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Flecken auf der Psyche
Rorschach ist nicht der Typ aus der Watchmen Serie, sondern ein Test, mit dem bestimmt wird, wie knusper man in der Birne ist. Eine ziemlich furchteinflößende Idee, jemanden anhand von zehn fleckigen Tafeln für debil erklären zu können, aber diese Zeiten sind vielleicht vorbei, nachdem Wikipedia wirklich die Antwort auf alles hat. Auch auf euren Geisteszustand.
Ziemlich angefixt von der Idee, nun vollkommen normal im Kopf zu wirken, weil wir, wie in der Schule, auf Teufel komm raus bescheißen können, telefonierten wir wie wahnsinnig durch die Gegend, bis wir bei Michael Kamp von der Uni Köln landeten. Der Psychologe ist die deutsche Rorschach-Koryphäe. Wir haben ihn also gebeten, uns zu erzählen, was wir das nächste Mal, wenn uns fleckiges Papier auf einer Polizeiwache vorgelegt wird, zu tun und vor allem zu sagen haben.
Vice: Bin ich bekloppt, wenn ich in Tintenflecken nur Tintenflecke sehe?
Michael Kamp: Nein, dass kann man so allgemeingültig nicht sagen. So was kommt auch nur sehr selten vor und meistens hängt das mit der Unlust der Probanden, ihrem Widerstand gegen den Test oder eben damit zusammen, dass sie den Sinn nicht verstanden haben. Da muss man dann weiter nachhaken.
Gut, kann man eigentlich anhand des Tests eine allgemeingültige Aussage treffen, ob jemand gestört ist?
Auch das ist nicht der Sinn des Tests. Der Test taugt nicht dazu eine Diagnose zu liefern. Besonders mit dem europäischen System nicht. Wir können anhand der Schautafeln nur feststellen, ob die Person ähnliche Muster aufweist, wie sagen wir mal, eine depressive Person. Aber der Test ist—zumindest in der europäischen Verwendung—nur ein Mittel um Aufschluss über eine Persönlichkeit zu gewinnen und das dann Stück für Stück zu belegen.
Gibt es ein Raster der Persönlichkeitstypen?
Das ist eine breite Palette. Sie reicht von normal agierenden Menschen bis nun ja, Menschen die eben „seltsam“ denken. Aber das hängt mit der Wertung des Tests zusammen und changiert untereinander sehr viel.
Wie funktioniert dann die Auswertung?
Da gibt es fünf Faktoren. Zum einen, in welchem Bereich ein Mensch etwas auf dem Bild erkennte, was er erkennt, den erkannten Inhalt (also ob er eher Menschen erkennt oder Kategorien), die Formqualität, die mit Farbe und Textur einhergeht, ob er eher Paare oder einzelne Objekte erkennt und wie viel kognitive Fähigkeit mit seiner Antwort verbunden ist.
Also würden mir die Wikipedia-Antworten alleine nichts bringen.
Nein, wohl eher nicht. So ein Test dauert mit Auswertung bis zu zwei Stunden und es wäre viel zu langwierig das Schema zu erlernen, um damit den Test zu hintergehen. Das wäre eh quatsch.
Also diese schnelle Aburteilung, die man aus Filmen kennt, stimmt gar nicht?
Da muss man unterscheiden. In den USA hat der Rorschach-Test eine forensische Aussage, das bedeutet, er kommt zum Einsatz bei Sexualstraftätern, um deren Impulsivität und Kontrolle zu überprüfen, aber das auch nur mit weiteren Tests. In Deutschland hat sich die Entwicklung der Psychologie in Richtung Verhaltenstherapie entwickelt, also wird man nicht wegen einer einzigen Antwort auf ein Bild eingeliefert. Interessant ist aber, dass nie die Original-Tafeln im Fernsehen gezeigt werden.
Wieso das?
Das ist ein Irrglaube seitens der Filmschaffenden, dass der Test, nur weil man die Bilder kennt, dann unnütz wäre. Ein totaler Quatsch.
OK, also wird der Test weiterhin Zukunft haben?
Ja, mit Gewissheit. In den USA ist er eh unangefochten etabliert und das wird sich durch dieses Wikipedia-Leck auch nicht ändern und in Deutschland wird er auch weiter Verbreitung finden. Es ist ein seit Jahrzehnten quantitativ, etabliertes System, das funktioniert. Andere Versuche, wie zum Beispiel Ankreuztests sind da bei weitem noch nicht soweit.
FN



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