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Girl Germs - Wie meine Riot Grrrl-Seifenblase zerplatzte

von Janelle Hessig

Wenn ich früher eine einsame Extensions-Strähne auf der Straße gefunden habe, war das besser als jeder Glückspfennig oder ein vierblättriges Kleeblatt. Damals wusste ich einfach noch nicht, dass billige Extensions manchmal ganz ohne das Zutun ihrer Trägerin rausfallen. Ich dachte, dass Mädchenhaare auf der Straße nur eins bedeuten könnten: Catfight! Zwei Mädchen, die an der Bushaltestelle aufeinander losgehen, wie Wildkatzen. Ein abgefangener Liebesbrief an den Freund einer anderen, der in einem Strudel aus zerrissenen Klamotten und einem Acrylfingernagel im Auge endet.

Ich bin eine miese Voyeurin. Ich stehe auf gute Frauenknast-Filme, aber wenn ich in so einem Film mitspielen würde, dann wäre ich wahrscheinlich die einsame Buchfanatikerin, die lieber in der Bibliothek abhängt, als im Knasthof Schlampen zu verprügeln. Für Mädchenprügeleien ist mein Magen einfach nicht stark genug.

Als ich 1990 das erste mal mit Riot Grrrl in Berührung kam, haben die ganze Kuchenbackerei und diese Katzenaugen-Brillen vielleicht nicht so gut zu meinen Interessen gepasst, wie Bierflaschen vor Polizeiwachen zu zerschmettern. Aber wenn man mal kurz von solchen kleinen Details absieht, bin ich Feuer und Flamme für das Riot Grrrl-Ideal der Mädcheneinheit. Ich glaube an eine Welt, in der Mädchen den Sexismus nicht verinnerlicht haben und wo wir einander unterstützen, statt uns gegenseitig fertig zu machen. Es ist fantastisch mit anzusehen, wie diese ganzen neuen Mädchenbands und Fanzines in den letzten Jahren aus dem Boden gesprossen sind. Riot Grrrl ist nicht nur ein wichtiger Schritt in der Evolution des Feminismus, sondern auch der der Undergroundmusik. Zumindest in der Theorie.

Letztes Jahr, 1993, hatte ich die Chance als Roadie mit einer meiner liebsten Riot Grrrl-Bands aller Zeiten auf Tour zu gehen. Ich war im Himmel! In den Wochen vor der Tour spielte ich in meinem Walkman ständig ihre Kassette rauf und runter. Ich lief durch die Stadt und war erfüllt von Mädchenliebe, fühlte mich 10 Meter groß und war bereit auf die Kacke zu hauen, bis es, na ja, so weit war, in den Van zu steigen.

Auf unserem Weg von der East Bay runter nach Los Angeles machten wir Halt im liebsten Fastfoodladen aller Riot Grrrls: Taco Bell. Wir setzten uns an einen Tisch mit unserer 59-Cent-Matsche und die Sängerin, nennen wir sie mal Erica, ging aufs Klo. In der Sekunde, als sie außer Hörweite war, steckten die Mädchen die Köpfe zusammen und fingen total begeistert an zu lästern. Vor allem über ihren großen Hintern!

„Zumindest trägt sie keine gelben Hosen!“

„Hat mal jemand einen Löffel? Erica trägt Shorts. Hüttenkäse für alle!“

Ich war schockiert. Konnte es etwa sein, dass diese Pioniere der Riot Grrrl-Bewegung lediglich... Täterinnen waren? Mir war, als hätte man mir den Mädchen-Liebesteppich unter den Füßen hervorgezogen. Unter diesen Baby-Berets und frechen Bobs steckten Köpfe voller heimlicher Mädchenboshaftigkeit. Sie waren keinen Meter besser als all die anderen Arschlöcher da draußen. Nein, sie waren sogar schlimmer. Sie hatten nämlich darüber nachgedacht, wie Mädchen einander behandeln und sie behaupteten, dass sie anders waren und ich Idiotin hatte ihnen auch noch geglaubt. Wenn sie eine Lüge waren, was war dann überhaupt echt? Steckten Drogen in den Kuchen, die sie immer backten? War es einfach nur Teil eines richtig gemeinen Hinterhalts, andere Mädchen dazu zu bringen, sich „Schlampe“ auf dem Bauch zu schreiben?

Jetzt, nachdem ein paar Monate vergangen sind, habe ich den schlimmsten Schock dieses Riot-Buttgates überwunden. Ich finde die Vorstellung von Feministinnen-Raubkatzen manchmal lustig und manchmal nur unheimlich peinlich. Ich weiß, dass es manchmal nahezu unmöglich ist, der Versuchung zu widerstehen, sich auf Kosten anderer lustig zu machen. Aber wir sehen alle bescheuert aus, wenn wir so tun, als würden wir uns für Mädchen einsetzen und sie im gleichen Atemzug niedermachen. Werden die Riot Grrrls jemals Erfolg haben, eine Welt zu schaffen, die ohne fiese Schlampen auskommt? Die Zeit wird es zeigen...

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