Checkt es mal, ihr Bodybuilder seid total schwul!

von Matt Shea

Es wird natürlich immer einen Hauch von Homoerotik in der Bodybuilding-Szene geben—wo Typen einander die Leistengegend eincremen und massieren, während sie im gleichen Atemzug jemanden aufgrund seiner Skinnyjeans als Schwuchtel bezeichnen. Da sind durchtrainierte und eingeölter Typen, die ihre deformierten, sehnigen Körper vorzeigen und bewundern, und im Grunde einer fleischgewordene Version eines Kunstwerks von Tom of Finland entsprechen.    

Es hätte mich nichts besser auf das Ausmaß von schwitziger Homoerotik vorbereiten können, wie die Seite bodybuilding.com—das weltweit beliebteste Bodybuildungforum und DIE Anlaufstelle für Typen die keinen Plan davon haben, was Schwulsein bedeutet, aber hier über das Schwulsein diskutieren. Es ist als ob man zufällig in einen Ethikunterricht gestolpert wäre, wo—statt Kindern, die keine Ahnung von den Grundsätzen des Lebens haben—sich Typen austauschen, die nicht kapieren, dass das Einzige was Schwulsein im Grunde bedeutet ist, dass man sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. 

Doch hier gibt es über zwanzig Debatten, ob und inwiefern das Tragen eines Schals einen schwul macht.

Das Wichtigste, was man hier lernt, ist die Frage, ob Schals „immer“ schwul sind. Alle wissen, dass die meisten Schalträger schwul sind. Aber dank JordanW wird diese Feststellung nun in einem öffentlichen Forum überprüft: Fernando Rollin (1,87 Meter, 84 Kilo) startet einen Aufklärungsversuch: „Ich glaube dass es erst schwul wird wenn sie nur modisch getragen werden und keinen Zweck erfüllen“.

Hoop_Dreams sieht das anders. Er lehnt Schals strikt ab: „Ich würde eine super geile Jacke tragen ... Ein Schal ist ein bisschen zu viel des Guten. Ich habe einmal einen getragen, und ein Mädchen meinte dann zu mir‚ du bist wohl so ein Schönling, oder? Never Again“.



Ich hätte so gerne geschrieben, dass ein Schal zu tragen dich nur schwul aussehen lässt, wenn du ihn dir um den Schwanz legst, aber der Schal ist dann kein Schal, sondern der Anus eines anderen Mannesund den machst du da absichtlich hin weil du dich zu anderen Männern hingezogen fühlst. Aber das habe ich dann doch nicht, weil es lustiger ist, anderen Menschen mit Namen wie „shreddomorph“ oder „workout4eva“ dabei zu beobachten, wie sie einander nun komplett verwirren, ob Schals einen schwul machen oder nicht.

Nicht nur Schals oder andere Anziehsachen können einen schwul machen. Das ganze Forum quillt vor Beiträgen über, die erläutern, ob es schwul sei Gummibärchen zu kaufen, Flip Flops zu tragen, einen Freund zu bitten, ein Foto von dir zu machen, seine Beinhaare zu stutzen, um deine Muskeln besser zur Geltung zu bringen, den Spitznamen „Cherry“  zu haben oder einen Typen in den Arsch zu ficken, natürlich nur um die eigene Dominanz zu manifestieren.

Ok ich verstehe total, dass Gummibärchen total homo sind. Aber ich bin mir nicht sicher über die letzte Frage. Wenn du wenigstens einen Tag in der Schule verbracht hast, wirst du gelernt haben, dass es viele Auslegungen zu dem Thema einem Typen in den Arsch ficken, um seine Dominanz zu beweisen, gibt. Zum Beispiel haben es dir Griechen getan, die sind ja nun krass alpha, männliche Hunde besteigen einander, um ihre Dominanz zu zeigen und Hunde sind ja auch alpha. Und ganz ehrlich, das einzige, was dich beim Sex mit einer Frau wirklich anmacht, ist doch gerade um deine Dominanz zu beweisen.

So aufschlussreich die vorigen Debatten auch waren, mein absoluter Favorit ist: „Ist es schwul einen Spiegel in seiner Handtasche zu haben?“ Nochmal, Schwulsein hat nichts damit zu tun, welche Sachen man trägt oder isst.  Aber wie kann man mit seinen Befürchtungen, für schwul gehalten zu werden so beschäftigt sein, dass man nicht merkt, dass die Leute dich wahrscheinlich für schwul halten, weil du eine Handtasche besitzt und nicht wegen der Sachen, die in der Handtasche drin sind. 

