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      Showdown in Amiland

      November 6, 2012
      Johannes Niederhauser

      Von Johannes Niederhauser

      Freier Autor

      Wer wird gewinnen? Der als Idealist geltende Cyber-Warlord Obama oder Mitt Romney, mit dem wieder eine ähnliche Ideologie ins Weiße Haus einziehen könnte wie damals mit Bush und seinen Schergen? Wie würde sich die Präsidentschaft Obamas oder Romneys auf die internationalen Beziehungen und Deutschland auswirken?

      Egal, wer kandidiert, die US-Wahlen üben international und gerade in Deutschland immer eine besondere Faszination aus. Mit der ersten Kandidatur Obamas 2008 erreichte internationales Interesse und Anteilnahme am Ausgang der Wahl jedoch schier groteske Ausmaße. Mit Obamas erhoffter Präsidentschaft sehnte man sich nach „Hoffnung“ und „Wandel“ auch außerhalb Amerikas. Obama sollte der Weltpräsident werden, der Frieden und Wohlstand für alle bringt. Schon Monate vor der Wahl sprach er in Berlin vor Hunderttausenden, die Obamania war vor allem ein deutsches Phänomen.

      Das hatte vordergründig zwei Ursachen: Einerseits die neo-konservative Schreckensherrschaft der Bush-Dynastie, die ein letztes Aufbäumen der Reagan-Ära darstellte. Die acht dunklen Jahre der ignoranten Rambos Bush, Cheney und Rumsfeld ließen „das alte Europa“ in Schockstarre zurück. Der Bruch internationaler Verträge, Guantanamo, Waterboarding, Abu Ghraib, Irak-Krieg ohne UN-Mandat und in Endlosschleife so weiter haben in Deutschland und international den (Irr-)Glauben an die heile Welt der Welt-Demokratie USA nachhaltig zerstört. Obama sollte das wieder in Ordnung bringen.

      Andererseits stellte Obamas Wahl eine Aussöhnung des Westens mit seiner Sklavereivergangenheit dar. Ein schwarzer Präsident an der Spitze der weißesten und mächtigsten Demokratie—endlich würde international Gerechtigkeit einkehren. Anders ließe sich der vorschnelle Friedensnobelpreis für Obama kaum erklären.

      Doch ist mit Obama wirklich alles besser geworden und was würde eine Präsidentschaft Romneys bringen? Obama ist in Deutschland weiterhin der beliebtere der beiden Kandidaten Deutsche-Schueler-sehen-Obama-bei-US-Wahl-deutlich-vorn.html, wobei frühere Unterstützer wie der afro-amerikanische Philosoph Cornel West heute enttäuscht von ihm sind.



      Die Ideologie der beiden

      Obama ist ein Realist, der die Anforderungen der Zukunft erkennt. Ohne ein funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem werden die USA an Wohlstand und innerer Sicherheit einbüßen, was langfristig auch der oberen Schicht schadet.

      Romney und vor allem seine Hintermänner hingegen vertreten eine Ansicht, die in Deutschland und Europa das blanke Entsetzen hervorruft: Wer arm geboren wurde, ist zwar nicht selbst schuld, aber es ist Gottes Wille und deshalb gut so.

      Krieg

      Obama wird den Militäretat die nächsten Jahre senken. Vor allem die Truppen sollten davon betroffen sein. Cyber- und Drohnenkrieg sind sowieso billiger und effizienter. Der Iran wird nur ein Ziel des Krieges, wenn Iran tatsächlich in Besitz der Atombombe kommt. Obama ist sicherlich kein blauäugiger Idealist, der der Welt den ersehnten Weltfrieden irgendwann doch noch bringen wird. Das hat er die letzten vier Jahre gezeigt. Er führt eben leiser Krieg als Bush.

      Romney wird den Militäretat eher aufstocken und Rambo spielen. Immerhin muss er das heiligste Land der Welt, die USA, gegen alles Unreine verteidigen. Wenn Europa nicht mitzieht, ist eine Situation wie zu den Bush-Jahren möglich. Immerhin kann dann die Antifa wieder monatelang in Deutschlands Städten PACE-Fahnen schwenken und mit aggressiv anti-amerikanischen Hetzparolen für Frieden grölen. Erhöht auch den Marktwert.

