Peinliche Gelüste bei Spotify

von Toni Lukic

Normalerweise stehe ich ja zu dem, was ich mache und sage. Ich habe mal mit 16 nach einer Flatrate-Saufen-Party vollgekotzt einen Blumeneimer umarmt. Mein Gott, da bin ich nicht stolz drauf, aber war halt so. Doch wenn es um Musik geht, um etwas, was ich wirklich liebe, werde ich sehr vorsichtig. Ich versuche in der Regel, nur gute Musik zu hören. „Wer bist du, dass du bestimmen kannst, was gut und was schlecht ist?“, werdet ihr nun denken. Stimmt, kann ich nicht. Doch auch ihr kennt diese Songs, die sich einfach falsch anfühlen, wenn ihr sie hört, weil sie von einer ehrlosen Scheiß-Band sind oder auf billigste Weise dein Trommelfell malträtieren. Songs, die jeder, der annähernd Ahnung von Musik hat, offen hasst. Und ihr wisst es. Aber weil sie irgendeinen falsch verkappten Nerv treffen, hört ihr sie doch. Natürlich würdet ihr das nicht zugeben.

Mir geht es exakt genauso. Deswegen höre ich mir manche Lieder niemals bei Spotify an. Ich will nicht, dass mich meine Freunde in dieser verschissenen rechten Leiste begaffen, während ich mir peinliche Songs anhöre. Und ja, ich bin zu geizig für den Premium-Account.

Aber hey, man sollte wirklich zu allem stehen, was man tut. Auch zu seinen Schwächen. Deswegen präsentiere ich euch die Songs, bei denen ich nicht stolz bin, dass ich sie feiere. Nach diesem Artikel kann ich sie in Zukunft auch bei Spotify pumpen. Endlich!

 

Justin Bieber - Boyfriend

Ehrlich gesagt habe ich mich nie groß mit Justin Bieber beschäftigt. Warum auch? Er macht sein Ding (Lustobjekt von Millionen Teenies sein), ich meins (Rumpimmeln bei Noisey). Wir haben—bis auf das gute Aussehen—nicht viel gemeinsam, deswegen habe ich seine Musik auch nie ernst genommen. Aber dann habe ich „Boyfriend“ gehört, und es hat sofort das 14-jährige Mädchen in mir angesprochen. Ich meine, wenn dieser Song nicht perfekt durchkonzipierter Pop ist, dann weiß ich auch nicht. Die bedrohlichen Drums zu Beginn, JBs Geflüster, dann die herrlichen Gitarren in der Bridge mit Justins lieblichem Gedudel und schließlich die harmlose aber wohlige Hook. Das alles stammt aus der Feder von Mike Posner und klingt entsprechend nach Justin Timberlake in noch ungefährlicher. Kein Wunder, dass mich der Song an der Angel hat. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich Biebs die Nase gebrochen hätte, wenn er mit den Schuhen aus dem Video jemals auf meinem Schulhof aufgetaucht wäre.

Mehr Peinlichkeiten findet ihr auf Noisey.com!

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