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If You Build It, They Will Cum

von John Michaels



Im Frühjahr 2010 schwemmte mich die Rezession, die wie eine Zombie-Armee durch das Land wütete, aus meinem unbedeutenden Leben, das ich mir in Los Angeles zusammengeflickt hatte. Plötzlich arbeitslos und von Obdachlosigkeit bedroht, rettete ich mich auf einen Biohof in Humboldt County, Kalifornien, dessen Eigentümer und Leiter ein alter Freund ist, und fing dort als Landarbeiter an. Unter meinen Kollegen war eine Gruppe junger Leute zwischen 20 und 30 Jahren, die man die „Kids“ nannte—ein geiler pansexueller und polyamoröser Haufen. Nachdem sie sich ein paar Wochen lang mit sexuellen Angebereien zu übertrumpfen versucht und zu heißen Hip-Hop-Nummern verrenkt hatten, begannen sie, es fieberhaft zu zweit oder zu dritt miteinander zu treiben.

Ich hielt mich aus diesem feuchten Getümmel heraus. Bevor mich meine jahrzehntelangen Fehltritte, meine Selbstsabotage und meine armseligen Beziehungsentscheidungen zu einem zölibatär lebenden Neurotiker gemacht hatten, wäre ich hier sicher gerne mit eingestiegen. Ich erreichte mein Erwachsenenalter in den Hochzeiten der sex-positiven 90er Jahre. Im berühmten Lusty-Lady-Theater in San Francisco wischte ich schon, als ich noch ein Teenager war, das Sperma vom Boden. Ich filmte B-Roll-Material für einige schmierige Pornos, war mit Stripperinnen zusammen, versuchte mich als Erotikmasseur und probierte mit meiner Freundin ein Swinger-Hotel aus. Als Taxifahrer mit Mitte 20 zog ich meine Kreise durch Tenderloin, während auf dem Rücksitz Transen ihren Freiern den Schwanz lutschten. Strotzend vor Selbstbewusstsein machte ich mit beim Bekenntnisspiel, aber eines der Kids, ein magerer weißer Typ mit Afro, einem schmalen Schnäuzer und buschigen Bart, stellte mich noch in den Schatten. Er erzählte uns, wie er es auf der Bühne vor einigen Hundert Leuten hinbekommen hatte, eine Frau mit seiner Faust zu ficken, gleichzeitig ein Lied zu singen und den Rhythmus auf einem Schlagzeug zu produzieren, das aus ihrem Arsch und der mit einem Kontaktmikro versehenen Badewanne, in der sie saßen, bestand. Das war meine Einführung in die Impropriety Society, eine Gruppe von ortsansässigen Fetischfans, die aufwendige Sexpartys in Humboldt veranstalteten.



Die Impropriety Society, kurz Imps genannt, ging aus einer früheren Gruppe von Sex-Party-Veranstaltern hervor, dem sogenannten Club Risqué. Die Partys waren anfangs Fundraising-Events für einen Piratensender, organisiert von einigen Theater- und Zirkusfreaks. Sie hatten eher den Charakter von Flirtpartys mit feurigen Performanceeinlagen als von eigentlichen Sexpartys. Aber mit der Zeit rückten echte Ficks immer mehr in den Vordergrund und der Club Risqué wurde zu einem Ort, weitab von irgendeinem städtischen Zentrum, an dem sich Leute mit verschiedensten, ansonsten kaum repräsentierten Fetischen zur Schau stellen konnten, und der sogar mit einem separaten Kellerbereich für die ortsansässige BDSM-Szene ausgestattet war. Von Anfang an bildete ein tatkräftiges polyamouröses Paar die Seele des Clubs. Als ihre Beziehung vor ein paar Jahren auseinanderging, bedeutete das auch das Ende der Partys. Ein harter Kern von Club-Risqué-Veteranen übernahm es, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Sie gründeten die Impropriety Society, entwarfen eine Art Manifest und formulierten sex-positive ethische Richtlinien, die besonderen Wert legten auf Einvernehmlichkeit, Eigenwahrnehmung, Verantwortung und Inklusivität aller sexueller Orientierungen, Genderidentitäten und jeglicher Formen des persönlichen Ausdrucks.

Ihre erste Party veranstalteten sie im Mai 2008. Seitdem organisieren sie alle ein bis zwei Monate kleine und nicht sehr aufwendige Events. „Geselliges Beisammensein“ nennen sie diese Partys, für die sie an die 75 Tickets verkaufen. Sie finden in einem großen Raum statt, der nur einige wenige BDSM- und Kerkerutensilien bereithält. Der Schwerpunkt liegt mehr auf dem gegenseitigen Kennenlernen, Tanzen und Ficken—für Letzteres sind entlang der Wände Matratzen ausgelegt. Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, gibt es weit größere Veranstaltungen mit einem voll ausgestatteten Kellerraum und einer Zuschauergalerie, verschiedenen Erlebnisräumen, einer größeren Tanzfläche, Fingerfood von ambitionierter Qualität und Bühnenshow. Mit bis zu 250 verkauften Tickets und mindestens 80 freiwilligen Helfern sind das recht große Veranstaltungen, vor allem wenn man das Zahlenverhältnis von Bäumen zu Menschen in Humboldt bedenkt.

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