      Erinnert sich noch jemand? Obama wollte Guantanamo sofort schließen, als er Präsident wurde. Das war seine erste Order von internationaler Bedeutung. Guantanamo bleibt jedoch auch mit weiteren vier Jahren Obamania geöffnet. Warum? Ja, wohin denn mit den ganzen psychischen Wracks? Nach zehn Jahren Folter brauchen die Männer psychologische Betreuung. Da ist Guantanamo billiger. Außerdem müssen sie dann nie einem Zivilprozess vorgeführt werden, bei dem rauskommt, dass sie eigentlich nichts verbrochen haben.

      Auch unter Romney wird Guantanamo weiter geöffnet bleiben. Das Aushängeschild der größten Demokratie, der Fackel der Menschenrechte (also die USA), möchte auch der gute Mitt nicht missen. Da er aber die Menschenwürde so sehr achtet, wird er Waterboarding wieder erlauben. Immerhin das hat der Friedensapostel Obama (offiziell) abgeschafft.

      Klimaschutz

      Klima- und Umweltschutz war eines der Hauptthemen in Obamas Wahlkampf 2008. Damals der beste Weg, um die Hippies in San Francisco und die grünen Hipster Brooklyns, die von Urban Gardening in einer verrußten Großstadt träumen, von sich zu überzeugen. Da konnte der hinkende McCain nicht mithalten. Doch passiert ist wenig. Vordergründig war die Rettung des maroden Haushaltes wichtig. Dafür wurden die Milliarden ausgegeben. Doch das heißt nicht, dass Obama aufhören wird, in Alaska oder im Golf von Mexiko (erinnert sich noch jemand an Deep Horizon) nach Öl zu bohren. Auch Atomkraft und das umstrittene Fracking wird Obama weiter ausbauen. Auf Kyoto hatte er schon letztes Jahr keinen Bock mehr.

      Romney setzt bei der Energie-Politik auf Ähnliches wie Obama. Doch er will noch mehr Autarkie. Das heißt, Nordamerika soll in den nächsten Jahren nicht mehr von Öllieferanten aus dem Nahen Osten abhängig sein. Dafür muss natürlich die heimische Ölgewinnung erhöht werden. Weil Romney dabei aber unsympathischer ist als Obama, werden naturliebende Deutsche und Amis protestieren und sich Obama zurückwünschen. Der hat zwar nichts getan, aber zumindest davon geredet. Kyoto wird Romney nicht interessieren. Hat er auch nie behauptet.

      Die Beziehung mit Deutschland

      Obama hat den Sunnyboy-Bonus. Die Deutschen lieben ihn, egal, was er macht/verbricht. Cyber-Krieg gegen Iran? Bin Laden erschossen, obwohl ein Prozess das staatsrechtliche Mittel hätte sein sollen? Immer noch nicht den internationalen Menschenrechtsgerichtshof anerkannt? Kein Bock auf Umweltschutz? Egal. Er lächelt einfach so nett und ist soooo coooool.

      Romney löst jetzt schon Panikattacken aus. Linke und Pazifisten rotten sich wahrscheinlich jetzt schon zusammen, um Pamphlete und Flugblätter zu erstellen, auf denen Romney Teufelshörner und Dollarzeichen in den Augen hat.



      Wer soll gewinnen?

      Eines muss noch zur Verteidigung Obamas gesagt werden: Durch so einen riesigen Haufen Scheiße (Guantanamo, Irak, Staatshaushalt, Finanzkrise ...) wie die Bush-Männer ihm und seiner Mannschaft hinterlassen haben, musste noch kein US-Präsident waten. Vielleicht hat er nach ein paar Monaten auch einfach resignierend festgestellt, dass Politik in der Lobby-Hauptstadt der Welt (Washington D.C.) überhaupt nichts mit Politik zu tun hat.

      Romney hingegen ist ein kurzsichtiger Lügner, der alles tun wird, um bei seinen Corporate Buddys als starker Mann dazustehen. Typus Unternehmensberater. Was willst du Anderes erwarten?

      Pick your Poison, America. Dem Rest der Welt bleibt eh nichts anderes übrig, als sich anzupassen.

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