kampfgeist verloren. Und die einzigen, die noch diesen Appeal haben, wie die Grünen früher, sind die Linken. Ich will, dass jemand aufsteht und Ärger macht.

Hat denn deine Wahlentscheidung etwas mit deiner Ostvergangenheit zu tun, die du jetzt in der ersten Single zum Album thematisierst?

Nein. Wenn ich Ostlern sage, was ich gewählt habe, dann werde ich gehasst dafür. Die sagen dann: wie kannst du nur, die haben uns doch das alles eingebrockt ...

Warum kommt dieses Bekenntnis deiner Ostvergangenheit erst jetzt, warum war das so schwierig dazu zu stehen?

In der ersten Zeit im Westen war ich im Asylantenheim und hab ständig auf die Fresse gekriegt deswegen. Ich war auf alle Fälle immer der dumme Ostlerjunge. Und um mich zu behaupten, musste ich mit den Anderen in nen Aldi einbrechen als Zwölfjähriger und so weiter. Das war wirklich eine anstrengende Zeit. Irgendwann habe ich gedacht, ich erzähle es einfach keinem mehr. In der nächsten Schule, in der ich war - wir sind oft umgezogen - habe ich es einfach nicht mehr erzählt. Und irgendwann war ich mit Bobby zusammen, wir kamen dann auf die glorreiche Idee, Songs über Westberlin zu machen und dieses West-Ding so zu preisen, weil die Rapper aus dem Osten alle so Scheiße waren und wir Westler waren einfach die krasseren Rapper und ab dem Punkt war ich zu tief drin. Wie kann jetzt einer der Anführer dieses Westberlin-Hypes plötzlich ein Ostler sein? Das ging einfach nicht. Mittlerweile ist aber so viel Gras über die Sache gewachsen und dann kam dazu, dass ich „Marias Lied" mal wieder ausgegraben habe und das schon immer gut fand und großer Fan von dieser Maria war und sie sagt ja in dem Teil, den ich als Hook benutze „Ick will dir mal watt erzähl'n von mir, ditt hab ick noch nie jemacht, außer bei dir ..." und das hat natürlich perfekt gepasst. Ich wollte etwas erzählen, was ich vorher noch niemandem erzählt habe.

Ist das eigentlich die Sängerin, die auch das Original eingesungen hat?

Das ist das Originalsample. Das sind die Acappella-Spuren des Originals. Ein zwanzig Jahre altes Tonband, das man erstmal drei Tage backen musste, um es überhaupt wieder abspielen zu können.

Aber war es tatsächlich so, dass du das irgendwann selber nicht mehr reflektiert hast? Wenn auf Jams diese Westberlin-Chöre skandiert wurden, ging da gar nichts mehr in dir vor?

Nee, ick war drin. Ich war einfach drin. Manchmal, wenn wir im Auto oder so über den Osten geredet haben, da musste ich mich zurückhalten, denn ich wusste ja alles. Und ich wollte nicht so tun als wüsste ich alles und ich musste manchmal sagen: „keine Ahnung, was willst du von mir ... Pionier? ... keine Ahnung, was soll das sein ..." aber ich wusste genau, wovon die Leute geredet haben.

Ab wann dachtest du, es ist eigentlich schwachsinnig, diese Fassade aufrecht zu erhalten, war das tatsächlich erst während der Produktion des neuen Albums?

Nö, das gab es schon vorher. Aber da gab's einfach den Moment nicht, und wie sollte ich es machen? Eigentlich war es ja auch scheißegal, aber es lag mir schon auf der Seele in der letzten Zeit. Aber dann kam dieses Sample und ich wusste, ok, jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Das passt ja auch alles total gut gerade, wir feiern gerade zwanzig Jahre Wiedervereinigung, mein Album kommt genau jetzt raus, ich finde dieses Sample und mache genau dieses Lied. Perfekt.

Wie ist dein Verhältnis zu Fler?

Es gibt keins.

Bedauerst du das?

Ob ich das bedaure? Hmm ... Nö.

Und das, obwohl du ihn in deinem Testament bedacht hast?

Ja, da habe ich ihn auch erwähnt. Aber egal, er war immer besser befreundet mit Bushido, außer in der Zeit in der sie sich gestritten haben. Wir waren nie so eng befreundet wie die Beiden.

