Guy-Fawkes-Tag — Der Feiertag für Weltverbesserer und Terroristen

von Dominik Schönleben

Heute ist Guy-Fawkes-Tag. Der Feiertag für Weltverbesserer und Terroristen. Je nachdem, wer später die Geschichtsbücher schreibt. All die üblichen Feiglinge, welche sich hinter Masken verstecken, haben sich bereits in Wort und Tat gemeldet. Ganz vorne voran Anonymous. Paypal wurde gehackt und Nutzerdaten zeitweise ins Netz gestellt. NBC war einige Zeit offline und so weiter. Das Übliche eben. Dafür gab es nach Aussagen von Anonymous die verschiedensten Gründe: Indect, das neue System in der EU, welches auffällige Nutzer in sozialen Netzwerken enttarnt. „Protest gegen Bankenblockade“ oder „Konsumismus im Allgemeinen“. So richtig einig ist sich das Kollektiv ja nie. Aber alles egal, solange Randale gemacht wird. Zwei Männer, die sich scheinbar Anonymus zugehörig fühlten, brachen sogar vor gut zwei Wochen in eine Pizzeria ein und erbeuteten bei ihrem Kampf gegen das System mehrere Hundert Euro.



Es ist einfach an der Zeit, dass wir aufhören, bei Protesten Guy-Fawkes-Masken zu tragen. Sie haben längst ihre moralische Bedeutung verloren—falls sie sie je besessen haben—und sind nur noch ein degradiertes Schutzschild, hinter dem sich Kleinkriminelle und halbstarke, randalierende Jugendliche verstecken. Entweder fühlen sie sich cool dabei, eine Maske zu tragen und Scheiße zu bauen. Oder man macht es einfach, weil sie es irgendwie lustig finden, nicht nur an Fasching oder Halloween eine affige Maske zu tragen. Zuletzt beobachtete ich die typischen Anonymous-Fans dabei, wie sie als Systemgegner bei der GEMA-Demo in München für die Presse vor einem alleingelassenen Polizeiauto posierten. Du gehörst ganz plötzlich—einfach, indem du eine Maske aufsetzt—zu einem Verein echt cooler Cyber-Terroristen, die es mit den ganz Großen aufnehmen.

Der Name und der fesche Schnäuzer stammen von einem Offizier, der vor über 400 Jahren versucht hatte, das britische Parlament im Palast von Westminster mit einer riesigen Ladung Schwarzpulver in die Luft zu sprengen. Das ganze flog auf und nach der damals üblichen Folter wurde er zum Tode am Strang verurteilt. So wurde Guy Fawkes zum Symbol für alle, die mit kriminellen Mitteln gegen die Regierung vorgehen und dabei ihr Leben riskieren. Doch diese Lebensgefahr ist heute in einem demokratischen Staat längst Vergangenheit. Es erwarten dich als deutschen Bundesbürger weitaus schlimmere Folgen, wenn du abends vergisst, deine Zähne zu putzen, als wenn du auf einer Demonstration erkannt wirst. In Deutschland herrscht sowieso seit 1985 das Vermummungsverbot, welches es dir verbietet, auf Demonstrationen dein Gesicht zu verbergen. Somit ist eine Guy-Fawkes-Maske nicht nur sinnlos und feige, sondern vor allem auch mit bis zu einem Jahr Freiheitsentzug strafbar. Wer friedlich demonstriert, hat in Deutschland aber auch keinen Grund, sein Gesicht zu vermummen.

 

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