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      Nerd Meets VICE: Mickey Mouse verführt von der dunklen Seite der Macht

      October 31, 2012

      Von Dominik Schönleben

      Freier Autor

      Ich wünsche mir eigentlich schon länger George Lucas‘ Tod, nicht weil ich ein weinerlicher, verprellter Fanboy bin und ihm Jar Jar Bings, die CGI-Scheiße in Episode I-III und das animierte Kaspertheater für Kinder namens Clone Wars immer noch übel nehme. Sondern aus ganz altruistischen Gründen: Damit der nächste Star Wars-Film immerhin die Chance hat, ein guter Film zu werden.

      Weil ich nie dachte, dass George freiwillig in den Ruhestand geht, sah ich seinen Tod als einzigen Ausweg aus der Star Wars-Merchandise-Melk-Tour. Jetzt kam mir George zuvor und hat einfach so sein Lichtschwert in den Staub geworfen und abgedankt–naja, nicht einfach so, immerhin bekam er dafür 4 Milliarden Dollar von Mickey Mouse. Walt Disney gehört jetzt nicht nur das Star Wars-Franchise, sondern ganz Lucasfilms. Die nächste Star Wars-Trilogie soll ab 2015 im Kino laufen und ich bin mir sicher, sie wird gut.

      Es ist praktisch ein Fakt, dass George Lucas wohl bereits damals Star Wars ruiniert hätte, bevor es zum Kult-Klassiker werden konnte, wenn es nur in seiner Macht gestanden hätte. 1973 war George aber nur ein unbedeutender Regisseur Ende 20, der noch ganz Grün hinter den Ohren war. Man gab ihm weder das Geld, noch existierte die Technologie, um Star Wars zu ruinieren. Er hatte gar keine andere Wahl, als auf den Rat anderer Leute zu hören. Ich bin mir sicher, das hat er klugerweise oft getan. Bei Episode I sah alles ganz anders aus. Sein Wort war Gesetz und niemand wagte zu widersprechen. Seine Vision wurde ohne Kompromisse Wirklichkeit. Ein Überarbeitung des Storyboards mit jemandem, der George ehrlich die Meinung gegeigt hätte, wäre ein Segen für Episode I gewesen. Aber George war ein selbstgefälliger, reicher Filmguru geworden und besaß hörige Filmcrews, die er wie Puppen Tanzen ließ. Wenn man sich die Making-of-Videos ansieht, merkt man, wie unterwürfig seine Leute ihm gegenüber sind. Star Wars war nicht zum Kult geworden, weil George ein brillanter Visionär war, sondern weil er Kompromisse gemacht hatte mit Menschen, die sich manchmal besser auskannten als er. Wer das einsieht, hat endlich begriffen, warum Episode I-III uns so enttäuscht haben.

      Mit Mickey Mouse als neuem Imperator über das Franchise wird sich genau dieser Fehler nicht wiederholen. Egal wie renommiert der Produzent oder der Regisseur, den Mickey einsetzten wird, um Star Wars: Episode VII zu produzieren, sein wird, er wird eines nicht sein: Allmächtig. Disney bewies bereits mit den Superheldenfilmen von Marvel, besonders dem neuen Avengers-Film, dass sie wissen, wie man gleichzeitig Hardcore-Fans und das Popcorn-Kino begeistert. So wie Anakin Skywalker wird auch Star Wars einen zweiten, verborgenen Erben haben. Die Macht ist stark mit diesem Film. Ich bin wirklich froh, dass George Lucas nicht sterben musste, damit Star Wars-Fans wieder glücklich sein können.

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      Themen: Nerd Meets VICE, Star Wars, George Lucas

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