In dem Track „Geburtstag" geht es darum, dass sich dein Ich in dem Song am Ende deines Geburtstages umbringt, weil scheinbar keiner deiner Freunde an dich gedacht hat. Hat der Song einen konkreten Hintergrund?

Das Tattoo auf meiner Hand hat denselben Hintergrund (dort steht das Datum seines Geburtstages - Anm. d. Red.). Ich mag es, wenn Leute an mich denken an meinem Geburtstag. Weil ich auch gern an meine Freunde denke.

Ich meine Hintergrund auch in der Hinsicht, ob du dich mal gefragt hast, ob du immer richtig mit deinen Freunden umgegangen bist ...

Ja, das gab es oft. Ich bin schon ein sehr loyaler Mensch und gebe viel auf meine Freunde. Deswegen habe ich zum Beispiel auch die Linken gewählt und nicht CDU. Ich hätte auch an mein Konto denken können und CDU wählen, damit die sich um niedrige Steuern kümmern. Aber mir ist es wichtiger, dass es auch den kleinen Leuten gut geht. In meinem Freundeskreis gibt es niemanden, dem es so gut geht wie mir. Niemanden. Ich fühle mich schon Scheiße, wenn ich in meinem dicken Auto in der Hood vorfahre und alle warten an der Bushaltestelle und haben ein bisschen Angst, weil sie gleich schwarz fahren müssen.

Im Song „Henker & Richter" läuft ein Nachwuchs-Rapper bei seiner Plattenfirma Amok, weil er von ihnen beschissen wurde. Was hat Universal zu dem Stück gesagt? Wie hat denen der Song gefallen?

Die finden den gut. Bzw. sie verstehen, dass er mir aus der Seele spricht. Aber der lag auch erstmal beim Anwalt. Der Song ist ja auch nicht ausschließlich gegen Majorlabels gerichtet, mittlerweile kann dir ja jedes Label am Anfang 10.000 Euro in die Hand drücken und dich dann hinterher ficken. Und es macht ja auch fast jedes Label so. Aber guck mal, wenn du bei einem Label bist wie Aggro Berlin, also einem Label, das von ein paar Freunden gegründet wird, wo du von Anfang an dabei warst, und du denkst, wir machen freundschaftliches, gutes Business und nach acht Jahren läuft es so als wär ich hier, dann gehe ich doch lieber gleich hierher. Da weiß ich woran ich bin und muss mir so was nicht von Freunden antun lassen.

Aber ist es nicht letztendlich von Vorteil, diese Erfahrungen bei Aggro Berlin gemacht zu haben, um dann bei einem Major überhaupt für das Geschäft gerüstet zu sein?

Ja, das Team, das wir damals hatten war ja auch wirklich einzigartig. Aber am Ende waren da Leute im Büro, die haben um achtzehn Uhr auf die Uhr geguckt und wollten so schnell wie möglich nach Hause, um Bierchen zu trinken, Rockmusik zu hören und auf Technoparty zu gehen, so was, weißte?! Das hatte mit HipHop und der Attitüde von früher absolut nichts mehr zu tun.

Hier fühlst du dich wohl?

Hier fühle ich mich momentan wohl. Noch bin ich ja ein Triple A-Artist, das wird mir immer wieder bescheinigt, ich bin einer von den Großen. Deswegen kümmern sie sich ja auch um mich. Es gibt natürlich Künstler bei Universal, um die sich nicht so gut gekümmert wird. Also noch kann ich mich wohl fühlen.

In einer Zeile auf dem Album sagst du, dass du eine Freundin hast, die kochen lernt. Was kocht sie denn so?

Alles mögliche. Und das finde ich gut. Sie hat sogar verstanden, dass ich weiße Soße nicht mag. Du hast ja bei Gemüse meistens so eine Sahnesoße dabei. Mag ich nicht. Braun oder rot muss die Soße sein. Vorher hat sie gar nicht gekocht. Da war das Fleisch eher Schuhsohlenmäßig. Gestern haben wir was sehr gutes gegessen. Wie heißen diese Dinger, die so aussehen wie Eisbergsalat? Aber ganz klein.

Keine Ahnung, Rosenkohl?

Ja genau, das gab's gestern, das war geil. Mit so Schnitzel.

Was ist dein Job im Haushalt?

Ich mach Rouladen.

Abseits vom Kochen?

Ich mach Rouladen ...

Haha, alles klar, besten Dank.

AR

Sidos Album Aggro erscheint am 30. Oktober bei Universal.

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