Musikreviews der Woche mit Petula und Creature With The Atom Brain

von VICE Staff

DAVE CLOUD AND THE GOSPEL OF POWER
Live at Gonerfest
Fire/Cargo

7

Dave Cloud beginnt seine Gonerfest-Show mit einem ziemlich lahmen Peniswitz. Wenn man seine Anlage sehr laut dreht, kann man im Hintergrund drei Leute lachen hören. Man hätte diese allenfalls unfreiwillig komische Situation einfach totschweigen können, aber stattdessen hat die Plattenfirma beschlossen, den Witz auf einem Sticker auf der Albumhülle anzubringen und dann auch noch das Presseinfo damit zu überschreiben. Frei nach dem Motto: Seht mal her, wie frech dieser Herr auf seine alten Tage noch ist. Er macht sogar Peniswitze! Zusammen mit dem Foto, auf dem Cloud aussieht wie eine halbnackte Mischung aus Timothy Leary und Josef Fritzl, und der eher bescheidenen Live-Performance, wird man jedoch das Gefühl nicht los, dass es sich hier auch einfach um ein großes Missverständnis handeln könnte.

BETTY BLUE KAMPUSCH
 
 
 

CREATURE WITH THE ATOM BRAIN
The Birds Fly Low
Waste My Reords/Cargo

7Um Enttäuschungen und Irritationen zu vermeiden: Mit Edward Cahns gleichnamigem Nazi-Zombie-Streifen aus dem Jahr 1955 hat diese Band nichts zu tun. Zum Glück, denn der Film ist wirklich mies, und dieses Urteil stammt von einem absoluten Connaisseur dieser an sich sträflich unterschätzten Gattung. Ich sage nur Zombie Lake, Dead Snow oder SS Doomtrooper. Alles hervorragende Low-Budget-Produktionen mit einem IMDB-Rating unter 3.0, wobei letztere zugegebenermaßen nicht wirklich als Bandname in Frage kommt und die anderen beiden sicherlich schon an irgendwelche norwegischen Doom-Schrammler vergeben sind. CWTAB hingegen ist ein Nebenprojekt des Sängers der ebenfalls sträflich unterschätzten Band Millionaire aus Belgien. Mark Lanegan und Chriss Goss haben ihre Finger im Spiel, also Leute, die für Stoner Rock ungefähr das sind, was die Einführung von Nazi-Bösewichten für das Splatter-Genre war, nämlich nichts weniger als eine Offenbarung. Zumindest solange man die richtigen Drogen genommen hat. 

LEX LUTHOR
 
 

PIANO INTERRUPTED
Two By Four
Self-released

7

Wäre die CD vor fünfzehn Jahren auf Mille Plateaux erschienen, dann wäre ich vermutlich Bach-Partituren und Miles Davis Platten verbrennend um die Häuser gezogen und hätte den Sieg einer post-humanistischen Musik deklariert (was ich vermutlich doch nicht gemacht hätte, denn vor fünfzehn Jahren habe ich noch Sepultura, Slime und Cradle of Filth gehört). Heute kommt das Album leicht antiquiert rüber, denn an der Schnittstelle von Jazz und Electronica ist schon viel gesagt worden (wenn auch noch nicht alles). Dennoch ist es mehr als solide Kost und wer bei Labeln wie Staubgold und Type steife Nippel kriegt, sollte auf jeden Fall reinhören.

LANG VIELZU LANG

 

PETULA
Don't Forget Me, Petula! Don't Forget Everything, Petula!
DIA/Broken Silence

7

Die Hookline „I choose not to learn“ auf „Ik Kan Niet Meer Het Is Teveel“ zieht sich leider als vermutlich unbeabsichtigter Slogan durch Petulas zweites Album. Denn während das rein musikalisch eine recht runde Sache geworden ist, die, wenn ausreichend verbreitet, genug Indie-Kids gleichermaßen zu arhythmischen Tanzbewegungen und melancholischen Busfahrten animieren dürfte, scheitert es dann doch an Cleemanns dünnem Stimmchen, das vermutlich Empfindsamkeit darstellen soll, aber grauenvoller klingt als Lana Del Rey live.

MALUS VOX
 
 
 

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