Musik
Xiu Xiu sind offen für alles

Jamie Stewart von Xiu Xiu singt über Typen, die in sein Gesicht ejakulieren und postet Fotos von sich ritzenden Menschen auf der Band-Homepage. Es ist also keine Übertreibung, wenn man sagt, dass der Musiker ein Faible für die eher heftigen Momente im Leben hat.
Ihr Ritt durch die Extreme dauert nun schon zehn Jahre und erstreckt sich über neun full length-Alben und unzählige kleine Veröffentlichungen. Vor kurzem ist das aktuelle Album Always erschienen. Ein Album voller Sex und Gewalt – wer hätte das gesacht?
Ich sprach mit Stewart, als er auf seiner Europa-Tour einen Zwischenstopp in Berlin machte. Er hatte einiges über sein neues Album zu erzählen, darüber wie es ist ein Dauergast in der Untergrund-Szene zu sein und darüber, wie er den Status amerikanische Politik momentan einschätzt.
VICE: Du bist grad auf einer ziemlich langen Tour, gerade in Europa und danach geht’s in die USA. Aber du bist es ja gewohnt zu touren. Wie läufts?
Jamie: Echt seltsam. Ich musste mich ganz schön anpassen, so viele Sachen haben sich verändert. Manche Erwartungen wurden übertroffen und andere haben sich nicht wirklich erfüllt. Aber alles ging so schnell, dass man es nicht wirklich beschreiben kann.
Klingt geheimnisvoll. Was genau wurde denn leichter und was schwerer?
Weil wir jetzt ein bisschen bekannter sind – aber eben nur ein kleines bisschen – müssen wir jetzt nicht mehr auf dem Boden von irgendwelchen Leuten schlafen und das ist schon mal viel wert. Das war nicht mal romantisch, als wir gerade erst anfingen…es war einfach nur scheiße. Den Tour-Teil der Tour, also Herumfahren und sowas, finde ich echt langweilig. Aber mir macht das Spielen immer noch genauso viel Spaß wie am Anfang und ich bin immer noch sehr dankbar, dass ich das überhaupt machen kann. Das Gute am langen Touren ist, dass man Leute aus der ganzen Welt kennen lernt. Ich habe Freunde in Europa, die ich manchmal öfter sehe, als meine Freunde in den Staaten. Unser Tour-Manager für Europa ist einer meiner besten Freunde überhaupt. Deswegen macht es unglaublich viel Spaß durch Europa zu fahren und zusammen mit ihm Ärger zu machen.
Es gibt gerade so viele Hypes, neue Bands und überall lauert das große neue Ding. Wie fühlt es sich an, nicht mehr…
…schon ziemlich lange nicht mehr das neue große Ding zu sein?
Ja, wie ist das so?
Im Prinzip schwanke ich immer hin und her zwischen einer ziemlich gesunden Einstellung dazu bzw. eher der Einstellung „Ist mir doch egal“ und dem Gefühl ein totaler Loser zu sein. Gelegentlich werden auch Freunde von mir zu dem neuen großen Ding. Das ist schon cool, die Leute zu sehen, die schon so lange dafür arbeiten und dann endlich Anerkennung bekommen, die sie auf jeden Fall auch verdient haben. Aber andererseits gibt es auch Leute, die man so richtig hasst, und man sieht, wie sie einfach total erfolgreich sind und man will ihnen einfach nur in die Fresse hauen dafür, dass sie die Musik zerstören. Haha. Manchmal ist es einfach nicht nachvollziehbar, aber naja.
Wir kennen ja deine Meinung zur aktuellen Lage der Musikindustrie und darüber, wie es gerade für Bands ist. Glaubst du, es wird wieder besser oder einfacher für Bands?
Ich denke, es wird immer Aspekte in der Musikindustrie geben, die großartig sind. Aber es gibt auch immer Dinge, die einen einschränken. Diese Dinge werden aber immer bestimmender und das wird sich natürlich auch auf die Qualität der Musik auswirken. Aber es wird auch immer etwas Gutes daran geben, hoffentlich.






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