Auch wenn du einen Dolly Parton-Spiegel bei dir trägst, Gleitgel und alles andere, was die Autoren der Fernsehserie Will und Grace auf ihre Liste von Schwulen-Clichés gestellt haben, die Leute werden dich wegen der Handtasche für schwul erklären. Glücklicherweise hat „p4rad0x“ eine Lösung: „Handykameras, mit denen du dich selber fotografieren kannst“. Allgemeine Zustimmung und Annerkennung. Hier hat sich ein Experte für die nicht-schwule Eitelkeit gefunden. 

 

Dann gibt es auch noch das „Bin ich schwul?“ und „Was ist schwul“-Forum—eine Folge von Beichten die anfangs noch lustig sind, bis man traurigerweise realisiert, dass die Männer bei der Unterdrückung ihrer schwulen Gedanken um Hilfe bitten oder nach einer Erklärung suchen, wie man den Spaß, den man beim Analsex hatte, nicht als schwul auszulegen.

Hier kommt noch ein Favorit: Ich hoffe es war kein Pseudo-Eintrag, denn wenn diese Person diese großartige Satire in Foren verschwendet, statt sie für Fernsehshows zu verwenden, dann ist das ein sehr, sehr trauriger Tag für das Fernsehen. Der Ausdruck „es ist nicht schwul, weil wir nur Spaß gemacht haben“ ist immer der beste Vorbote für egal was. Hier denken diese Leute, dass es eine kosmische Gottheit gibt, die die Sünden zählt, und sie dann in Schwule verwandelt und ihre Stimmen um ein paar Oktaven erhöht. Das ist unglaublich. Ein bisschen traurig, aber auch unglaublich.

 

Überall wo es Schwule gibt, die es aber nicht zugeben wollen, ist auch eine anti-schwule Tendenz zu finden. Ein Bodybuilder fragte die anderen Forenmitglieder: „Wie würdet ihr reagieren wenn ihr ein schwules Kind hättet?“. In dem Chat (einer von vielen mit ähnlichem Titeln) stellt „alexandermossne“ diese kontroverse Frage unter einen neuen Gesichtspunkt: „Sollte es heterosexuellen Menschen erlaubt sein, schwule Kinder zu bekommen?“. 

Wir hören immer die gleichen, langweiligen Argumente wenn es darum geht ob schwule Pärchen Kinder haben dürfen. Aber was ist mit den heterosexuellen Paaren, die die schwule Kinder in diese Welt bringen? Wer zieht sie denn die mal endlich zur Verantwortung?

Die Debatte schwingt zwischen zwei Standpunkten. Der erste ist der klassisch homophobe Mist—„Im besten Fall—enterbe ihn. Im schlimmsten Fall, wenn er wirklich anfängt deinen Familiennamen zu beschmutzen, würde ich ihnen umbringen ohne zweimal nachzudenken“. 

Der zweite Ansatz lenkt von der sexuellen Orientierung des Kindes ab und konzentriert sich auf das eigentlich Wichtige, nämlich inwiefern das Kind als „alpha“ heranwächst. Ein Nutzer beschreibt das so: Er hätte lieber einen „alpha, der fünf tausend Euro täglich als CEO von einer großen Firma verdient, aber schwul ist“ statt einem „schwuchteligen heterosexuellen, der für immer alleinstehend ist“.

All diese Punkte werden nichtig als „POOHBEARx3“ die Bühne betritt. In einem Anfall von Weisheit, die nur dadurch erreichbar ist, wenn man mehr Zeit für sein Quad-Bike als für das Weltgeschehen verwendet, spricht er das an, was wie der Elefant im Raum steht: Einen schwulen Sohn zu haben ist „besser als jede Tochter“. Ich bin verblüfft, dass das noch keiner vorher gesagt hat. 

Ein Nutzer widerspricht ihm und schreibt dass die Töchter nicht umgebracht werden, während „der schule Sohn mancher Orts umgebracht wird“, aber unser Mann kontert schnell mit der #Tatsache dass ein Vater einen stärkere Bindung mit einem schwulen Sohn, als mit einer Tochter hat. Ah ja, eine Hashtag vor Tatsache—die wertvollste aller Tatsachen! 

Als ich gerade die Seite verlassen wollte, stach mir noch ein Post ins Auge—„Achtung an alle Mitgleider und besonders Teenager...Unsere Fotos werden auf einer Schwulenseite verwendet!!!“—Achso! Wenn du hunderte von Fotos mit nackten, haarlosen Muskelprotzen ins Internet stellst und dann nur über Sexualität redest, dann muss das ja auffallen! Und die, die es entdeckt haben, sind sicher gerade alle ziemlich geil


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