Musik

Musikreviews

von VICE Staff

POMPAGIRA
Iconoclast Dream
Black Axis Records

7

Mit der Verherrlichung des Ikonoklasmus lehnt sich eine Band natürlich ganz schön weit aus dem Fenster, wenn sie sie gleichzeitig in so einem hässlichen Artwork verpackt. Das neue Pompagira-Album dürfte traurigerweise all denen entgehen, die Platten zuallererst danach beurteilen, was sie von außen versprechen. Von innen ist es aber trotzdem ein mächtiger Doom-Tornado, der von nur einem Song ausgehend auf den wenigen von Cathedral und Earth verschonten Genre-Hektar keinen Stein auf dem anderen, kein Dach gedeckt, kein Auge trocken und keinen Schaulustigenschwanz unerigiert lässt.

DOOM UND DÜMMER

 

SPEECH DEBELLE
Freedom of Speech
Big Dada

7

Die Dame, die die Ära der unverdienten Mercury-Prize-Sieger beendet hat, kehrt mit einem Album zurück, das genau so wenig Substanz enthält wie ihre Opponenten schon der ersten Platte unterstellt haben. Zumindest bis gegen Ende, wo sie es noch mal wissen will und zur Titelmelodie von Assault From Precinct 13 die ökonomische Apokalypse seziert. Da ist sie dann plötzlich wieder ganz fantastisch. Fazit: mach Musik für Kritiker, und alles wird gut.

CHEVVY CHELMER

 

HANNE HUKKELBERG
Featherbrain
Propeller Recordings/Nettwerk/Soulfood

7

Hanne Hukkelberg hat mit Sicherheit die ein oder andere Neurose mit sich herumzutragen, aber um als Künstlerin ernst genommen zu werden, ist das ja fast schon Voraussetzung. Ihr dankenswertes Talent besteht auch vielmehr darin, dass sie aus dem Rucksack, den sie auf ihren vermutlich sehr schmalen Schultern schleppt, kein von Bären zerhacktes Picknick macht, sondern es zustande bringt, Exzentrik zwar dissonant, aber dennoch in sich schlüssig darzustellen. Daran sind schon viele gescheitert und haben sich umgebracht. Der guten Hanne prophezeie ich noch ein paar Jahre.

ALI TERATION

 

JASON URICK
I Love You
ThrillJockey

7

Manchmal fährt man nachts, völlig übermüdet, meist nach Konzerten, allein im Auto mehrere hundert Kilometer nach Hause. Das Radioprogramm ist Schrott und die sieben Becher Kaffee führen zwar zu voller Blase, aber nicht zu unmittelbarer Wachheit, einhändige Smartphonebedienung bei 200km/h hat sich auch schnell als nicht abendfüllend herausgestellt, also beschränkt man sich auf möglichst schnelles Heimkommen, indem man das Fenster aufmacht, noch mehr Gas gibt und abwechselnd das linke und das rechte Auge ein bisschen ausruht und dabei über Lesbenpornos oder Schokolade nachdenkt. Irgendwann kommt man zu Hause an, kann sich aber an kein einziges Detail der letzten drei Stunden erinnern. Irgendwas mit Nickerchen und Nebel war wohl, alles andere – weg. Ungefähr so ging es mir beim Hören dieser Platte. (Also ohne Auto und Kaffee, klar. Aber wenigstens mit Lesbenpornos im Kopf. Ist ja auch nicht unbedingt das schlechteste.)

EI DONT

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